06:40 18 November 2019
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    Die Ausstellung Nimm das, Adolf (Die Illustration wurde den gesetzlichen Vorschriften Russlands entsprechend geändert)

    Bunte Superhelden gegen Nazis: „Nimm das, Adolf“ – Ausstellung zum Zweiten Weltkrieg im Comic

    © Foto : Jalal Khaboura
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    Prinz Eisenherz kämpft gegen barbarische Hunnen, Tarzan und Flash Gordon in patriotischer Pflicht gegen Hitlerdeutschland. Superman begnügt sich mit Hilfsarbeiten: seine Superkraft hätte das Fiasko schnell beendet – zu schnell für eine immer größer werdende Leserschaft.

    Eine Schau in Dortmund zeigt seltene Exponate ab der Zeit des Zweiten Weltkrieges.

    Das Medium des Comic-Heftes war mit der Erfindung Supermans 1938 gerade in rasantem Aufstieg begriffen, als der Krieg in den USA zunehmend ein Thema wurde.

    „Die Comic-Helden haben mit ihrem bunten Engagement gegen Nazi-Deutschland den Eintritt der USA in den Krieg noch lange vor Pearl Harbour vorweggenommen, was der US-Regierung und insbesondere deutsch-freundlichen Kräften so gar nicht zupass kam, war es doch alles andere, als eine Neutralitätsbekundung“, so Dr. Alexander Braun, der Kurator.

    Eine ganze Riege von Superhelden engagierte sich im Kampf gegen Hitler-Deutschland, Mussolinis Italien und das kaiserliche Japan. In der Zeit des Zweiten Weltkrieges erlebte das Medium einen regelrechten Boom, die Kämpfe von etwa 100 Superhelden konnten nachgeblättert wie nachgefiebert werden.

    Bunte Superhelden mit voller Schlagkraft

    Die Helden der ersten Stunde, wie Superman oder Batman, griffen eher verhalten ein, die Superhelden der zweiten Generation, wie Captain America, hingegen mit voller Schlagkraft und ohne Pardon. Und auch die Comic-Strip-Helden in den großen US-Zeitungen, der Premiumliga des Comics, mochten nicht hintanstehen.

    Flash Gordon kehrte aus dem Weltraum auf die Erde zurück, um Washington im Kampf gegen einen finsteren Diktator beizustehen. Selbst Prinz Eisenherz vom mittelalterlichen Hof König Arthurs stellte sich tapfer gegen einfallende Hunnen-Horden – gemeint war damit Hitlerdeutschland und seine Verbündeten, das kaiserliche Japan und Mussolinis Italien.

    Nazi-Propaganda versagt im Kampf

    Das Dritte Reich hatte dieser Übermacht von Helden wenig entgegenzusetzen. E. O. Plauens „Vater und Sohn“ wurde zwar in die Pflicht genommen, für das Winterhilfswerk und Adolf Hitler bei den anstehenden Reichstagswahlen zu werben, für Kriegsaktivitäten taugte der humoristische Familien-Strip allerdings wenig.

    • „Adolf Neuman“ von Norman Mingo
      „Adolf Neuman“ von Norman Mingo
      © Foto : schauraum comic+cartoon
    • Blue Beetle Nr. 32, Juli 1944 (Die Illustration wurde den gesetzlichen Vorschriften Russlands entsprechend geändert)
      Blue Beetle Nr. 32, Juli 1944 (Die Illustration wurde den gesetzlichen Vorschriften Russlands entsprechend geändert)
      © Foto : schauraum comic+cartoon
    • Superman-Ausgabe 1945  (Die Illustration wurde den gesetzlichen Vorschriften Russlands entsprechend geändert)
      Superman-Ausgabe 1945 (Die Illustration wurde den gesetzlichen Vorschriften Russlands entsprechend geändert)
      © Foto : schauraum comic+cartoon
    • © Foto : Jalal Khaboura
    • „Wansee“ von Fabrice Le Hénanff
      „Wansee“ von Fabrice Le Hénanff
      © Foto : schauraum comic+cartoon
    • © Foto : Jalal Khaboura
    • © Foto : Jalal Khaboura
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    © Foto : schauraum comic+cartoon
    „Adolf Neuman“ von Norman Mingo

    Die NS-Propaganda schoss sich auf das Medium Comic im Allgemeinen ein, „enttarnte“ die Erfinder von Superman als Juden und beschimpfte das Erzählen in Bildern mit Sprechblase als dekadent, kulturlos und „entartet“. Eine giftige Saat, die noch lange nach dem Krieg ihre Wirkung tat und Deutschland in Sachen Comic-Kultur zum Schlusslicht in der Welt machte.

    Nazi-Fantasien garniert mit Vampiren, Werwölfen und Zombies

    Sturtevant, Triptych Marilyn, 2004 Synthetischer Polymer-Siebdruck und Acryl auf Leinwand, 55 x 130 cm
    Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac, London, Paris, Salzburg, © Estate Sturtevant, Paris, Foto: Charles Duprat
    Die 1970er Jahre erlebten eine zusehende Enthistorisierung des Themas. Eine Vermischung von Produktionen aus Kriegs-, Horror- oder Fantasy-Genres hielt Einzug, und die Figur des Nazis fügte sich in eine Reihe mit Vampiren, Werwölfen und Zombies. In Italien kreuzte man Nazi-Fantasien mit Pin-up-Kultur, und das MAD-Magazin klebte seinem Maskottchen Alfred E. Neumann kurzerhand das typische Hitler-Bärtchen an und stellte ihn neben „Größen“ der Weltgeschichte wie Napoleon und Attila, den Hunnenkönig.

    Diese Vielfalt hält bis heute an. Aufwendig gestaltete und um historische Authentizität bemühte Graphic-Novels wie Fabrice Le Hénanffs Chronologie der Wannsee-Konferenz aus dem Jahr stehen neben actionreichen schwarzhumorigen Nazi-Zombie-Pulp-Burlesken.

    Die Ausstellung „Nimm das, Adolf!“ – Zweiter Weltkrieg im Comic läuft noch bis 15. März 2020 im schauraum: comic + cartoon – bei freiem Eintritt.

    Das Interview mit Dr. Alexander Braun zum Nachhören:

    Flyer der Ausstellung „Nimm das, Adolf!“  (Die Illustration wurde den gesetzlichen Vorschriften Russlands entsprechend geändert)
    © Foto : schauraum: comic + cartoon
    Flyer der Ausstellung „Nimm das, Adolf!“ (Die Illustration wurde den gesetzlichen Vorschriften Russlands entsprechend geändert)
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    Tags:
    Adolf Hitler, USA, Drittes Reich, Zweiter Weltkrieg, Comics, Superman, Dortmund