06:16 11 Dezember 2019
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    Polizeiermittler vor dem Gebäude des Grünen Gewölbe in Dresden

    Raub in Dresdner Juwelenzimmer: Hatten Verbrecher Komplizen unter Personal?

    © AFP 2019 / DPA / SEBASTIAN KAHNERT
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    Raubzug im Grünen Gewölbe (15)
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    Der jüngste Raubüberfall im Dresdner Grünen Gewölbe ist womöglich einer der spektakulärsten in der deutschen Kunstgeschichte und hat viele Fragen aufgeworfen. Handelten die Verbrecher etwa nach jemandes Hinweisen? Hatten sie vielleicht Komplizen unter dem Personal der Schatzkammer? Russische Experten äußerten sich zum Thema.

    Der Jurist Jewgeni Ischtschenko, Chef des Kriminalistik-Lehrstuhls an der Kutafin-Universität in Moskau, und die Kunstwissenschaftlerin Inna Pulikowa vom russischen Staatlichen Institut für Kunstgeschichte kommentierten gegenüber Sputnik den Zwischenfall, der sich in Dresden in der Nacht zum Montag ereignet hatte.

    Laut Ischtschenko bekamen die Täter höchstwahrscheinlich einen Auftrag. Das sei bei solchen „ungewöhnlichen Verbrechen“ meistens der Fall. Der Experte schloss außerdem nicht aus, dass die Diebe Helfer unter den Angestellten des Museums hatten.

    Lügendetektor könnte helfen

    „Bei einer guten Arbeit mit dem Personal werden Menschen festgestellt, die den Übeltätern beim Vollziehen dieses Verbrechens geholfen haben.“

    Der Rechtswissenschaftler schlug vor, einen Lügendetektor zu verwenden. Dann könnte man mit den Menschen arbeiten, die möglicherweise an dem Verbrechen beteiligt gewesen seien.

    „Einzigartige Sammlung“

    Pulikowa ihrerseits hob hervor, dass es sich beim Grünen Gewölbe um eine einmalige Sammlung handle.

    „Dort werden Kunstwerke aufbewahrt, die mit verschiedenen Ländern der Welt verbunden sind und die in ihrer Heimat vielleicht verloren gegangen oder zerstört worden wären.“

    Als Beispiel führte sie Ausstellungsgüter an, die mit dem russischen Zaren Peter dem Großen zusammenhängen.

    Objekte nicht nur materiell, sondern auch historisch wertvoll

    Die gestohlenen Schmucksachen aus dem 18. Jahrhundert seien nicht nur kostbare Juwele und kunstvolle Objekte. Wichtig sei, dass sie Beispiele der Juwelierarbeit ihrer Epoche seien und die Entwicklung der Juwelierkunst anschaulich machen. Bei ihrer Herstellung – etwa beim Schleifen der Diamanten – seien Techniken verwendet worden, die es derzeit nicht gebe.

    „Das wird natürlich ein schwerer Verlust, falls sie zerlegt werden und die Diamanten herausgenommen, zersägt und als Steine verkauft werden“, meinte die Kunstwissenschaftlerin.

    Raub in Dresdner Schatzkammer

    Bei dem spektakulären Raub in der Dresdner Schatzkammer Grünes Gewölbe wurden in der Nacht auf den 25. November drei Juwelengarnituren entwendet. Insgesamt sollen 100 Objekte betroffen sein. Ihr Wert ist kaum abzuschätzen, eigentlich unbezahlbar. Die Polizei geht aktuell von zwei Tatverdächtigen aus, die auf der Flucht sind.

    Der gesamte Raub soll nur wenige Minuten gedauert haben, was auf eine sehr gut vorbereitete Aktion hindeutet. Die Täter zerstörten ein Fenstergitter, stiegen durch das Fenster in die Schatzkammer ein, gingen zielsicher auf eine Vitrine zu und zertrümmerten mit einer Axt das Sicherheitsglas. Später veröffentlichte die Polizei auch das Überwachungsvideo, das den Einbruch zeigen soll.

    In einer Sputnik-Fotostrecke sind unbezahlbare Exponate und berühmte Besucher der Ausstellung in Dresden zu sehen.

    mo/sb/sna

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    Grünes Gewölbe, Deutschland, Dresden