06:29 06 Dezember 2019
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    Videoinstallation von Hito Steyerl bei der Biennale in Venedig (Archivbild)

    Luxus-Konsum-Umwelt: Kapitalismus-Kritik von deutsch-japanischer Künstlerin

    © AFP 2019 / GABRIEL BOUYS
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    Jüngst mit dem renommierten Käthe-Kollwitz-Preis geehrt, bewegt sich Hito Steyerl regelmäßig in den Top Ten bedeutender Kreativer: Auch wegen ihrer politischen Arbeiten gilt sie als eine der international einflussreichsten Gegenwartskünstlerinnen. In Berlin widmet sie sich in ihrer neuen Schau den Strukturen des Kapitalismus.

    Es sind die Verflechtungen von Politik und Konsum, Mode und Macht, die Steyerl im Neuen Berliner Kunstverein (nbk) in einem Kollektiv einer näheren Betrachtung unterzieht: In der einstündigen Video-Arbeit „Mission Accomplished: Belanciege“ führt sie am Beispiel der Luxusmarke Balenciaga politische wie kulturelle Veränderungen im Europa 30 Jahre nach dem Mauerfall vor. Ein Lehrstück über kapitalistische Produktionsverhältnisse und alltägliche Konsumkultur in Zeiten digitalen Lebenswandels..

    Zudem zeigt der nbk Steyerls Installation „This is the Future“ – eine aktualisierte Version eines Werkes von der gerade zu Ende gehenden Biennale in Venedig. Die über eine begehbare Gerüstkonstruktion erreichbaren Videoarbeiten erzählen die Geschichte einer Frau auf der Suche nach einem in der Zukunft versteckten Garten in einer Installation zu „Power Plants“ mit Bildern digitaler Blumen. In Steyerls Umweltentwurf werden die Pflanzen von Computerprogrammen erschaffen, die auf Basis von Einzelbildern in den Videos eine künftige Erscheinungsform prognostizieren. Eine spannende Zukunftsvision mit Volksbeteiligung, denn Besucher können die Arbeit individuell erweitern, indem sie eine eigens entwickelte App PowerPflanzenOS auf ihr Smartphone laden.

    Steyerl ist Professorin für Experimentalfilm an der Universität der Künste Berlin. Ihr besonderes Forschungsinteresse gilt den Medien, der Technologie und der Verbreitung von Bildern. In ihren Texten, Performances und essayistischen Dokumentarfilmen setzt sich Hito Steyerl auch mit postkolonialer Kritik und feministischer Repräsentationslogik, Antisemitismus, Rassismus und Neonazismus auseinander. Ihre futuristischen Video-Installationen träfen den Nerv der Internet- und Gamer-Generation zugleich übt sie über ihre politischen Dokumentarfilmen treffende Gesellschaftskritik. Aktualität und Dringlichkeit ist ihren Arbeiten immanent.

    Ihre zahlreichen Werke wurden etwa auf der documenta Kassel, der Biennale in Venedig, im Museum of Contemporary Art, Los Angeles und im Museum of Modern Art, New York, ausgestellt. Das Royal College of Art in London verlieh ihr die Ehrendoktorwürde. Als erste Frau überhaupt und damit als erste Künstlerin wurde sie 2017 von britische Kunstmagazin „Art Review“ zur „einflussreichsten Persönlichkeit im internationalen Kunstbetrieb“ gekürt: Sie landete auf Platz 1 der Liste „Power 100". Steyerl ist diesjährige Kathe-Kollwitz-Preisträgerin, ein Preis, der 1960 von der Akademie der Künste der DDR gestiftet wurde und jährlich an einen bildenden Künstler vergeben wird.  In der vergangenen Woche erschien die Künstlerin zudem in den Top Ten der Kunstzeitschrift Monopol – im Ranking der einflußreichsten Personen des Kunstbetriebs.

    Die neue Ausstellung soll vom 23. November 2019 bis 26. Januar 2020 im nbk zu sehen sein.

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    Tags:
    Videokünstler, Künstlerin, Kritik, Kapitalismus, Kultur, Kunst