06:37 22 Januar 2020
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    Eine großangelegte Privatinitiative soll zur permanenten Rückführung ägyptischer Schätze aus europäischen Museen verhelfen. Der ägyptische Ex-Minister Zahi-Hawass bildet ein internationales Expertenteam, um Institutionen zur Rückgabe wichtiger Artefakte zu drängen: Betroffen ist auch die Nofretete-Büste aus dem Bestand des Neuen Museums in Berlin.

    Ägyptens berühmtester Archäologe und ehemaliger Minister für Altertumsgüter Zahi Hawass startet eine neue großangelegte Kampagne für die Rückgabe von Schätzen aus Europas führenden Museen.

    "Ich leite ein privates Team von Ägyptern und Ausländern, um die Restitution zu fördern", so der ägyptische Ex-Minister und ehemalige Antikenverwalter.

    Dies habe er bereits bei der Eröffnung der Tutanchamun-Ausstellung in London im vergangenen Monat angekündigt, berichtet die Zeitung The Art Newspaper.

    Das Ringen um drei ägyptische Schätze

    Wenn es nach Hawass ginge, sollen die Büste der Nofretete (1345 vor Chr.) in Berlin, der Rosetta-Stein (196 vor Chr.) aus dem British Museum in London und der Tierkreis von Dendera (50 vor Chr.) aus dem Louvre in Paris dauerhaft nach Ägypten zurückkehren.

    Die Kalksteinbüste der Nofretete hatte der deutsche Archäologe Ludwig Borchardt 1912 in Amarna entdeckt. Sie wurde im darauffolgenden Jahr nach Berlin gebracht, wobei Borchardt ihre Bedeutung heruntergespielt haben soll - er hatte sie als wertlose Gipsarbeit deklariert. Die Büste wurde 1920 den Staatlichen Museen zu Berlin gespendet. Nofretete selbst war die Hauptgemahlin von Pharao Echnaton (Amenophis IV.), sie lebte im 14. Jahrhundert v. Chr. Die Büste befindet sich im Ägypten-Trakt im Nordkuppelsaal des Neuen Museums auf der Museumsinsel in Berlin.

    Bereits 2007 habe Hawass um die drei wichtigsten Schätze als Leihgabe für das sehr ehrgeizige Projekt „Grand Egyptian Museum“ in der Nähe der Pyramiden von Gizeh ersucht. „Wie kann man sich weigern, dem neuen Großen Ägyptischen Museum etwas zu leihen, wenn man so viele Antiquitäten aus Ägypten mitgenommen hat? Das Große Ägyptische Museum wird das größte und beste der Welt sein“, soll er zuvor zu den Direktoren der Staatlichen Museen zu Berlin, des British Museum und des Musée du Louvre gesagt haben, so der Zeitungsbericht. Alle drei Museen lehnten seine Anträge ab.

    Illegal erworben, also ganz zurück?

    Jetzt fordert er die dauerhafte Rückgabe dieser Objekte. Hawass betonte, dass er „nicht die Regierung“ sei, deshalb unternehme er seine Restitutionskampagne als Privatmann. Ihn unterstütze ein internationales Team von Ägyptologen, deren Namen im kommenden Jahr bekannt gegeben werden würden.

    Hawass steht auf dem Standpunkt, dass etwa der Rosetta-Stein „illegal aus Ägypten herausgebracht“ worden sei, nachdem die Engländer ihn bei den Franzosen beschlagnahmt hätten. Eine Sprecherin des British Museum hat laut The Art Newspaper gesagt, dass es „keine ausstehende Anfrage für die Ausleihe oder die Rückgabe des Rosetta-Steins" gebe. Sie betonte die langjährigen positiven Beziehungen zu den ägyptischen Kollegen.

    Von Berlin forderte Hawass, damals noch Minister, wohl zuletzt offiziell im Jahr 2011 in einem Brief an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz die Rückgabe der Büste. Hauptargument für die Rückgabe sei die falsche Deklaration durch Borchardt bei der Ausfuhr. Diese Forderung wurde vom Bund zurückgewiesen. Und zum 100. Jahrestag des Fundes des Artefakts erklärte Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, noch Ende 2012, dass er eine Rückgabe an Ägypten nach wie vor ausschliesse, da Nofretete "Teil des kulturellen Erbes der Menschheit" sei und er eine Rückgabe "einfach so aus Großmut" grundsätzlich für nicht vertretbar halte.

    Die Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), konnten auf Anfrage von Sputnik zum Erscheinen des Artikels noch keine Auskunft zum neuerlichen Vorstoß aus Nordafrika geben.*

    Erst im vergangenen Juni wurde ein 3,1 Millionen Euro schweres, von der EU finanziertes Projekt mit dreijähriger Laufzeit zur Modernisierung des Ägyptischen Museums in Kairo bekannt gegeben: Es betrifft das bereits bestehende, im Jahr 1902 im Stadtzentrum errichtete Haus und ist ausdrücklich nicht für die geplante Großanlage von Gizeh bei den Pyramiden bestimmt.

    * redaktioneller Hinweis: Der SPK liegt keine offizielle Rückgabeanfrage oder Leihanfrage seitens Ägypten vor, aktuell habe sich auch keine Privatinitiative mit einer solchen Anfrage an die SPK gewandt, so die Antwort der Stiftung auf Nachfrage von Sputnik. Das Team des Ägyptischen Museums der Staatlichen Museen zu Berlin stehe mit den ägyptischen Kollegen in gutem Kontakt, zumal es im Rahmen des EU-Projektes gemeinsam mit vier weiteren großen Europäischen Museen die Zukunftsplanung des Egyptian Museum Cairo am Tahrir-Platz unterstützt und Kooperationspartner bei der Fertigstellung des neuen Echnaton-Museum in Minja sei. Stand: 10.Dezember 2019.

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    Tags:
    Archäologie, Tutanchamun, Deutschland, Berlin, Ägypten