06:17 11 Dezember 2019
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    Kunstobjekt aus der Sammlung des Grünen Gewölbe

    Ein unersetzbarer Wert: Kunstversicherer sprechen über den Diebstahl im Grünen Gewölbe

    © REUTERS / Polizeidirektion Dresden / Handout
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    Kunstobjekte mit unwiederbringlichem Wert sind am Montag aus dem Grünen Gewölbe in Dresden gestohlen worden. Nachdem immer noch nichts über die Täter bekannt ist, kommen Fragen über Versicherung und fehlenden Sicherheitsmaßnahmen auf. In exklusiven Interviews spricht Sputnik mit Maklern von Kunstversicherungen über die mögliche Zukunft der Objekte.

    Am Montagmorgen passierte ein unerwartetes Ereignis: Mehrere wichtige Kunstgegenstände wurden aus dem Grünen Gewölbe in Dresden gestohlen . Noch weiß man nichts über die Täter. Am Donnerstag gab der Direktor der Schatzkammer, Dirk Syndram, Bescheid, welche Objekte nun konkret betroffen waren. Auch wenn die Zahlen niedriger sind, als vorerst erwartet, so erschüttert dieser Diebstahl auf mehreren Ebenen. Nun werden Fragen lauter, ob die Kunstobjekte versichert sind und wie die Sicherheit nur so enttäuschen konnte.

    Der Staat versichert keine Kunst

    Es sei eine grundsätzliche Entscheidung des deutschen Staates, die meisten immobilen und einige mobilen Gegenstände in Museen nicht zu versichern. Das erklärt der Makler für Kunstversicherung und Geschäftsführer von „Artekuranz“, Bernd Ziegenrücker. Der Grund dafür sei vor allem ein finanzieller. Aufgrund der hohen Summen seien die Prämien gigantisch, so dass man die Schäden lieber aus der Staatskasse zahlt.

    Tatsächlich unterscheidet man in Deutschland auf drei Ebenen der Kunstversicherung. Michael Kuhn, der Geschäftsführer des Kunstversicherungsunternehmens „Kuhn und Bülow“ erklärt dies folgendermaßen:

    „Es gibt in Deutschland drei verschiedene Trägerschaften für Museen. Das ist zum einen der Bund, zum anderen die Länder und zum dritten die Kommunen. Ausschließlich die Kommunen in Deutschland versichern ihre Kunstbestände. Die Länder und der Bund nicht.“

    Da das Grüne Gewölbe zur Dresdner Kunstsammlung gehört und somit ein staatliches Museum ist, waren die Gegenstände also nicht versichert.

    Verschiedene Möglichkeiten für die Zukunft

    Was nun mit den Gegenständen passiert, liegt noch im Ungewissen. Viele Spekulationen und Vermutungen über ihre potentielle Zukunft tauchen auf. In jedem Fall zeigt die Vergangenheit, dass eine gewisse Hoffnung auf die Rückkehr der Schmuckstücke besteht. „Zum einen, was auch häufiger passiert, dass Täter ein ‚Artnapping’ vornehmen, in dem sie Kunst stehlen und zu einem geringeren Wert zum Wiederkauf anbieten“, schildert Kuhn. Es wäre wohl die beste Option, abgesehen von der Erfassung der Diebe, da die Kunstobjekte wenigstens unbeschädigt zurückgekauft werden können. Ein ähnliches Szenario wäre es, wenn die Täter ein Lösegeld fordern würden. Dies schlägt Ziegenrückner vor, wie auch das Szenario, dass die Kunstobjekte auseinandergenommen werden. Auch ein Auftragsdiebstahl sei denkbar. Welche Variante die wahrscheinlichste ist, lässt sich jedoch nicht sagen.

    Vorerst müssten die eingeschlagenen Vitrinen nach Ersatz aber leer bleiben. Ziegenrücker erläutert, dass zwar der Schaden repariert und ersetzt werden kann, der historische Wert dieser Objekte aber nicht:

    „Sie können es [die Vitrinen] ja nicht einfach durch irgendwelche Käufe auffüllen, denn solche Sachen gibt es nicht auf dem Markt. Also wird es leer bleiben. Es ist ein großer materieller und ideeller Schaden, der gar nicht zu ersetzten ist. Er ist weg.“

    Auch auf Makler für Kunstversicherungen könnte dieser Diebstahl einen größeren Einfluss haben. Gerade weil sich in den letzten Jahren immer mehr Großschäden ereignet haben, könnten Kuhn zufolge die Prämien nun preislich ansteigen. Es wäre also möglich, „dass die Versicherungsprämien, die in der Tendenz eher im negativen, absinkenden Bereich waren, möglicherweise nach Jahrzehnten vielleicht wieder steigen.“

    Fehlende Sicherheit?

    In vielen Hinsichten wird nun auch die Sicherheit des Gebäudes kritisiert – obwohl die Sicherheitsmaßnahmen laut Kuhn wirklich sehr gute gewesen seien. Und trotzdem gäbe es vielleicht Möglichkeiten, das Gebäude zu schützen, selbst wenn es historisch und im Erdgeschoss sei, meint Ziegenrücken. So ließe sich beispielsweise im Vorfeld des Gebäudes vieles machen, in dem man Videokameras mit Bewegungsmeldern installiert oder mit Lichtschranken arbeitet. Das Problem hört jedoch nicht in Dresden auf: „Die Täter gehen dann lieber in ein anderes, weniger gesichertes Museum“, meint Ziegenrücker. Generell erwähnt er auch die Meinung des deutschen Burgenverbandes, dass man viel mehr für die Sicherheit von historischen Objekten tun müsse – und das deutschlandweit.

    Das komplette Interview von Michael Kuhn zum Nachhören:

    Das komplette Interview von Bernd Ziegenrücker zum Nachhören:

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    Diebstahl, Kunst, Dresden, Grünes Gewölbe