08:42 25 Februar 2020
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    In St. Petersburg hat die Polizei die Dreharbeiten für ein neues Video der für ihre provokanten politischen Aktionen bekannten feministischen Punkband Pussy Riot gestoppt. Dies teilte die Musikerin Nadeschda Tolokonnikowa am Montag mit. Die Kinostudio-Leiterin hat einen Polizei-Einsatz jedoch bestritten.

    Die „Bullen“ und Mitarbeiter der Abteilung zur Extremismus-Bekämpfung der russischen Polizei seien ins Kinostudio Lenfilm gekommen, um von der Punkband zunächst eine Versicherung zu bekommen, dass „hier keine Propaganda von Homosexualität und Extremismus“ betrieben werde, sagte Tolokonnikowa gegenüber der Nichtregierungsorganisation „Mediazona“.

    Dann seien die Polizisten direkt zur Leitung des Kinostudios Lenfilm gegangen, eine halbe Stunde später habe man im ganzen Gebäude den Strom abgeschaltet.

    „In dem Video sollte die Omon (Spezialeinheit der russischen Polizei – Anm. d. Red.) vorkommen, doch statt den Filmdarstellern kam eine echte Einheit“, so die Musikerin weiter. Der neue Song der Band handle unter anderem vom Widerstand gegen die Polizeigewalt und die Machthaber in Russland.

    Die Band veröffentlichte Aufnahmen von dem Polizeieinsatz und beklagte die mangelnde Meinungsfreiheit in Russland. Trotzdem will Pussy Riot das Video noch drehen. „Wir sammeln nun Geld für neue Dreharbeiten – und ich bin überzeugt, dass wir das zusammenbekommen“, teilte die 30-Jährige mit.

    Nach Darstellung von Tolokonnikowa waren Polizisten in Zivil zwei Tage vor Beginn des Videodrehs ins Studio gekommen und haben versucht, bei der Lenfilm-Leitung eine Absage der Dreharbeiten zu erreichen. Das Kinostudio habe ihnen jedoch eine Absage erteilt, mit der Begründung, dass der Vertrag mit den Künstlern bereits unterzeichnet und die Miete bezahlt worden sei.  

    Polizei stellt keine Rechtsverletzungen fest

    Die Polizei von St. Petersburg hat keine Rechtsverletzungen bei den Dreharbeiten eines Videos von Pussy Riot festgestellt, teilte der Polizei-Pressedienst am Montag gegenüber russischen Medien mit. Der Pressedienst des Kinostudios Lenfilm begründete seinerseits den Stopp des Videodrehs mit Stromausfall.

    Lenfilm-Leiterin bestreitet Polizei-Einsatz

    Die Leiterin des Kinostudios Lenfilm, Inessa Jurtschenko, hat gegenüber dem Nachrichtenportal Znak.com sogar einen Polizeieinsatz ganz bestritten: Die Dreharbeiten hätten wegen eines Stromausfalls gestoppt werden müssen. Die Polizei habe damit nichts zu tun gehabt.

    In dem Pussy-Riot-Video sollten laut Jurtschenko Schauspieler in Polizeiuniform auftreten. Deshalb dürfe man das nicht so darstellen, als seien Polizisten ins Studio gekommen. „Auf dem Territorium von Lenfilm gibt es keine Polizisten. Die Schauspieler zu zeigen und die Öffentlichkeit so zu provozieren, ist nicht schön.“

    Pussy Riots Weg zur Berühmtheit

    Die regierungskritische Punkband Pussy Riot bekam vor acht Jahren mit ihrem „Punkgebet“ in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale Weltberühmtheit. Fünf Frauen in Sturmmasken und greller Kleidung hatten im Februar 2012 in der Kirche ihre provokante Show aufgeführt. Ein Video von der Performance wurde im Internet veröffentlicht und sorgte für großes Aufsehen.

    Als Folge dieser Aktion wurden die drei Mitglieder Nadeschda Tolokonnikowa, Marija Aljochina und Jekaterina Samuzewitsch in Untersuchungshaft genommen. Gegen sie wurde Anklage wegen Rowdytum nach Paragraph 213 des russischen Strafgesetzbuchs erhoben.

    Im August 2013 verurteilte ein Gericht in Moskau Nadeschda Tolokonnikowa, Maria Aljochina sowie Jekaterina Samuzewitsch wegen „Rowdytums aus religiösem Hass“ zu je zwei Jahren Haft. Die sechsmonatige Untersuchungshaft wurde angerechnet. Samuzewitschs Strafe wurde kurz danach zur Bewährung ausgesetzt.

    Am 18. Dezember 2013 verabschiedete das russische Parlament anlässlich des 20. Jahrestages der russischen Verfassung ein vom Kreml eingebrachtes Amnestiegesetz. Am 23. Dezember wurden beide Musikerinnen dann rund drei Monate vor dem regulären Ablauf ihrer Haftstrafen freigelassen.

    ta/gs

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    Tags:
    Russland, Polizeigewalt, Pussy Riot