14:21 16 Dezember 2019
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    Cecilia Bartoli (Archivbild)

    Im Universum von Zaren-Opern und Kastraten - Weltstar Cecilia Bartoli war geschockt von Ost-Berlin

    © AFP 2019 / JOHN MACDOUGALL
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    Ost-Berlin ist nicht jedermanns Gusto, zumindest nicht das vor der Wende. Opernstar Cecilia Bartoli war entsetzt von ihrer ersten Auslandsreise, die in die DDR führte. Deutlich mehr Sympathie empfand sie dann für östlichere Gefilde wie eine andere Ära: den barocken Zarenhof. Ihr Album St. Petersburg ist Kassenschlager. Nun gibt es ein neues Werk.

    Sie qualmt und pafft an der Zigarre, was das Zeug hält und gibt sich hemdsärmelig in reichverziertem Brockatrock, wie gestiefelt und gespornt in Abendrobe: Cecilia Bartoli schlüpft in gefühlt mehr Kostümwechseln als Cher auf der Bühne in die Rolle eines Mannes, der im Barock das Frauen-Fach besetzte. Verwirrung pur. Für das Spiel mit ihrem Äußeren und Geschlechterrollen klebt die italienische Sängerin sich sogar (Achtung! Verwechslungsgefahr mit Conchita Wurst) einen Bart an. Allerdings nur für die Fotosession für das neue Album.

    Lust an Spiel und Anspielung

    Die Bartoli ist eine der bedeutendsten zeitgenössischen Mezzosopranistinnen. Und ihr neuester Coup: Sie mimt den Kastraten Farinelli (1705-1782) - mit bürgerlichem Namen Carlo Broschi, der seinerzeit die Damenwelt betörte und wie der Schöpfer höchstpersönlich verehrt wurde. Nicht nur ob seines Gesangs. Und der Bartolis Lust am Spiel verzichtet nie auf diese Anspielung, dennoch gibt sie seinem Repertoire, den Arien und Instrumentalmusik von Georg Friedrich Händel, Nicola Porpora oder Antonio Caldara, genug Raum. „La Bartoli“ bringt rasante Koloraturen zu Gehör, flirtet mit Dirigent wie Publikum, zieht alle mit ihrer unbändigen Energie in den Bann. In flirrender Barock-Atmosphäre ein musikalischer Hochgenuß - quittiert mit stehenden Ovationen und schier endlosen Menschenschlangen nach ihrem Autogramm.

    Wenig Lust auf Ost-Berlin

    Ihre Europa-Konzerttour zum neuen Album „Farinelli“ gastierte in Baden-Baden, zuletzt am Sonntag in Wiesbaden und mittendrin: Berlin. In der vergangenen Woche erstürmte sie die Bühne der Philharmonie – und die Herzen der hauptstädtischen Klassikliebhaber. Dabei habe ihr ihre erste Auslandsreise nach Deutschland, genaugenommen nach Ost-Berlin, eher Unbehagen bereitet. In einem Interview mit der Zeitung „Welt am Sonntag“ erinnerte sie sich an diese Reise - als blutjunge Sängerin von  19 Jahren. „Die Tournee mit der Oper Rom hinter den Eisernen Vorhang führte mir eine graue Lebenswelt vor“, sagte die Sängerin. Das habe sie nicht geahnt. Sie wisse noch, wie sie abends aus Ost-Berlin ganz verzweifelt ihre Mutter daheim in Italien angerufen habe: „Mama, wenn es überall im Ausland so ist, dann will ich nie wieder ins Ausland reisen!“

    Die 53-Jährige ist heute an allen großen Konzert- und Opernhäusern der Welt zuhause und Intendantin der Salzburger Pfingstfestspiele. Auch ihre Barock-Karawane zieht weiter: Mit „Farinelli and his time“ singt eine Legende Musik, die für einen Gott komponiert wurde - beim nächsten Halt Anfang Dezember in Luxemburg.

     

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    Tags:
    Philharmonie Berlin, Cecilia Bartoli, Album, Konzert, Musiker, Musik