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04:49 23 September 2019
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    A.R. Penck: Der Übergang, 1963

    Bilder gegen die Mauer im Kopf: Ausstellung zeigt DDR-Kunst im Westen – Fotos

    © Foto : akg-images/ A.R. Penck / VG Bild-Kunst Bonn, 2019
    Kultur
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    DDR 1989 – Erst 40 Jahres-Feier, dann Mauerfall und Untergang (56)
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    Im Jahr 30 nach dem „Mauerfall“ zeigt der Kunstpalast Düsseldorf eine Ausstellung zu DDR-Kunst. Nach drei Jahrzehnten stiefmütterlicher Behandlung soll ihr der gebührende Platz gegeben werden, so Kurator Steffen Krautzig. Mit Werken von DDR-Künstlern, die lange Zeit als Staats-Maler galten, hinterfragt die Schau „Utopie und Untergang“ Klischées aus Ost wie West.

    „Hoffentlich ist es keine Eintagsfliege“, sagt Kurator Krautzig beim Gespräch mit Sputnik in einer Pause beim Aufbauen „seiner“ Ausstellung im Kunstpalast. Ostdeutsche, insbesondere die Kunst aus der DDR, habe im Westen viel weniger Aufmerksamkeit bekommen, als ihr gebühre.

    Das allgemeine Interesse, sich im Westen mit dem Osten und insbesondere seiner Bedeutung für die Kunstgeschichte auseinanderzusetzen, sei in den letzten 30 Jahren nicht sehr groß gewesen. Bis 1990 habe dies jedoch anders ausgesehen – es gab durchaus engagierte West-Sammler mit Kollektionen von DDR-Kunst, berichtet der junge Kunsthistoriker. Mit der neuen großen Schau zur DDR-Kunst in Düsseldorf wolle man nun insbesondere auch ein jüngeres, etwa in den 80er Jahren und später geborenes Publikum, das in Westdeutschland in den letzten drei Dekaden nicht die Gelegenheit gehabt hätte, diese Kunst kennenzulernen, ansprechen.

    Kurator Krautzig selbst ist Jahrgang 1977, gebürtiger Spremberger und zum Mauerfall zwölf Lenze jung. Seine „Ost-Biographie“ habe allerdings bei der Übertragung der Organisation der großen DDR-Kunst-Schau keine Rolle gespielt, vielmehr habe die Museumsleitung es erst ein halbes Jahr später „mitgekriegt“, erzählt der Kunstwissenschaftler. Es sollte eigentlich auch gar keine Rolle spielen, ob Ost oder West, jung oder alt, meint er.

    Nach dem Erfolg der bundesweit ersten und größten Museums-Schau zur DDR-Kunst „Point of no return“ in Leipzig – präsentiert der Kunstpalast Düsseldorf mit „Utopie und Untergang“ nun eine Auswahl an DDR-Kunst mit Leihgaben aus allen wichtigen ostdeutschen Museen: Die Ausstellung mit dem Fokus auf Malerei präsentiert mehrere Hauptwerke von seit der „documenta 6“ 1977 als offizielle Maler der DDR wahrgenommenen Künstlern: Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer, Werner Tübke, Willi Sitte. Die Schau soll tiefere Einblicke in deren Schaffen ermöglichen.

    Gesamtdeutsche Kunstgeschichte

    Die Künstlerauswahl zur Düsseldorfer Ausstellung soll verdeutlichen, dass die zu DDR-Zeiten und bis heute andauernde übliche Gegenüberstellung von „freiheitlicher Abstraktion“ im Westen und „ideologisch belastetem Realismus“ im Osten geprüft werden müsse. Es sei von Bedeutung, sich mit der gesamtdeutschen Geschichte zu befassen, gegen das Vergessen, so Kurator Krautzig: „Man sollte alle Epochen kritisch hinterfragen dürfen, man sollte sie jedenfalls präsent halten und nicht dem Vergessen preisgeben.“

    Die Objekte sollten nicht allein als historische Dokumente betrachtet werden, wie es in der Vergangenheit immer wieder geschehen ist. Sondern sie würden als Kunstwerke vorgestellt, die zum Nachdenken über unsere gesamtdeutsche Kunstgeschichte auffordern sollen.

    Spannende Kunstperiode zwischen 1949 bis 1989

    Die aktuelle Düsseldorfer Ausstellung zeigt ab September 2019 mehr als 130 Werke von insgesamt 13 ostdeutschen Künstlern: Sie verdeutlichten eine spannungsreiche, oft widersprüchliche, aber überraschend vielseitige Kunstepoche zwischen 1949 und 1989.

    • A.R. Penck: Der Übergang, 1963
      A.R. Penck: Der Übergang, 1963
      © Foto : akg-images/ A.R. Penck / VG Bild-Kunst Bonn, 2019
    • Willi Sitte: Nach der Schicht im Salzbergwerk, 1982
      Willi Sitte: Nach der Schicht im Salzbergwerk, 1982
      © Foto : akg-images/ Willi Sitte / VG Bild-Kunst Bonn, 2019
    • Werner Tübke: Sizilianischer Großgrundbesitzer mit Marionetten, 1972
      Werner Tübke: Sizilianischer Großgrundbesitzer mit Marionetten, 1972
      © Foto : Werner Tübke / VG Bild-Kunst Bonn 2019, bpk / Staatliche Kunstsammlungen Dresden / Elke Estel / Hans-Peter Klut
    • Gerhard Altenbourg: Ecce homo I (Der sterbende Krieger), 1949
      Gerhard Altenbourg: Ecce homo I (Der sterbende Krieger), 1949
      © Foto : Gerhard Altenbourg / VG Bild-Kunst Bonn, 2019, PUNCTUM / Bertram Kober
    • Carlfriedrich Claus: Beginn eines Briefs an Prof. Will Grohmann, 1963
      Carlfriedrich Claus: Beginn eines Briefs an Prof. Will Grohmann, 1963
      © Foto : Carlfriedrich Claus / VG Bild-Kunst Bonn, 2019, Horst Kolberg – ARTOTHEK
    • Hermann Glöckner: Schwarz und Weiß auf Blau, 1957
      Hermann Glöckner: Schwarz und Weiß auf Blau, 1957
      © Foto : Hermann Glöckner / VG Bild-Kunst Bonn, 2019, Herbert Boswank
    • Angela Hampel: Medea, 1985
      Angela Hampel: Medea, 1985
      © Foto : Angela Hampel / VG Bild- Kunst Bonn, 2019, bpk / Nationalgalerie, SMB / Karin März
    • Bernhard Heisig: Brigadier II, 1968/70/79
      Bernhard Heisig: Brigadier II, 1968/70/79
      © Foto : Bernhard Heisig / VG Bild- Kunst Bonn, 2019, bpk / Museum der bildenden Künste, Leipzig / Ursula Gerstenberger
    • Wilhelm Lachnit: Gliederpuppe, 1948
      Wilhelm Lachnit: Gliederpuppe, 1948
      © Foto : Erbengemeinschaft Wilhelm Lachnit, bpk / Nationalgalerie, SMB
    • Wolfgang Mattheuer: Die Flucht des Sisyphos,  1972
      Wolfgang Mattheuer: Die Flucht des Sisyphos, 1972
      © Foto : Wolfgang Mattheuer / VG Bild-Kunst Bonn, 2019, bpk / Staatliche Kunstsammlungen Dresden / Elke Estel / Hans-Peter Klut
    • Michael Morgner: Schreitender, 1990
      Michael Morgner: Schreitender, 1990
      © Foto : Michael Morgner / VG Bild-Kunst Bonn, 2019, Horst Kolberg – ARTOTHEK
    • Cornelia Schleime: o.T., 1986
      Cornelia Schleime: o.T., 1986
      © Foto : Cornelia Schleime, Eric Tschernow
    • Elisabeth Voigt: Der rote Stier, 1944-1961
      Elisabeth Voigt: Der rote Stier, 1944-1961
      © Foto : Nachlass Elisabeth Voigt, bpk / Museum der bildenden Künste, Leipzig / Michael Ehritt
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    © Foto : akg-images/ A.R. Penck / VG Bild-Kunst Bonn, 2019
    A.R. Penck: Der Übergang, 1963

    Viele Künstler aller Generationen, darunter Elisabeth Voigt und Wilhelm Lachnit, rieben sich nach dem Zweiten Weltkrieg an den strengen Vorgaben des „Sozialistischen Realismus“. Ihre künstlerischen Strategien entwickelten sie oft unter Druck: zurückgezogen wie Carlfriedrich Claus und Gerhard Altenbourg oder in rebellischem Widerspruch zum Staat wie A. R. Penck und Cornelia Schleime.

    A.R. Penck, dessen Werk zu großen Teilen noch vor seiner Ausbürgerung aus der DDR 1980 entstand, wurde später Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie. Punkig-expressive Frauenfiguren von Angela Hampel, existenzialistische Gemälde Michael Morgners und abstrakte Arbeiten des „Patriarchen der Moderne“ Hermann Glöckner verdeutlichen die stilistische Vielfalt – Wege zwischen Rebellion und Anpassung, zwischen Utopie und Untergang.

    Die offizielle Kunst in der DDR sollte dem Stil des „Sozialistischen Realismus“ folgen – volkstümlich und parteilich im Dienst der Arbeiterklasse stehen und helfen, die sozialistische Gesellschaft aufzubauen und zu festigen. Viele Künstler unterliefen diese Vorstellung und suchten nach Alternativen zum staatlichen Kunstbetrieb.

    Aktuelle Bedeutung der DDR-Kunst

    Die Kunst, die in der DDR erschaffen worden sei, beweise auch im zeitgenössischen Kontext Aktualität. Die Künstler hätten Dinge thematisiert, die uns auch heute beschäftigen würden, so Kurator Steffen Krautzig. So könne man etwa Gedankenspiele zum Thema „Work-Life-Balance“ anstellen, betrachte man etwa ein Werk aus der DDR, welches ihm selbst von Kindesbeinen an – wie auch vielen anderen DDR-Bürgern – bekannt gewesen sei: „Die Ausgezeichnete“ von Wolfgang Mattheuer aus 1973/74 zeigt eine abgespannt aussehende Werktätige, die müde und verloren wirkend über einem Strauß Tulpen sinniert. Auch dieses Bild ist eine Leihgabe für die am 5. September startende Düsseldorfer Schau.

    Die Ausstellung „Utopie und Untergang. Kunst in der DDR“ eröffnet am 5. September 2019 und soll bis zum 26. Januar 2020 gezeigt werden.

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    DDR 1989 – Erst 40 Jahres-Feier, dann Mauerfall und Untergang (56)
    Tags:
    Geschichte, Kunstwerke, Ausstellung, Schau, Künstler, Westen, Osten, Deutschland, DDR