22:44 04 Dezember 2020
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    Das Kulturfestival „Russische Saisons“ findet in diesem Jahr in Deutschland statt. Millionen sind bereits in den Genuss der Gastspieloffensive gekommen. Die Bühne für den feierlichen Ausklang bot am vergangenen Wochenende die Elbphilharmonie in Hamburg. Mit dabei: Gerhard Schröder, Christian Wulff und Russlands Kulturminister Wladimir Medinski.

    Eine Melange aus klassischen und zeitgenössischen Kompositionen kam in der restlos ausverkauften Elbphilharmonie zu Gehör: Die „Moscow Soloists" spielten unter der Leitung von Yuri Bashmet Werke von Alfred Schnittke, Kuzma Bodrov und Peter Tschaikowskis Streichsextett „Souvenir de Florence". Das Kammerensemble musiziert auf wertvollen Leihgaben der vor exakt 100 Jahren gegründeten Staatlichen Musikinstrumentensammlung Russlands, darunter Meisterstücke von Amati, Stradivari und Guarneri aus dem 17. Jahrhundert. Im Publikum: viel Politprominenz.

    Ausklang und Ausblick – Kulturdiplomatie

    Zum offiziellen Abschlussevent in Hamburg ist der Kulturminister Russlands, Wladimir Medinski, angereist.

    ​„Vielen Dank Deutschland für den wunderbaren Empfang!“

    Dass Kulturdiplomatie wichtig sei, unterstrich der russische Botschafter in Deutschland:

    „Volle Säle, die Künstler wurden mit Applaus und freundlicher Haltung begrüßt: Dies ist ein sehr wichtiges Signal für die bilateralen Beziehungen, denn es ist die positive Agenda, die diese Beziehungen brauchen, insbesondere jetzt“, so Sergej Netschajew. Solche Programme wie die „Seasons“ seien im Interesse der russischen Kultur und im Interesse der russisch-deutschen Beziehungen.

    Der Chef-Diplomat betonte, dass das deutsche Publikum in seinen Augen warmherzig und aufmerksam sei, gebildet. Zu "musikalisch  - das Gebildetste", ließ sich gar der russische Dirigent und Botschafter der Russian Seasons, Yuri Bashmet, hinreißen.

    Christian Wulff fand bei seiner Ansprache einige nachdenkliche Worte. „Die Verhältnisse zwischen Deutschland und Russland sind komplex und schwierig, aber auch emotional“, so der Ex-Bundespräsident. Er sei in diesem Jahr bereits dreimal in Russland gewesen, für ihn grenze es an ein Wunder, dass die Völker der Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg Deutschland die Hand gereicht hätten. „In Zeiten von Fake News“ müsse man mit eigenen Augen schauen und auch mal mit denen des Gegenübers, so Wulff.

    Pressekonferenz zum Abschluss der Russischen Saisons in Hamburg: Kulturminister Wladimir Medinski (i.d.Mitte) und Botschafter Sergej Netschajew (2L) sprechen vor der Presse
    © Sputnik / Beata Arnold
    Pressekonferenz zum Abschluss der Russischen Saisons in Hamburg: Kulturminister Wladimir Medinski (i.d.Mitte) und Botschafter Sergej Netschajew (2L) sprechen vor der Presse

    Auf die seit 1957 bestehende enge Partnerschaft Hamburgs zu St. Petersburg verwies der Kultursenator der Freien und Hansestadt, Carsten Brosda. Sie sei seinerzeit „per Handschlag“ und „in Zeiten, als es noch unmöglich erschien“, gemeinsame Wege zu beschreiten, vereinbart worden. Auch jetzt gelte es, der Kraft der Kunst zu vertrauen, denn sie ermögliche Einblicke und biete die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Auch über kulturelle Themen hinweg, könne daran gearbeitet werden, die Dinge zu überwinden, die uns trennten, so Brosda.

    Ex-Bundeskanzler Schröder erschien in Begleitung seiner Gattin, Kim Soyeon-Schröder. Er gesellte sich in die „Elphi“-Loge der Politiker und wurde auch beim Empfang zum Ausklang der diesjährigen russisch-deutschen Kultursaison gesichtet.

    Kulturinvasion – Deutsches Millionenpublikum gefangen

    Die "Seasons" sind im wahrsten Sinne des Wortes ein „ausgezeichnetes" Festival: Erst jüngst gewannen die Russen den renommierten Wettbewerb der internationalen Tagungsindustrie in Italien. In der Kategorie „Best Event Awards World" in Mailand wurde Spitzenklasse bescheinigt:

    Seit dem Auftakt im Januar in der Berliner Philharmonie mit der Tschaikowski-Oper „Jolanthe" und Putins Lieblingsdirigent Valery Gergiev sollen rund sechs Millionen Menschen in den Genuss der russischen Kulturoffensive gekommen sein.

    Auf eine genaue Zahl wollte der russische Minister sich allerdings nicht festlegen – eine Statistik sei ihm gar „schrecklich hoch“ erschienen, bemerkte er schmunzelnd. Doch er bestätigte, dass „mehrere Millionen Menschen die russische Kultur in diesem Jahr besser kennenlernen".

    Auf dem Programmzettel des Festivals, das noch bis Ende diesen und in Teilen bis ins kommende Jahr reicht, stehen mehr als 400 Veranstaltungen in 90 deutschen Städten mit Ausstellungen, Theater und Ballett, Sinfoniekonzerten, Kino, Gastspielen führender Volkskunstgruppen, Zirkus- und Kunstevents.

    Mit Ensembles und Künstlern aus den Hauptstädten, aber auch aus entlegeneren Regionen des Riesenlandes, gelangen der Reichtum und die kulturelle Vielfalt Russlands auf deutsches Parkett. Von Dresden bis Hamburg, Düsseldorf über München und Berlin, aber auch fernab der Metropolen: In der Bundesrepublik sind rund einhundert Kulturinstitutionen als Austragungsort beteiligt.

    In der Tradition der „Ballets Russes“ geht es weiter

    Das Festival selbst steht  in der Tradition des großen russischen Impresarios Sergej Diaghilew, der ab 1904 russische Kunst im Ausland zeigte, etwa die „Ballets Russes“ nach Paris brachte und ihnen zu weltweitem Renommee verhalf. Die Idee des Kulturexports griff Russland 2017 wieder auf. Zunächst fanden in Japan hunderte hochklassiger Veranstaltungen in rund 40 Städten statt. Im Folgejahr begeisterten die Gastspiele sechs Millionen Zuschauer in Italien bei 310 Veranstaltungen in 74 Städten.

    Auch im nächsten Jahr gehen sie wieder auf Tournee: Die „Russian Seasons“ finden 2020 in Frankreich, Belgien und Luxemburg statt. Dann kann auch das deutsche Publikum schnell rüberfahren, so der Minister.

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    Christian Wulff, Gerhard Schröder, Elbphilharmonie, Denis Mazujew, Yuri Bashmet, Deutschland, Russland, Russische Saisons, Valery Gergiev, Waleri Gergijew, Sergej Netschajew, Wladimir Medinski