19:47 01 Dezember 2020
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    Die französische Historikerin und Expertin für russische Geschichte, Hélène Carrère d’Encausse, hat in einem Gespräch mit „Le Figaro“ zwei kulturelle Merkmale genannt, durch welche sich die Russen von den Europäern unterscheiden würden.

    Nach Ansicht der Historikerin ist eines dieser Merkmale das Gefühl für Geschichte. Wegen der Tragödien des 20. Jahrhunderts sei es bei den Menschen in Russland ausgeprägter. Als zweites Merkmal nannte die Französin das Gefühl für den Tod.

    „Die gesamte russische Literatur handelt davon. Das orthodoxe Christentum legt die Wiederauferstehung, genauer gesagt den Tod, seinem Glauben zugrunde. In Russland ist der Tod sichtbar, allein daran, wie die Bestattung abläuft. Der Sarg bleibt bis zum Schluss offen, der Verstorbene verbleibt zum Abschiednehmen“, erklärte die Gelehrte.

    Die Europäer hingegen seien voll und ganz auf die Gegenwart bedacht. Ihnen sei das Verständnis vom Tod abhandengekommen, der mit Begriffen wie „aus dem Leben scheiden“ ersetzt wird. Das habe besonders die Covid-19-Pandemie gezeigt, so die Historikerin abschließend.

    Hélène Carrère d’Encausse ist seit 1999 die leitende Sekretärin der Französischen Akademie und gleichzeitig die erste Frau in der Geschichte dieser Institution, welche dieses Amt ausübt. Die Französin ist auf die Geschichte Russlands und der Sowjetunion spezialisiert. In ihrem 1978 veröffentlichten Buch „Risse im Roten Imperium. Das Nationalitätenproblem in der Sowjetunion“ sagte die Historikerin den Zusammenbruch der Sowjetunion voraus.

    mka/gs

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    Tags:
    Geschichte, Europa, Russland