03:43 16 November 2019
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    Marina Rebeka

    „Ich liebe Salzburg“: Star-Sopranistin über das Flair der Salzburger Festspiele - INTERVIEW

    © Foto : Janis Deinats
    Kultur
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    Marina Rebeka zählt zu den begehrtesten Opernsängerinnen unserer Zeit. Jüngst für den „Opus Klassik 2019 Award“ nominiert, starten für die lettische Star-Sopranistin an diesem Wochenende die Salzburger Festspiele – das weltweit prestigeträchtigste Opern- und Theaterfestival. Was sie erwartet - Sputnik hat sie es verraten.

    Vom 20. Juli bis zum 31. August finden im malerischen Salzburg in Österreich die diesjährigen Salzburger Festspiele statt. Alljährlich pilgern Klassikliebhaber in die idyllische Stadt, um exquisite Aufführungen zu erleben – ein Pflichttermin gewissermaßen. Die gebürtig aus Riga stammende Sopranistin Marina Rebeka ist dort wohlbekannt.

    Was bedeutet Salzburg für Sie, welche Beziehung haben Sie zu den Salzburger Festspielen?

    Während meines Gesangsstudiums in Riga bot sich mir die Chance, an der „Mozarteum Sommerakademie“ in Salzburg teilzunehmen. Dort gab die US-amerikanische Sopranistin Grace Bumbry einen Kurs. Bei der Gelegenheit sah und begriff ich, was die Salzburger Festspiele sind: Es ist das bedeutendste Opernfestival der Welt, bei dem Opernliebhaber auf weltberühmte Sänger treffen und sich an interessanten Bühnenproduktionen erfreuen. Ich stellte seinerzeit fest, dass ich mich im Epizentrum des Opernlebens befand! Und dieses Gefühl habe ich auch heute noch: Es ist eine Ehre und Freude, in Salzburg zu sein, aber auch eine große Verantwortung und ein Meilenstein im Sänger-Leben. Von den Salzburger Festspielen angefragt zu werden und aufzutreten bedeutet, dass man als Sänger hoch geschätzt und gewürdigt wird. Zudem ist Salzburg selbst ein sehr schöner und romantischer Ort. Ich liebe Salzburg.

    Sie singen in diesem Jahr im Großen Festspielhaus in Salzburg die Rolle der Amelia Garibaldi in der Oper „Simone Boccanegra“ von Giuseppe Verdi an der Seite von René Pape. Es ist eine neue Produktion unter der Regie von Andreas Kriegenburg unter der musikalischen Leitung des russischen Dirigenten Valery Gergiev. Wie funktioniert es eigentlich, so eine Rolle in Salzburg zu „ergattern“?

    Die diesjährige Verdi-Oper ist bereits mein viertes Projekt im Rahmen der Salzburger Festspiele. Vor elf Jahren nahm ich an einer Audition beim Festivaldirektor teil, seinerzeit mit dem Dirigenten Riccardo Muti. Daraufhin erhielt ich die Einladung, bei den sommerlichen Salzburger Festspielen mitzuwirken: In der Rolle der Anaï in der Oper „Moïse et Pharaon“ des italienischen Komponisten Gioachino Rossini unter dem Dirigat von Riccardo Muti selbst.

    Und dies war wie ein Sprungbrett für meine Karriere: Ich wurde in die Operntheater Wien, London, New York, Zürich, Berlin, München eingeladen, sang an anderen bedeutenden Opernhäusern der Welt.

    Im Jahr 2015 sprang ich für die erkrankte Diana Damrau ein und gab statt ihrer mit den Wiener Philharmonikern ein Konzert mit Mozart-Arien: Es war das Abschlusskonzert der Salzburger „Mozartwoche“ im Januar. Und 2016 folgte ich erneut dem Ruf in die Stadt, um die Titelrolle in Jules Massenets Oper „Thaïs“ zu singen – zusammen mit Placido Domingo. Diese konzertante Aufführung in Salzburg unter der Leitung von Patrick Fournier war ein Riesenerfolg. Und daraufhin erhielt ich die Einladung, die Rolle der Amelia in der diesjährigen Produktion von „Simone Boccanegra“ zu singen.

    Die Amelia habe ich schon an der Wiener Staatsoper gesungen: Im Vergleich zu den grandiosen Partien der Violetta, Norma oder den Königinnen Donizettis ist die Rolle eher klein, jedoch eine intensive gefühlstiefe Rolle mit wunderschönen Ensembles, also Duetten und Terzetten. Zudem gibt es eine recht anspruchsvolle Arie – etwas schwierig, da ich sie gleich zu Beginn der Oper singe. Bisher hatte ich allerdings noch keine Gelegenheit, mit dem russischen Dirigenten zu arbeiten. Aber ich schätze Valery Gergiev sehr – er ist ein bedeutender Musiker.

    Was bringt die diesjährige Festspiel-Saison in Salzburg noch?

    In Salzburg präsentiere ich diesen Sommer erstmals mein neuestes Album „Spirito“, welches auf meinem eigenen neuen Label „Prima Classic“ erschienen ist. „Spirito“ ist vollständig dem „Belcanto“ gewidmet. (Belcanto – italienisch: „schöner Gesang“ ist ein seit dem 16.Jahrhundert bis Mitte des 19.Jahrhunderts bestimmender Stil vor allem in der italienischen Musik und in der Oper – Anm. d. Red.) Das Album basiert auf Original-Manuskripten der Kompositionen. Ich habe dafür weltweit in Bibliotheken gestöbert, habe dann meine eigene kritische Ausgabe verfasst und eigene Variationen dazu geschrieben. Im nächsten Schritt haben wir alles in den Computer „geladen“, also digital aufbereitet und an Orchester und Chor geschickt – ein Großprojekt, denn abgesehen von mir waren das Orchester, der Chor und vier weitere Solisten daran beteiligt.

    Zu „Spirito“ gebe ich am 18. August eine Signierstunde. Außerdem bringen wir am 16. August das zweite Album unseres Labels auf den Markt: Das des jungen südafrikanischen Tenors Levy Sekgapane, der dieses Jahr ebenfalls bei den Salzburger Festspielen auftritt und zwar in der Mozart-Oper „Idomeneo“.

    Marina Rebeka – eine internationale Karriere: Sie treten auf den bedeutendsten Bühnen der ganzen Welt auf. Eint die Liebe zur Musik, zur Oper, zur Kunst? Ist es eine Welt ohne Grenzen, wo auch Nationalitäten irrelevant sind?

    Talent hat keine Nationalität, kein Geschlecht, keine Hautfarbe und unterwirft sich auch sonst keinem einschränkenden Vorurteil. Als Künstler ist man in erster Linie ein Talent. Wir alle sind Kinder dieser Erde. Wir repräsentieren zwar die Länder, aus denen wir stammen, doch meiner Meinung nach sind Kunst und Politik unvereinbar und Welten voneinander entfernt – wie unterschiedliche Planeten.

    Und was macht den Salzburger Festivalsommer noch so attraktiv für Sie?

    Teodor Currentzis beim „Hammerschlag“
    © Foto : Theater für Oper und Ballet Perm / Nikita Chuntomov
    Ich freue mich darauf, mit wunderbaren Musikerkollegen und Freunden großartige Musik zu Gehör zu bringen. Natürlich – jede Premiere bedeutet auch eine gehörige Portion Stress. Es ist gleichzeitig aber auch spannend und eine reizvolle Aufregung. Die Festspiel-Saison ist ganz verrückt – mit all den Opern, Musikliebhabern und Events, aber es ist ein großartiger Ort, um in kultureller Hinsicht zu wachsen und sich zu bilden. Auch ich werde einige Konzerte als Besucherin genießen. Ich möchte aber auch den Sommer an den Salzburg umgebenden Seen  genießen – in meiner Freizeit etwa fahre ich gern mit meiner Familie an den See.

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    Tags:
    Salzburger Festspiele, Oper, Österreich