17:58 26 November 2020
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    Lang Lang, die Netrebko oder Polina Semionova erleben, ist für viele ein Lebenselixier. Da der Spielbetrieb pausiert, haben sich Künstler wie Theater virusresistente Strategien überlegt, damit jeder zur Dosis Seelenschmeichler Spitzentanz und Wohlklang kommt. Auch für alle, denen ein Besuch von Oper & Co noch nicht liebgewonnene Gewohnheit ist.

    Theater, Musik, Tanz, die Kreativszene an sich, waren bislang stets durch ihre realen Orte wie Opernhäuser, Galerien, Messen und Museen, Clubs und Festivals definiert: Oftmals unter striktem Dokumentationsverbot stehend, wirkten Theaterhappenings noch flüchtiger und umso exklusiver, als es dem Metier ohnehin bereits klischeebehaftet innewohnte. Man musste körperlich präsent sein, um in den Genuss zu kommen - hören, sehen, fühlen, manchmal auch schmecken war das Credo. Doch außergewöhnliche Umstände zwingen zu außergewöhnlichen Methoden. Und die kommen jetzt online im digitalen Raum daher.

    Kulturelle „Konservennahrung“ gibt es zwar längst, seitdem es Radio und TV sowie diverse Ton- und Filmträger auf dem Markt gibt, doch nie war in Frage gestellt, dass Produktionen an realen Orten inszeniert, geprobt und live vor Publikum zum Laufen gebracht werden -  inklusive hüstelndem Kulturfreund im Parkett.

    „Social Distancing“ in Zeiten vermeintlicher Corona-Hüstler 

    Nun wird heute mit diesem meist als Stimmungsbarometer eingesetzten Geräusch des Hüstelns allerdings Gefahr für Leib und Leben verbunden. Und so müssen Lösungen her, will man sein Publikum bei der Stange halten und auch für die junge Generation in einer hoffentlich nicht allzu fernen Zukunft als Pilgerstätte attraktiv sein.

    „Ab sofort können Sie Oper zu Hause erleben“

    „Ab sofort können Sie Oper zu Hause erleben“, so die Deutsche Oper Berlin am Freitag in ihrem Schreiben an ihre Community.  Auf der Startseite der Webseite gibt es in den nächsten Tagen etliche Produktionen als kostenlose Videos on Demand, also einfach per Anforderung kann es losgehen mit Wagners „Meistersinger von Nürnberg“ oder der Oper „Rienzi, der letzte der Tribunen“.

    Es geht noch besser: Live und in Farbe

    Einen Schritt weiter gehen das Konzerthaus Berlin und die Staatsoper Unter den Linden. 
    Die dieswöchigen Live-Auftritte von Stars wie Pianist Lang Lang oder Max Raabe samt seinem Palastorchester im Haus am Gendarmenmarkt sind dieser Tage Streaming-Publikumsrenner.  

    Mit Manon, Carmen und Medea auf dem Sofa 

    Wo noch jüngst das Publikum ob teurer Eintrittskarten verschnupft auf Aufführungsabsagen reagierte, macht sich jetzt Zustimmung breit – erzwungen oder nicht sei dahingestellt. Der Entzug bleibt derselbe. Da findet heute eben Livemusik im Online-Streaming oder der Kulturgenuss per Video on Demand statt. Urplötzlich ist es auch kein schnöder Ersatz mehr dafür, wenn man etwa nicht zur Aufführung selbst erscheinen konnte, sondern es ist die einzige Methode, überhaupt teilzuhaben. Das gilt im Übrigen gleichermaßen für Künstler, technisches Theaterpersonal wie Publikum. Eine existenzielle Frage für Viele. 

    Und so streamt am Freitag die Staatsoper „Unter den Linden“ live Cherubinis „Medea“ unter dem Dirigat von Daniel Barenboim und der großen Sonya Yoncheva in der Titelrolle. Bereits in der vergangenenWoche gab es live Bizets „Carmen“ mit Anita Rachvelishvili in der Titelpartie und „Manon Lescaut“ mit Opernstar Anna Netrebko – allerdings aus der „Konserve“.

    Hauptsache, Musik

    Die Berliner Philharmoniker streamen ihre Aufführungen in ihrer Digital Concerthall gratis.  

    Heute begnügt sich auch  - er muss - der geflissentliche Tanzmusikliebhaber und bewegungsbegeisterte Szenegänger mit DJ-Streams von Paul van Dyk oder der „Griessmühle“ vor Rauhfasertapete. Streamings in der Populär- und Clubszene sind allerdings keine Neuentdeckung per se. Schon gar nicht seit es Streamingdienste wie Spotify gibt. 

    In Form bleiben – Ballett mit unkonventionellen Lösungen zur Corona-Krise

    Da morgentliche Ballett-Trainings in den Probensälen abgeblasen und Fitnesstudios geschlossen sind, von den Ballettaufführungen ganz abgesehen, das Stretching notwendig und auch die Form aber gehalten werden müssen, zeigen sich die Ensemblemitglieder des Staatsballetts Berlin von ihrer graziös-launigen Seite: Mit Barre-Übungen am Fensterbrett, einem Wendeltreppen-Plié oder dem Baumstamm-Spagat. 

    Virtuelle Rundgänge in Galerien und Museen

    Die Kunstwelt um Kunstinstitutionen und Galerien hat allerdings erst unlängst virtuelle Rundgänge und Vernissagen im Livestream für sich entdeckt. Der Kunstszene mangelte es ohnehin nicht an Einfallsreichtum - insbesondere, wenn es darum geht, Kunst auch an den Mann zu bringen. Die König Galerie in Berlin ist jetzt ganz vorn mit ihren morgentlichen Galerierundgängen samt Liveschalten zum jeweiligen Künstler wie Jeppe Hein oder Elmgreen & Dragset – aus der deutschen Hauptstadt oder wie am Freitag aus ihrer Filiale in der japanischen Metropole Tokio.  

    Der für so manchen traditionelle sonntägliche Museumsgang wird neuerdings auch digital durchlaufen: Diese virtuell-musealen Spaziergänge sind allerdings nicht nur für technikaffine Kulturnerds sondern auch für alle Bildungshungrigen seit jeher probates Mittel der Partizipation gewesen. Mehr und mehr nun auch in 360 Grad-Ansichten. Exklusive Publikumsgedränge.

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