18:43 29 November 2020
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    Raubzug im Grünen Gewölbe (18)
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    Fast vier Wochen nach dem aufsehenerregenden Einbruch in das historische Grüne Gewölbe der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden hat die Polizei mehr als 1.100 Hinweise aus der Bevölkerung erhalten und dutzende Zeugen vernommen. Eine heiße Spur ist noch nicht darunter. Derweil konnte das Stadtmuseum die Rückkehr eines geraubten Schmuckstückes feiern.

    Der dreiste Juwelenraub von Dresden beschäftigt offenbar viele Menschen. Seit der Einsetzung der Sonderkommission sind mehr als 1.100 sachdienliche Hinweise aus der Bevölkerung bei der Polizei eingegangen. Darunter fast die Hälfte auf dem extra freigeschalteten Online-Meldeportal. 50 Zeugen wurden vernommen und die Experten der Spurensicherung haben inzwischen Beweismittel gesichert, die in einer Liste mit mehr als 700 Positionen erfasst wurden, wie die zuständige Polizeidirektion Dresden jetzt mitteilte.

    Da trotz des immensen Ermittlungsaufwandes immer noch keine wirklich vielversprechende Spur zu Tätern und Raubgut vorhanden ist, nutzt die Polizei Routinearbeit, um voranzukommen. Ermittler wissen, dass mit jedem Tag, der vergeht, Spuren kälter werden, wozu auch Erinnerungen von möglichen Augenzeugen gehören. Deshalb hat die Polizei eine Vereinbarung mit den Dresdner Verkehrsbetrieben geschlossen, die vom 23. bis 30. Dezember in ihrem Fahrgastfernsehen ein Video ausstrahlen, mit dem die Fahrgäste zur Mithilfe bei der Fahndung aufgerufen werden, „insbesondere die Fahrgäste, die regelmäßig in den Nacht- und Morgenstunden Dresdner Straßenbahnen nutzen und denen in der Nacht vom 24. zum 25.11.2019 möglicherweise ein heller Audi A6, (Baujahr 2006) mit dunklem Dach aufgefallen ist.“ wie es in der aktuellen Pressemitteilung heisst.

    Die Polizei weist auch ausdrücklich darauf hin, dass selbst während der bevorstehenden Feiertage jederzeit Hinweise zum Juwelenraub gegeben werden können. Außerdem habe die Polizei „Vorkehrungen getroffen, die ein sofortiges Reagieren auf neue Ermittlungserkenntnisse ermöglichen.“

    In der Generaldirektion der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gehen unterdessen nicht nur Solidaritätsbekundungen von Museen aus aller Welt ein, die sich bestürzt und fassungslos zeigen. Ein bislang unbekannter Mäzen hat jetzt auch etwa 1,3 Millionen Euro für die Wiederbeschaffung der geraubten unschätzbar wertvollen Teile der sächsischen Kronjuwelensammlung ausgelobt. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten bereits eine Belohnung von einer halben Million Euro ausgesetzt für Hinweise, die zur Wiederbeschaffung der geraubten Juwelen und Ermittlung der Täter führen.

    Die Aufrufe zur Mithilfe bei der Fahndung richten sich ausdrücklich auch an Touristen, da die Polizei davon ausgeht, dass dem Einbruch eine Phase der Vorbereitung mit Observierung des späteren Tatortes vorausging, weshalb auch verdächtig erscheinende Beobachtungen vor dem 25. November 2019 von hochgradigem Interesse der Ermittler sind.

    Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden beziffern die Verluste auf 26 Objekte aus der Brillantgarnitur, der Diamantrosengarnitur und der Garnitur der sächsischen Königinnen. Unter den gestohlenen Objekten befindet sich auch eine sogenannte Epaulette mit dem berühmten „Sächsischen Weißen“ als zentralem Schmuckstein, ein Diamant von fast 50 Karat Gewicht. Wahrscheinlich wurde die Sonderkommission der Polizei nach dieser besonderen Pretiose benannt.

    Der Gesamtwert sowohl der geraubten Juwelen als auch der noch vorhandenen Teile der betroffenen drei Garnituren beziehungsweise der unberührten sieben anderen Juwelengarnituren ist weniger in Geld aufzuwiegen, zumal die Juwelen, wenn überhaupt, dann nur als Einzelsteine und auch nur auf dem Schwarzmarkt zu Geld gemacht werden könnten. Der immense Wert der Dresdner Juwelensammlung begründet sich in der einzigartigen Geschlossenheit der Garnituren, die es so kein zweites Mal auf der Welt gibt. Nahezu alle Kaiser, Könige und Fürsten versuchten, Juwelengarnituren als Demonstration ihrer Macht und Noblesse anzulegen. Diese Sammlungen wurden immer wieder für Kredite verpfändet, geraubt, als Hochzeitsgeschenke weitergegeben oder umgearbeitet. Gerade deshalb ist die Sammlung des Grünen Gewölbes aus kunsthistorischer Sicht, aber auch als Beleg einer Epoche der europäischen Geschichte so selten und deshalb unersetzlich.

    Vor diesem Hintergrund kann es als Glücksfall eingestuft werden, dass der wohl wertvollste Einzelstein der Dresdner Juwelensammlung nicht von dem Raub betroffen war. Denn der sogenannte „Dresdner Grüne“ befindet sich derzeit als Leihgabe in einer Ausstellung in New York, die genau die bereits beschrieben Epoche der royalen Prachtentfaltung an europäischen Höfen dokumentieren soll. Der „Dresdner Grüne“ ist der größte je gefundene Diamant, der eine natürliche grüne Farbgebung hat. Diamanten lassen sich heute durch Nachbehandlung in farbige Steine nachbehandeln. Aber für echte grüne Diamanten braucht es neben ungeheurem Druck auch Radioaktivität, weshalb der „Dresdner Grüne“ schon zur Zeit seiner Anschaffung durch August den Starken ein Vermögen wert war, das dem Gegenwert eines großen Barockschlosses entsprach und vom sächsischen Monarchen mit erheblichem Aufwand in Raten bezahlt werden musste.

     „Dresdner Grüne“
    © REUTERS / Mike Segar
    „Dresdner Grüne“

    Wie es der Zufall will, konnten die Sammlungen des Stadtmuseums Dresden in diesen Tagen die Rückkehr eines ebenfalls gestohlenen Schatzes feiern. In den Wirren der ersten Nachkriegstage, im Mai 1945 wurde der komplette sogenannte Ratsschatz aus dem Keller des Rathauses gestohlen und war seither verschollen. Nun konnte ein besonders wertvolles und wahrscheinlich das älteste Objekt aus dieser Sammlung in Stuttgart sichergestellt und dem Stadtmuseum übergeben werden. Der Silberbecher aus dem Jahr 1505 wurde jetzt stolz von der Leiterin des Stadtmuseums präsentiert und wird sich ab Januar zu jenen vier Stücken des Ratsschatzes gesellen, die bislang wieder auftauchten. Es gibt nicht wenige in Dresden, die das als eine Art gutes Omen betrachten.

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    Tags:
    Grünes Gewölbe, Sachsen, Dresden