07:28 26 Januar 2020
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    Als wahrlich verdient hat der Wiener Verleger und Publizist Hannes Hofbauer die umstrittene Vergabe des Literaturnobelpreises am kommenden Dienstag an Peter Handke bezeichnet.

    Handke schreibe seit Jahrzehnten sowohl Prosa als auch Theater-Stücke und sei einer der meist gespielten und gelesenen deutschsprachigen Autoren, so der Journalist im Sputnik-Gespräch. „Insofern gibt es keine Kritik an seinem schriftlichen Werk. Die Kritik, kommt von außerhalb. Sie hat mit einem Artikel in der ‚Washington Post‘ begonnen und ist dann vom Pen Club der USA weitergetragen worden. Sie hat mit seiner literarischen Tätigkeit nichts zu tun und bezieht sich auf seinen Jugoslawismus, wenn man das zusammenfassen will. Er dürfte als slowenischstämmiger Österreicher mit dem titoistischen Jugoslawien Sympathien gehegt haben. Und das spielt eben auch teilweise natürlich in seine Schrift hinein.“

    Außenseiter oder Provokateur?

    Außenseiter auf keinen Fall, so Hofbauer weiter. „Ich würde meinen, er ist ein Provokateur, aber das hat auch nicht unbedingt was mit seiner Position zu Jugoslawien oder Serbien zu tun. Er ist auch literarisch gesehen ein Provokateur. Ich erinnere mich an meine Jugend. Ich war ein sehr häufiger Theatergeher. Eines meiner ersten Stücke, was ich gesehen habe, war die ,Publikumsbeschimpfung‘.“

    Proteste gegen die Verleihung des Literaturnobelpreises an Peter Handke vor der schwedischen Botschaft in Sarajewo
    © REUTERS / Dado Ruvic
    Proteste gegen die Verleihung des Literaturnobelpreises an Peter Handke vor der schwedischen Botschaft in Sarajewo

    Das sei schon in den 60er Jahren aufgeführt worden, erinnert sich der Publizist, „und war sozusagen eine Verdrehung des Verhältnisses von Publikum und Bühne, indem Leute von der Bühne auf das Publikum herab geschimpft haben. Das war eine ganz große Vor-68er- Provokation, nichts Politisches, aber kulturell. Und in irgendeiner Form ist er provokant geblieben und das legt er auch nicht ab. Aber einen Außenseiter würde ich ihn nicht nennen. Jeder Künstler und jede Künstlerin hat auch die Funktion, die gesellschaftlichen Bedingungen widerzuspiegeln, wie er sie begreift, darzustellen und die Gesellschaft zu provozieren.“

    Lob für Handke

    Er sei von seiner schriftstellerischen Tätigkeit her unbenommen, es gebe auch niemanden, der ihm das abspreche, ist sich Hofbauer sicher.

    „Aber genau in der Frage seiner Solidarität mit Jugoslawien und seiner Affinität zu der serbischen Seite in dem Zerstörungsprozess Jugoslawiens würde ich meinen, dass er nicht nur den Literaturnobelpreis deshalb verdient, weil er schriftstellerisch unumstritten ist, sondern auch, weil er eine Position in dieser Konfrontation bezogen hat, die gegen die Nato war.“

    Die Allianz habe einen völkerrechtswidrigen Krieg in Jugoslawien gegen Serbien geführt, argumentiert der Publizist, „und Handke hat sich eindeutig auf die richtige Seite gestellt. Wer kann schon einen völkerrechtswidrigen Krieg für gut heißen? Schon gar nicht ein Intellektueller. Trotzdem haben es viele gemacht. Und er hat das verweigert und hat den Nobelpreis auch deshalb verdient, weil er gegen die Nato und letztlich für Serbien und für das serbische Volk in die Bresche gehauen hat.“

    Diese Position ist laut Hofbauer die einzig richtige, „weil im März 1999 die Nato Jugoslawien überfallen hat und schon davor erste Angriffe im bosnischen Bürgerkrieg waren. So stellte sich Handke auf die Seite jener, die von der größten Militärallianz der Welt angegriffen waren. Schon dafür hat Handke eine gewisse Anerkennung verdient. Dies kann man ihm nicht absprechen.“

    Als Historiker hat Hannes Hofbauer das Buch „Balkankrieg. Zehn Jahre Zerstörung Jugoslawiens“ geschrieben. „Das waren parallele Geschichten“, urteilt der Buchautor. „Ich habe Handke natürlich auch immer wieder gelesen, auch sein Buch ,Gerechtigkeit für Serbien‘. Ich habe auch ein Stück von ihm im Wiener Burgtheater gesehen, das im Juni 1999 uraufgeführt wurde, das sich mit dem bosnischen Bürgerkrieg auseinandergesetzt hat. Und ich habe ihn immer als sehr konzisen und präzisen Formulierer begriffen. Aber wir haben miteinander eigentlich nie etwas zu tun gehabt. Meine Arbeit ist eher journalistisch-historischer Natur, und seine ist schriftstellerischer Natur.“

    Es seien sehr viele Leute, schlussfolgert Hofbauer, „die diesen Konflikt genauso sehen wie er. Es ist mehr oder minder die große, wenn man so will, die großen Zeitschriften und Zeitungen, ausgehend von der amerikanischen medialen Lobby, die die Sicht anders darstellt. Wenn man sich aber in Österreich, Deutschland und in der Welt umsieht, dann wird kaum ein normaler Mensch zu finden sein, der diesen Angriff der Nato für gut befunden hat.“

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    Tags:
    Hannes Hofbauer, Nobelpreis, Jugoslawienkrieg, Peter Handke