05:55 22 Januar 2020
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    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat am Dienstag die für den Nachmittag anberaumte Verleihung des Literaturnobelpreises an den österreichischen Schriftsteller Peter Handke für das Jahr 2019 scharf kritisiert.

    Handke sorgte wegen seiner Haltung zum Jugoslawien-Konflikt für Kritik seitens Erdogan. Der türkische Staatschef bezeichnete den Literat als „rassistische Person“.

    „Dass am 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, der Literaturnobelpreis einer rassistischen Person gegeben wird, die den Genozid in Bosnien-Herzegowina leugnet und Kriegsverbrecher verteidigt, hat keine andere Bedeutung, als Verstöße gegen die Menschenrechte auszuzeichnen“, so der Präsident.

    Literaturnobelpreis für Handke

    Der österreichische Schriftsteller und Übersetzer Peter Handke gehört zu den bekanntesten zeitgenössischen deutschsprachigen Autoren. Er wurde zuvor mit vielen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Georg-Büchner-Preis (1973) und dem österreichischen Nestroy-Theaterpreis (2018).

    Am 10. Oktober 2019 gab die Schwedische Akademie in Stockholm die Verleihung des Nobelpreises für Literatur 2019 an den 77-Jährigen bekannt. Die Entscheidung sorgte international für sehr unterschiedliche Reaktionen, von Jubel bis zu scharfer Kritik, Bedauern und Unverständnis.

    Grund für die heftige Debatte ist Handkes Haltung zum Jugoslawien-Konflikt: Der Literat hatte sich in dem Konflikt stark mit Serbien und den serbischen Nationalisten solidarisiert. Nach Ansicht von Kritikern soll der österreichische Literat die von Serben begangenen Kriegsverbrechen bagatellisiert oder geleugnet haben.

    Bosnienkrieg

    Der Krieg in Bosnien und Herzegowina fand von 1992 bis 1995 im Rahmen der Jugoslawienkriege statt, die mit dem Zerfall des Staates zusammenhingen. Zu den blutigsten Geschehnissen des Bosnienkrieges gehören die Operationen der von Ratko Mladić angeführten bosnischen Serben in Srebrenica.

    Nach Einschätzungen von Experten wurden in Srebrenica im Juli 1995 rund 8000 Muslime getötet. 30.000 Frauen und Kinder wurden deportiert. Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien und der Internationale Gerichtshof (IGH) stuften diese Geschehnisse als Völkermord ein.

    mo/sb/dpa

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    Friedensnobelpreis, Türkei, Recep Tayyip Erdogan, Peter Handke, Österreich