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11:53 19 Oktober 2019
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    Scratching on Things I Could Disavow: Index XXVI_Red von Walid Raad im MACBA-Museum

    Verweigerung des Aachener Kunstpreises für Walid Raad: Ist diese Revision gerechtfertigt?

    CC BY-SA 2.0 / Gemma Planell / MACBA, 2015
    Kultur
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    Die Stadt Aachen zog den Kunstpreis für den Künstler Walid Raad zurück, aufgrund seiner Sympathien zur BDS-Bewegung. Da diese Bewegung als antisemitisch eingestuft wird, wiederrief man den Kunstpreis für sein Werk. In einem exklusiven Interview mit Sputnik erklärt der Generalsekretär des Deutschen Musikrates seine Meinung zu diesen Ereignissen.

    Am Dienstag gab die Stadt Aachen bekannt, dass sie den Kunstpreis für den syrischen Künstler Walid Raad zurückgezogen hat. Grund dafür ist Raads Sympathie zur BDS-Bewegung (Boycott, Divestment, Sanctions). Da diese Bewegung als antisemitisch eingestuft wird, könne sich die Stadt Aachen keine Kooperation mit dem Künstler vorstellen. Außerdem hätte sich Raad, als er darauf angesprochen wurde, zu wenig von der Bewegung distanziert.

    Der Generalsekretär des Deutschen Musikrates, Christian Höppner, unterstützt die Entscheidung der Stadt Aachen. Indem der syrische Künstler die anti-israelische Bewegung befürwortet, würde er gegen den Beschluss des Deutschen Bundestags verstoßen. Höppner sieht in Raad eher ein gesellschaftspolitisches Problem, kein künstlerisches.

    „Nicht ohne Grund, hat ja erstmal eine Jury Walid Raad ausgesucht und ausgewählt. Es gibt also künstlerische Kriterien und es gibt aber auch gesellschaftspolitische Erwägungen. (…) man muss es versuchen sehr nüchtern zu betrachten. Außerdem finde ich, dass es das gute Recht eines Preisgebers ist, eine Entscheidung zu revidieren.“

    Ist Kunst von Politik zu trennen?

    „Kunst muss frei sein“, meint der Generalsekretär des Musikrats. Aber nur weil sie frei sein müsse, heiße das noch lange nicht, dass sie alles dürfe. Da die Bundesregierung die BDS-Bewegung als antisemitisch qualifiziert habe, sei eine Verbindung mit ihr ein Verstoß gegen das Strafrecht. Außerdem werde die Kunstfreiheit durch eine Auszeichnung nicht gefährdet. In einer Preisverleihung würden sich keine Einschränkungen der künstlerischen Ausübung feststellen lassen, so Höppner.

    Doch auch, wenn Kunst frei sein müsse, so kann man sie doch nie ganz von der Politik trennen. Er stehe zwar für die strikte Trennung von Kunst und Politik, wenn es um die inhaltliche Gestaltung dieser geht. Doch Kunst hätte auch eine gesellschaftspolitische Bedeutung: „Kunst, Künstler und Kultur sind immer politisch. Nicht umsonst werden sie dann leider auch im Sinne der Manipulation missbraucht.“

    Antisemitische Entwicklung in der Kunstszene Deutschlands?

    Allgemein gab es in letzter Zeit immer mehr Proteste von Gruppierungen, gegen Künstler, die mit BDS in Verbindung stehen. So geschah es schon in Göttingen, bei der Verleihung des Friedenspreises an den Verein „Jüdische Stimme“. Auch der diesjährige Nelly-Sachs-Preis musste von der Jury zurückgezogen werden, da die Gewinnerin, Kamila Shamsie, ebenfalls die BDS-Bewegung befürwortete.

    Einerseits sei es laut Höppner gut, diesen Diskurs zu wecken und Diskussionen über dieses Thema zu führen. „Andererseits bin ich zutiefst besorgt, wie der Antisemitismus sich in unserem Land wie ein Krebsgeschwür ausbreitet.“ Es sei deshalb mit „einem weinenden Auge“, wie Höppner die gesellschaftspolitische Entwicklungen beobachtet.

    „Das heißt ja nicht, dass man keine Kritik an Vorgängen in Israel ausüben darf. Aber die BDS-Bewegung ist eine transnationale und sie hat ganz klare Ziele. Und diese stehen im absoluten Gegensatz zu dem, was wir in unseren Werten und Vereinbarungen haben, gerade im Hintergrund unserer Geschichte.“

    Das komplette Interview mit Christian Höppner zum Nachhören:

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    Tags:
    Jury, Kritik, Antisemitismus, Künstler, Kunst, Aachen