05:38 22 Januar 2020
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    In Nordafrikas Wüste steht ein pyramidenförmiges Denkmal für einen Nazi-Kampfpiloten. Die Künstlerin Heba Amin hat es ins Rheinland geholt. Im Museum für Verfolgte Künste in Solingen gibt es nun eine Erinnerung an Hitlers Afrika-Feldzug: ein Symbol für die Rückstände europäischer Ideologien. Roberto Blanco kommt auch zu Wort.

    Während des Zweiten Weltkriegs war die nordafrikanische Wüste Spielplatz für einen Machtkampf um Kolonien. In Solingen erzählt aktuell die Künstlerin Heba Amin die Geschichte einer Nazi-Pyramide in Nordägypten. Es handelt sich um ein von deutschen Soldaten zunächst provisorisch und dann in jetziger Form von der „Gemeinschaft der Jagdflieger" errichtetes Monument in El Alamein: Ein Denkmal für den Kampfflieger Hans-Joachim Marseille, auch „Der Stern von Afrika“ genannt. Es befindet sich an dem Ort, an dem Marseille nach seinem Flugzeugabsturz starb. Während des Afrika-Feldzuges wurden in dieser Region Millionen von Landminen gelegt und das „Helden"-Monument befindet sich in der Nähe dessen, was „Wüstenfuchs“ Erwin Rommel den„Teufelsgarten" nannte.

    ​Amin hat das Monument für die Schau maßstabgetreu als Replik 1:1 nachgebaut und stellt es passenderweise in einem Museum aus, das von der Nazidiktatur diffamierten und ausgegrenzten Künstlern, Opfern des Holocaust gewidmet ist. In der Ausstellung „Fruit from Saturn“ (Saturns Frucht) schlägt die Künstlerin den Bogen von der Kolonialzeit, der Präsenz des deutschen Afrikakorps im nördlichen Ägypten bis zur Demokratiebewegung in Ägypten in den 2010er Jahren.

    Ägyptische Landschaften und Deutsche Nazi-Verharmlosungen

    In ihrer Arbeit „Der Teufelsgarten" will die 1980 in Kairo geborene Amin die verstreuten Rückstände europäischer Ideologien und deren verkörperte Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung aufzeigen: Diese Menschen seien von Konflikten betroffen, die nie ihre waren. Eine gewisse Geschichtsschreibung bestehe in anderen Geographien bis heute fort. Amin deckt die absurde und lebensbedrohliche Wirklichkeit einer ägyptischen Landschaft auf, in der Landminen aus dem Zweiten Weltkrieg heute illegal ausgegraben und an Bürgerkriegsgebiete in Nordafrika verkauft werden.

    Begleitet wird die Arbeit von einem Video-Interview mit Roberto Blanco. Der kubanisch-deutsche Schauspieler ist einer der letzten lebenden Mitwirkenden des Films „Der Stern von Afrika" – ein Helden-Epos über Kampfflieger Marseille. Blanco mimt den fröhlichen Butler Mathias, der dem Offizier geschenkt wurde. Der Charakter basiert auf einer real existierenden Person: Mathew Letuku war ein Kriegsgefangener aus Südafrika, der für die britische Armee kämpfte. Letukus Berichte würden sich stark von denen in den deutschen Medien und natürlich vom Film unterschieden haben. Seine Erfahrung und die von 14.583 anderen südafrikanischen Soldaten, die 1942 in Deutschland und Italien in Kriegsgefangenenschaft gerieten sowie deren Jahre in Gefangenschaft bis 1945 seien aus der Geschichte eliminiert worden, erinnert die Künstlerin in ihrer Werksbeschreibung.

    Replik der Marseille-Pyramide in der Einzelausstellung von Heba Amin
    Replik der Marseille-Pyramide in der Einzelausstellung von Heba Amin

    Blanco selbst habe erst von der Künstlerin von der Pyramide erfahren. Auch das Drehbuch des Films aus dem Jahr 1957 hätte die Hintergründe zur Person des Butlers weitesgehend entfernt. Seinen Erzählungen vom Filmdreh zufolge hätten die Autoren und Regisseure die Geschichte Marseilles absichtlich von ihrem historischen Kontext befreit, berichtet Amin im Interview mit der Zeitschrift „Monopol“. Das Produktionsteam hätte sich damals Mühe gegeben, Marseille gleichzeitig als Kriegshelden wie als Anti-Nazi darzustellen und dies hätte sich im Bewußtsein der Menschen festgesetzt.

    Ägyptische Kunst und Deutsche Erinnerungen

    Die Kunst der in Ägypen geborenen Künstlerin beinhaltet immer eine Botschaft, etwa mit politischem Aktivismus verschränkte Visionen, wie es zu selten bei hiesigen zeitgenössischen Kreativen anzutreffen ist. So verkörperte sie in der Vergangenheit schon mal in einer Videoinstallation eine diktatorisch-größenwahnsinnige Politikerin, die das Mittelmeer ins Zentrum Afrikas umzuleiten gedachte: Ein afrikanisch-europäischer Superkontinent sollte entstehen.

    Das offizielle deutsche Denkmal für die Soldaten des Zweiten Weltkriegs stünde übrigens nicht weit von der Nazi-Pyramide von El Alamein und bediene sich ebenfalls ägyptisch-koptischer Ikonographie - samt Obelisk.

    Die Ausstellung von Heba Y. Amin „Fruit from Saturn" ist noch bis zum 2. Februar 2020 im Zentrum für Verfolgte Künste in Solingen zu sehen.

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    Tags:
    Roberto Blanco, NS-Zeit, Erinnerungen, Kultur, Kunst