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05:58 22 Oktober 2019
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    Ballett in St. Petersburg (Archiv)

    Die älteste Ballettschule der Welt bei Palucca & Co – russische Meisterkurse in Deutschland

    © Sputnik / Alexej Danitschew
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    Nijinski, Ulanowa und Pawlowa, Baryschnikow prägten das St. Petersburger Ballett. Die Namen sind nicht nur Szenekennern ein Begriff. Der aktuelle Rektor Nikolaj Tsiskaridze schied nach 21 Jahren im Streit vom Moskauer Bolschoi-Ensemble, nur um dann die Leitung der exquisiten Schule zu übernehmen. Die Akademie gastiert nun in Dresden und Stuttgart.

    Der Austausch zwischen der Dresdener Palucca-Hochschule und der „Agrippina-Waganowa-Ballettakademie“ blickt auf eine lange Geschichte zurück. In der DDR wurden regelmäßig Sommer-Intensivkurse unter Beteiligung sowjetischer Tänzer veranstaltet und die Studenten der Palucca-Hochschule besuchten St. Petersburg, wo sie an Meisterklassen in der Ballettakademie teilnahmen. „Palucca“ galt als DDR-Aushängeschild für darstellende Tanzkunst auf Weltklasseniveau.

    Die Akademie des Russischen Balletts in St. Petersburg selbst ist eine der ältesten Ballettschulen der Welt. Sie wurde 1738 von Zarin Anna Ioannowna gegründet und wurde sowohl durch bedeutende Ballettmeister, als auch ihre talentierten Absolventen berühmt. Die Ballerina Anna Pawlowa etwa, die in Paris bei den "Russischen Saisons" von Sergei Djagilew glänzte, machte die ganze Welt mit dem russischen Ballett bekannt. Pawlowa ist für das extra für sie choreographierte Tanz-Solo „Der sterbende Schwan“ aus dem Jahr 1905 berühmt. Und Marina Semjonowa bewies ihrem dann sowjetischen Heimatland in den schwierigen 1920er Jahren, dass das klassische Ballett gebraucht wird.

    Die Schule mit über 300 Schülern ist der Ballett-Truppe des Mariinski-Theaters angegliedert – einer der führenden Tanzcompagnien weltweit. Um an die prestigeträchtige Institution zu gelangen, tanzen jedes Jahr etwa 3000 junge Menschen vor, von denen nur 60 angenommen werden und gerade einmal 25 jährlich den Abschluß schaffen. Dann ist es allerdings das Sprungbrett für eine internationale Karriere.

    Für Erfolge der Akademie sorgten über die Jahrhunderte hinweg die schöpferische Tätigkeit von Matilda Kschessinskaja, der pikanterweise auch ein Verhältnis zu Zar Nikolaus II. nachgesagt wurde. Prägend war die Phase unter dem großen Vaslav Nijinsky, Namen wie Galina Ulanowa, Feja Balabina, Natalija Dudinskaja, Wladimir Ponomarew, Michail Baryschnikow, Uljana Lopatkina sind für immer mit der Schule und ihrem Rennommée verbunden.

    Bis zum 10. Oktober nehmen nun Vertreter der Akademie an Workshops für klassischen Tanz in Dresden an der Palucca-Hochschule und vom 7. bis zum 12. Oktober in Stuttgart an der John-Cranko-Ballettschule teil: In Dresden gibt es Meisterkurse, durchgeführt vom Rektor der Sankt Petersburger Akademie, Nikolai Tsiskaridze und deren künstlerischen Leiterin Zhanna Ajupowa - unter Beteiligung von Studenten und Pädagogen beider Schulen.

    Tsiskaridze ist einer der bedeutendsten Ballettmeister und Choreographen – mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Ballett-Oscar „Prix Benois“, ist er der jüngste Nationalkünster der Föderation, dem diese Ehrung zuteil wurde, zudem Chevalier de l'Ordre des Arts et des Lettres de la République Française, bekam er den französischen Orden der Künste und Literatur doch bereits 2006 und er ist Professor emeritus der Tokyo Ballet Academy – ein Weltstar.

    Im seinem Programm für Deutschland: Lektionen in klassischem Tanz, Proben zu Variationen des klassischen Erbes, des modernen Tanzes und des Improvisationstanzes, Diskussionsrunden für Pädagogen und ein gemeinsames Gala-Konzert von Studenten der Waganowa-Akademie und der Palucca-Hochschule. In Stuttgart gibt es Workshops zum klassischen Tanz, die für die deutschen Pädagogen von der Professorin der St. Petersburger Ballettakademie Marina Wasiljewa durchgeführt werden. 

    Die Events um die Truppe des Mariinski-Balletts und der Waganowa-Akademie reihen sich in das internationale Kulturprojekt „Russian Seasons" in Deutschland ein.

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    Tags:
    Waganowa-Ballettakademie, Agrippina Jakowlewna Waganowa, Gret Palucca, John Cranko Schule, Palucca Hochschule für Tanz, Mariinski-Theater, Ballett, Russische Saisons, DDR, Deutschland, Russland