21:59 14 Dezember 2019
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    „Panikraum“ für Merkels „Wir schaffen das“: Ausstellung in Chemnitz

    © Foto : M+M/VG Bild-Kunst, Bonn 2019
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    Angela Merkels Satz "Wir schaffen das" steht für eine historische Episode: Vor vier Jahren, auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise ihrem Mund entschlüpft, scheidet die Botschaft bis heute die Geister. In Chemnitz, 2018 durch Ausschreitungen zu trauriger Berühmtheit gelangt, haben sich Künstler mit der Rede auseinandergesetzt: mit einem „Panikraum“.

    Die Kunstsammlungen Chemnitz zeigen derzeit unter dem Titel „M+M. Fan der Menschheit“ Videoarbeiten, Installationen und Foto-Serien des preisgekrönten Künstlerduos Martin De Mattia und Marc Weis.

    “Panikraum“ und Flüchtlingskrise

    Herzstück der Ausstellung ist der „Panic Room Chemnitz“, ein Werk aus dem Jahr 2019. Es handelt sich dabei um eine raumgreifenden Installation. M+M präsentieren eine zugespitzte zeitgenössische Bestandsaufnahme gesellschaftlicher Konflikte und weltpolitischer Ereignisse.

    Eine eigens für die Ausstellung entworfene Zeitung „Merkel 05“ mit der umstrittenen "Wir schaffen das"-Rede der Bundeskanzlerin gibt es. Das Blatt besteht nur aus der Kanzlerinnen-Rede und Nachrichtenbildern, dient als Tapete für Wände und Fußboden eines ganzen Raumes. In dem „Panikraum“ sind Bilder von TV-Sendungen, auch und insbesondere um die Vorkommnisse in Chemnitz Sommer 2018 um den gewaltsamen Tod von Daniel H., auf den fremdenfeindliche Übergriffe, rechte Demonstrationen und Attacken auf ausländische Restaurants in der Stadt folgten, als Fotostrecke der Serie „in front“ über die Wände verteilt.

    • M+M, Panic Room Chemnitz
      M+M, Panic Room Chemnitz
      © Foto : M+M/VG Bild-Kunst, Bonn 2019
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      M+M, Panic Room Chemnitz
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    M+M, Panic Room Chemnitz

    „Wir schaffen das“ und die künstlerische Auseinandersetzung

    Als Künstler hätten sie den Merkelschen Satz nicht analysieren, sondern in seinen Zusammenhang zurücksetzen wollen, berichten die Künstler in der Zeitschrift Monopol. Damals, also 2015, sprach die Bundeskanzlerin über Griechenland und die Urkaine, um dann auf die Flüchtlinge sprechen zu kommen – als humanitäres Problem hätte dieses eine gesamteuropäischen Lösung erfordert. Doch schlußendlich sei nur der Satz "Wir schaffen das" in den Kopfen der Menschen hängengeblieben, so die Künstler, der dann eine Eigendynamik entwickelt habe sowie gegen die Kanzlerin gewendet worden sei. Denn von rechter Seite habe man später das Gefühl vermitteln wollen, dass es unmöglich ist, mit einer so großen Anzahl von Flüchtlingen klarzukommen. „Heute wissen wir, dass es sehr wohl möglich ist“, so die Künstler gegenüber dem Journal.

    Die „Dramatisierung“ durch die Rechten, dass nach 2015 die Welt untergehen würde, sei nicht eingetreten und dass es eine europäische Lösung geben müsse, sei auch heute noch so: Es würde daran gearbeitet in Deutschland, dass der Satz „Wir schaffen das“ wahr werden könne.

     

    Die künstlerische Auseinandersetzung sei eine Prüfung der Wirksamkeit und Dynamiken, die sich aus der Rede 2015 und den Folgeereignissen ergeben hätten, etwa den neonazistischen Aufmärschen in Chemnitz drei Jahre später.

    In Serie

    Bereits in der Vergangenheit haben „M+M“ Zeitungen mit anderen umstrittenen Politikerreden gemacht und sie verteilt. Die Rekapitulation der Inhalte würde allein den Lesern überlassen. Und auch die „Panic Rooms“ sind Teil einer Serie, die es schon seit einigen Jahren gibt. Der Titel sei mit Bedacht ob seiner Doppeldeutigkeit gewählt worden, handele es sich doch einerseits um Räume, in die man sich bei einem Einbruch zurückziehe, anderseits soll ihr Raum das Chaos der Informationen darstellen, die auf die Menschen einströmen, so die Künstler.

    Die Ausstellung „M+M. Fan der Menschheit“ ist noch bis zum 22. September 2019 in den Kunstsammlungen Chemnitz zu sehen.

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    Fotokunst, Kultur, Flüchtlingskrise, Ausstellung, Chemnitz, Kunstwerk, Kunst, Angela Merkel