22:05 16 November 2019
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    Russlands Heilige ist eine Hessin – Ausstellung und Konzert mit royalem Touch

    © Foto : Staatliches Archiv der Russischen Föderation
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    Es war einmal eine deutsche Prinzessin...Enkelin der britischen Monarchin Victoria und Schwester der letzten Zarin: Elisabeth. Die russisch-orthodoxe Kirche verehrt sie als Neumärtyrin und Heilige, sie gilt als Begründerin der Barmherzigkeitsbewegung Russlands. Der 155.Geburtstag Jelisawjeta Fjodorownas ist in Berlin Anlass feierlichen Gedenkens.

    Die Gästeliste strotzt vor Noblesse. Gleich zwei illustre Namen der Oberhäupter königlicher Häuser prangen darauf: Der des Hohenzollern Georg Friedrich Prinz von Preußen sowie der des Oberhauptes des Hauses Hessen-Darmstadt – Prinz Heinrich Donatus. Beide sind verwandt mit der Verehrten.

    Eine Ausstellung zum Wirken der Großfürstin im Russischen Haus in der Friedrichstraße und ein abendliches Konzert mit Chorgesängen in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am Freitag: Das sind nur zwei Programmpunkte zum feierlichen Gedenken des 155.Geburtstages von Elisabeth.

    Elisabeth von Hessen-Darmstadt: Jelisawjeta Fjodorowna

    Elisabeth wurde am 1. November 1864 in der Familie von Großherzog Ludwig IV. von Hessen-Darmstadt und Prinzessin Alice, Tochter der britischen Königin Victoria, geboren. Ihre Mutter besuchte oft kranke Menschen in Behindertenheimen, nahm ihre Kinder mit. Sie vermittelte ihrer Tochter Mitgefühl für ihre Nächsten. Im Jahr 1884 heiratete Elisabeth den Großfürsten Sergej, Sohn des russischen Imperators Alexander II., und nahm einen neuen Namen an – Jelisawjeta Fjodorowna. 1888 pilgerten die Eheleute ins Heilige Land. Diese Reise hatte einen großen Einfluss auf die Großfürstin; kurz danach nahm sie den orthodoxen Glauben an. Nachdem ihr Mann, Sergej Alexandrowitsch, Generalgouverneur von Moskau wurde, gab es auch für sie neue Aufgaben: Abends unterhielt sie auf Empfängen, tagsüber engagierte sie sich für wohltätige Zwecke - besuchte Krankenhäuser für Arme und Unterkünfte für obdachlose Kinder.

    Im Februar 1905 kam ein Wendepunkt im Leben Elisabeths: Großherzog Sergej Alexandrowitsch wurde von einem Terroristen getötet. Sie beschloss, fortan dem weltlichen Leben zu entsagen und sich ganz dem Dienst an Gott und den Nächsten zu widmen. Elisabeth erwarb ein Herrenhaus an der Ordynka in Moskau und richtete dort das Martha-Maria-Barmherzigkeitskloster zur Unterstützung der Armen und Leidenden ein.

    Unter ihrer Schirmherrschaft arbeiteten Institutionen wie die Iweriskoje Gemeinschaft der Rotkreuzschwestern. Zudem setzte sie das Werk ihres Mannes fort und übernahm die Leitung der Kaiserlich-Orthodoxen-Palästina-Gesellschaft, förderte Pilgerfahrten ins Heilige Land und beschäftigte sich mit geistiger Aufklärung der Einwohner Palästinas. Das Kloster unterhielt ein Krankenhaus für arme Frauen und Kinder, ein Haus für bedürftige schwindsüchtige Frauen, eine kostenlose Ambulanz mit Medikamentenausgabe, eine Arbeitsunterkunft für Mädchen, eine Sonntagsschule für erwachsene Frauen, eine Bibliothek, einen kostenlosen Speisesaal und eine Unterkunft für Pilger. Namhafte Ärzte führten Sprechstunden im Haus durch. Im Ersten Weltkrieg wurden unter Elisabeths Leitung Sanitärzüge gebildet.

    • Jelisawjeta Fjodorowna (1864-1918), Frau von Großfürst Sergej Alexandrowitsch, Schwester der letzten russischen Zatin, Alexandra Fjodorowna (Ehefau von Nikolaj II.)
      Jelisawjeta Fjodorowna (1864-1918), Frau von Großfürst Sergej Alexandrowitsch, Schwester der letzten russischen Zatin, Alexandra Fjodorowna (Ehefau von Nikolaj II.)
    • Großfürstin Jelisawjeta Fjodorowna als Äbtissin, Bild aus Ausstellung im RHWK
      Großfürstin Jelisawjeta Fjodorowna als Äbtissin, Bild aus Ausstellung im RHWK
      © Sputnik / Beata Arnold
    • Thronfolger Zarewitsch Nikolai Alexandrowitsch, Prinzessin Alix von Hessen, Prinzessin Viktoria von Hessen, Ernst Ludwig Großherzog von Hessen und bei Rhein, Prinzessin Irene von Hessen, Großfürstin Elisabeth, Prinzessin Victoria Melita von SachsenCoburg und Gotha, Großfürst Sergej Alexandrowitsch
      Thronfolger Zarewitsch Nikolai Alexandrowitsch, Prinzessin Alix von Hessen, Prinzessin Viktoria von Hessen, Ernst Ludwig Großherzog von Hessen und bei Rhein, Prinzessin Irene von Hessen, Großfürstin Elisabeth, Prinzessin Victoria Melita von SachsenCoburg und Gotha, Großfürst Sergej Alexandrowitsch
      © Foto : Staatliches Archiv der Russischen Föderation
    • Die kaiserlichen Pilger bei der Weihe der MariaMagdalena-Kirche in Gethsemane. Großfürst Sergej Alexandrowitsch, Großfürstin Elisabeth und Großfürst Pawel Alexandrowitsch. 1. Oktober 1888.
      Die kaiserlichen Pilger bei der Weihe der MariaMagdalena-Kirche in Gethsemane. Großfürst Sergej Alexandrowitsch, Großfürstin Elisabeth und Großfürst Pawel Alexandrowitsch. 1. Oktober 1888.
      © Sputnik / Fotoarchiv der Kaiserlich-Orthodoxen-Palästina-Gesellschaft
    • Maria-Magdalena-Kirche  in Gethsemane
      Maria-Magdalena-Kirche in Gethsemane
      © Sputnik / Fotoarchiv der Kaiserlich-Orthodoxen-Palästina-Gesellschaft
    • Großfürstin Elisabeth mit der Zarenfamilie vor einem Militärkrankenhaus. 1914
      Großfürstin Elisabeth mit der Zarenfamilie vor einem Militärkrankenhaus. 1914
      © Sputnik / Ausstellung im RHWK/ Beata Arnold
    • Zar Nikolaj II. besuchte seine Schwägerin, hier beim Tee im Kloster. Links Bilder der Waisen bei handarbeit und Körperertüchtigung.
      Zar Nikolaj II. besuchte seine Schwägerin, hier beim Tee im Kloster. Links Bilder der Waisen bei handarbeit und Körperertüchtigung.
      © Sputnik / RHWK / Beata Arnold
    • Das Martha-Maria-Kloster der Barmherzigkeit wurde 1909 von Großfürstin Elisabeth gegründet.
      Das Martha-Maria-Kloster der Barmherzigkeit wurde 1909 von Großfürstin Elisabeth gegründet.
      © Sputnik / RHWK / Beata Arnold
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    Jelisawjeta Fjodorowna (1864-1918), Frau von Großfürst Sergej Alexandrowitsch, Schwester der letzten russischen Zatin, Alexandra Fjodorowna (Ehefau von Nikolaj II.)

    Nach dem revolutionären Umsturz im Oktober 1917, am dritten Tag des Osterfestes 1918, wurde Elisabeth verhaftet und ein paar Monate darauf  - einen Tag nach der Ermordung der Zarenfamilie in Jekaterinburg am 18.Juli 1918 - mit anderen todgeweihten Gefangenen bei lebendigem Leibe in eine tiefe Mine eines alten Bergwerkes bei Alapajewsk geworfen. Ihre sterblichen Überreste wurden geborgen und der Sarg mit ihrem Körper über Peking, Shanghai und Port Said schließlich nach Jerusalem in die Maria-Magdalena-Kirche in Gethsemane gebracht. 1981 wurde Jelisawjeta Fjodorowna von der Russisch-Orthodoxen Kirche im Ausland heiliggesprochen und im Jahr 1992 kanonisierte die Moskauer Bischofssynode die Großherzogin als Heilige Märtyrerin. Das Heiligenbildnis Elisabeths ist eines von zehn Märtyrern des XX.Jahrhunderts, die über dem Westportal der Westminster Abbey in London hängen.

    Das Martha-Maria Kloster existierte bis 1926. Später befanden sich dort ein Kino, eine Poliklinik, Restaurierungswerkstätten und Labors. Die „Wiedergeburt“ des Klosters begann 1992. Das Frauenkloster widmet sich sozialen Projekten: der Betreuung von behinderten Kindern, Waisenkindern und Kindern ohne elterliche Fürsorge, einsamen hilfsbedürftigen älteren Menschen sowie generell Menschen, die sich in schwierigen Lebenslagen befinden.

    Ausstellung und Konzert

    Die Ausstellung „Großfürstin Elisabeth Fjodorwna und ihr Kloster der Barmherzigkeit“ zeigt Fotografien und Dokumente aus den Sammlungen des Staatlichen Archivs der Russischen Föderation, der Archivverwaltung der Stadt Moskau, des Verlages des Moskauer Patriarchiats, der Kaiserlich-Orthodoxen-Palästina-Gesellschaft und dem Privatarchiv des Fotografen Wladimir Chodakow - und ist noch bis zum 17.November im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur zu sehen.

    Das Wohltätigkeitskonzert „Märtyrer des XX.Jahrhunderts mit dem Großen Chor „Meister des Chorgesangs“ unter der Leitung von Lew Kontorowitsch findet am 1. November, 20:00 Uhr in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am Breitscheidplatz in Berlin statt – bei freiem Eintritt.

    Das Plakat zum Konzert
    © Foto : Beata Arnold
    Das Plakat zum Konzert

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    Tags:
    Hessen, Russland, Nikolaus II, Zarin, Zar