06:04 16 Juli 2020
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    Hitler hat sich schon früh überschätzt und als verkanntes Malergenie, Architekt gesehen, ja hat sich sogar zu kompositorischen Höchstleitungen befähigt gefühlt. Er schrieb die Oper, die seiner Ansicht nach von Wagner hätte sein können. Das Noten-Dokument soll bisher unbekannt und das Werk selbst „fürchterlich“ klingen.

    Es sei eines der der spektakulärsten Objekte in der am kommenden Wochenende eröffnenden Ausstellung im niederösterreichischen Sankt Pölten, so der Kurator der Schau (Sputnik berichtete), Christian Rapp gegenüber Sputnik: Der Entwurf einer Oper von Hitler.

    Im Geiste Richard Wagners: „Wieland-Vorspiel“

    Mit seinem Freund, dem Musiker August Kubizek, sollte es gelingen. Der angehende Diktator wollte eine Oper verfassen, die Richard Wagner nicht komponiert hat. Eine, von der Hitler und Kubizek wussten, dass Wagner sie mal geplant hatte: Unter den nachgelassenen Schriften Wagners war ein Entwurf zu einem Musikdrama mit dem Titel „Wieland, der Schmied“ gefunden worden. Über eine Vertonung des Stoffes sei nichts bekannt gewesen. Hitler habe daraufhin eine Nacherzählung der Sage gelesen und beschlossen, das von Wagner nicht weiterverfolgte Opernthema einfach selbst zu vertonen.

    Wieland - Vorspiel nach Motiven von Adolf Hitler
    "Wieland - Vorspiel" nach Motiven von Adolf Hitler

    Das Dokument aus dem Jahr 1908 sei bisher völlig unbekannt und wird auch zum ersten Mal gezeigt, so Rapp. Dabei handelt es sich um das "Wieland - Vorspiel" nach Motiven von Adolf Hitler.

    Größenwahn und schlechtes Klavierspiel als Rezept

    Hitler ging davon aus, dass Leidenschaft und Wille die entscheidenden Kategorien des „Genies“ seien, und so ging er davon aus, auch in vielen künstlerischen Fächern reüssieren zu können.

    „Es zeigt schon sehr früh eine gewisse Art von Selbstüberschätzung dieses Hitlers, der meint, mit ein paar Monaten Klavierspielen eine Oper im Sinne Richard Wagners komponieren zu können“, erläutert der Kulturwissenschaftler.

    Auch Freund Kubizek selbst sei höchst erstaunt gewesen, was Hitler sich einbilde. Doch der 19-jährige Adolf, der am Klavier improvisiert, hat bereits eine Lösung: Seine Komposition soll einfach sein Freund für ihn notieren. „Adolf verfaßt eine Oper“, so seine Erinnerungen: Angeschrien habe Adolf ihn, als dieser anbot, ihm doch lieber die notwendigen Fertigkeiten zum Komponieren beizubringen. So nachzulesen in einem flankierend zur Ausstellung erscheinenden und mit vielen Anekdoten und Quellen versehenen Buchband.

    Noch ist die Oper nicht vertont. Sie soll allerdings „fürchterlich“ klingen, so der Kurator. Schon Hitlers Freund Kubitschek habe seinerzeit angemerkt, dass wenn Hitler etwas besser hätte Klavier spielen können, es vielleicht etwas interessanter geworden wäre.

    Die Ausstellung „Der junge Hitler – Prägende Jahre 1889-1914“ ist vom 29.Februar bis zum 9.August im Museum Niederösterreich in Sankt Pölten zu sehen, verortet zwischen Oberösterreich und Wien.

    Das Buch „Hitler – Prägende Jahre – Kindheit und Jugend 1889-1914“ von Hannes Leidinger und Christian Rapp ist im Residenzverlag erschienen: 224 Seiten, 24 Euro, ISBN: 9783701735006.

    Buch von Hannes Leidinger und Christian Rapp
    © Foto : Residenzverlag
    Buch von Hannes Leidinger und Christian Rapp

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    Tags:
    Oper, Adolf Hitler