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    Schauspieler, die sich beim Dreh, etwa zum Küssen, nahe kommen, sollen sich wegen Corona zuvor fünf Tage in Quarantäne begeben. Diesen Hinweis für Produktionen gibt eine Berufsgenossenschaft. Wird die Filmehe unter Kollegen zum neuen Ideal? Derweil hofft man in Babelsberg, bald wieder Filme zu produzieren. Keanu Reeves soll mit von der Partie sein.

    Das Coronavirus setzt auch der Filmindustrie zu. Wie können aktuell Filme produziert werden, ohne die Beteiligten der Gefahr einer Infektion auszusetzen?

    „Gegenwärtig denken viele darüber nach - da man nicht weiß, wie lange die Krise andauern wird, die Drehbücher so zu ändern, dass man Abstand hält. Das geht natürlich nicht bei Liebesszenen oder Kampfszenen“, so der Vorstandschef der Studio Babelsberg AG, Carl Woebcken gegenüber der DPA.

    Doch ausgerechnet das (und einiges mehr) hat die Berufsgenossenschaft „Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse“ (BG ETEM) empfohlen.

    Der Vorsitzende der Produzentenallianz, Alexander Thies, sagte über den Leitfaden für die Wiederaufnahme von Filmproduktionen: „Obgleich der neue Standard erhebliche Herausforderungen für die Branche mit sich bringt, haben wir nun von autorisierter Stelle einen Handlungsrahmen an die Hand bekommen, der es ermöglicht, dass Film- und Fernsehproduktionen deutschlandweit in allen Genres neu starten oder fortgeführt werden können.“ Die Genossenschaft hat die Empfehlungen auf Basis der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandards des Bundesarbeitsministeriums erarbeitet.

    Face to Face, optische Täuschungen und Quarantäne

    Vor der Kamera soll der direkte Kontakt zu anderen Personen auf ein Minimum reduziert werden. Das solle beispielsweise durch Anpassung des Drehbuches zur Vermeidung von Szenen mit erhöhtem Infektionsrisiko, wie bei körpernahen Szenen wie Umarmungen, Begrüßungen und Szenen mit hoher Personenzahl gelingen. Auch eine verstärkte Nutzung der digitalen Nachbearbeitung solle erwogen werden oder ein Verkürzen der optischen Abstände durch lange Brennweiten. Und wenn Schutzmaßnahmen nicht eingehalten werden könnten, sollen Dreharbeiten grundsätzlich nur unter Beachtung expliziter Quarantänemaßnahmen der betroffenen Personen durchgeführt werden. Das würde laut den Empfehlungen etwa eine fünftägige Selbstisolation noch vor Beginn der Dreharbeiten bedeuten.

    Selbst wenn „in nachvollziehbaren Ausnahmefällen“ auch das nicht möglich sein sollte, müssten laut BG EGEM folgende Bedingungen bei Dreharbeiten zwingend eingehalten werden: Eine starke zeitliche Begrenzung der Unterschreitung des Mindestabstandes, keine „face to face“-Kontakte.

    Es sei denn, es handele sich um Personen, die in einem Haushalt oder einer haushaltsähnlichen Gemeinschaft zusammenleben -  dann seien die Quarantänemaßnahmen nämlich nicht erforderlich. Bekannterweise schmiedeten auch schon in der Vergangenheit Filmpartner Allianzen für`s Leben: Nicht selten waren Filmprojekte ehestiftend. Die sogenannten „Filmehen“ erscheinen nun angesichts der Pandemie in einem besonderen Licht. Idealerweise überdauern sie ab sofort auch die übliche Produktionslänge - bis zum nächsten Filmprojekt mindestens. Wäre sicher im Sinne von Producer wie Gesundheitsamt.

    In der Babelsberger Matrix: Codename „Girona“ und „Project Ice Cream“

    Das „Studio Babelsberg“ hofft jedenfalls aktuell darauf, bereits in einigen Wochen wieder drehen zu können. Im März waren die Vorbereitungen zweier großer Filmprojekte wegen der Corona-Pandemie unterbrochen worden.

    Alle ausländischen Mitarbeiter seien damals in ihre Heimat zurückgeflogen, sehr viele nach Amerika, einige nach England, Australien. In der Folge hatten wir bei uns im Studio erstmal einen kompletten Lockdown, so Woebcken in Potsdam. Für die Produktionen selbst seien aufwendige Kulissen gebaut worden, Film-Sets und viel Equipment sei in den Studios geblieben.

    Die Filmprojekte laufen unter den Codenamen „Girona“ und „Project Ice Cream“, denn die offiziellen Titel dürften nicht genannt werden. Es soll sich laut DPA um die Videospiel-Verfilmung „Uncharted“ und den Blockbuster „Matrix 4“ mit Keanu Reeves handeln.

    ​Und wenn es im Juni tatsächlich weitergehen sollte mit den beiden Hollywood-Produktionen, so glaubt Woebcken, dass auch Reeves kommt.

    ba

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    Tags:
    Deutschland, Coronavirus, Filmdreh