18:50 18 Januar 2020
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    Der Deutsche Philologenverband (DPhV) hat in der Debatte über die Lesekompetenz deutscher Schüler intensive Lektüre im Unterricht gefordert. Laut dem Verband ist das Lesen ganzer Bücher in manchen Bundesländern gar nicht mehr vorgeschrieben.

    Laut der DPhV-Vorsitzenden, Susanne Lin-Klitzing, sollte die intensive Lektüre im Unterricht beibehalten werden. In manchen Bundesländen sei sie aber nicht vorgeschrieben – das gelte beispielweise für Thüringen, Niedersachsen und auch für Bremen ab der achten Klasse, bemängelte Lin-Klitzing gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

    Viele Schulen und Lehrer würden sich zwar in Eigenregie trotzdem für die Lektüre entscheiden, aber sie müssten sich deswegen mitunter rechtfertigen, so die Kritik der Vorsitzenden.

    „Wenn Lehrkräfte sich dafür rechtfertigen müssen, dass sie von Schülerinnen und Schüler verlangen, sich durch eine (klassische) Lektüre zu arbeiten, weist das auf ein gesellschaftliches Problem hin“, sagte sie.

    Das Lesen von sogenannten Ganzschriften sei wichtig, weil Leser sich dabei „gründlich und vertieft auch in andere Charaktere und Lebenswelten hineindenken und hineinfühlen“. Dadurch würden sie auch dazu animiert, gründlich und vertieft über sich selbst nachzudenken.

    „Allgemeinbildung beruht auch auf dem Lesen von ausgewählten Klassikern“, sagte Lin-Klitzing. Sie plädiere für mehr Verbindlichkeit: „Im Deutschunterricht sollte die Lektüre von Ganzschriften in jedem Schuljahr in der Mittel- und Oberstufe verpflichtend sein“, so Lin-Klitzing und plädierte dafür, intensive Lektüre verbindlich zu machen: „Im Deutschunterricht sollte die Lektüre von Ganzschriften in jedem Schuljahr in der Mittel- und Oberstufe verpflichtend sein.“

    Angesichts der jüngsten Pisa-Studie betonte die Vorsitzende die „Katastrophenstimmung“ nicht zu teilen – „aber dass ein Fünftel der Schülerinnen und Schüler nach wie vor zur Risikogruppe gehört und nicht vernünftig lesen kann, muss uns weiter beunruhigen“, machte sie deutlich.

    Schwächen beim Lesen

    Die Pisa-Studie hatte im Bereich Lesen einige Schwächen deutscher Schüler zutage gefördert. Demnach lese jeder zweite Jugendliche nur, wenn es sein müsse. Für jeden Dritten sei das Zeitverschwendung. Und nur jeder Vierte habe Lesen als Hobby angegeben.

    Zudem hat die Studie ergeben, dass jeder fünfte 15-Jährige  in Deutschland nicht sinnverstehend lesen kann. Die deutsche Bildungsministerin, Anja Karliczek, bezeichnete diesen Befund als „erschreckend“. In einem hoch entwickelten Land wie Deutschland müsse jeder gut lesen können, um in der Gesellschaft und im Arbeitsleben gut zurechtzukommen, sagte sie.

    Über dem Durchschnitt

    Deutschlands Schüler haben sich in allen drei Bereichen der internationalen Vergleichsstudie – Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften – leicht verschlechtert. Sie erzielten jeweils etwas weniger Punkte als bei der vorherigen Untersuchung, die 2016 veröffentlicht wurde.

    Allerdings wies die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bei der Präsentation der Studie darauf hin, dass die deutschen Schüler leistungsmäßig weiterhin über dem OECD-Durchschnitt und damit auf einem guten Niveau lägen. Der Abstand zur Spitzengruppe in Europa (Estland und Finnland) und Asien mit Singapur, Hongkong und Japan bleibe dennoch groß.

    mka/gs/dpa

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    Tags:
    Lesen, Bildung, Schule