15:59 07 Juli 2020
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    In der Hauptstadt sind seit dieser Woche Kultur-Veranstaltungen mit bis zu 150 Besuchern in geschlossenen Räumen und 200 Personen im Freien möglich. Das größte Haus am Platze, die Deutsche Oper Berlin, bringt nun mitten in der Corona-Pandemie eine Neuproduktion von Richard Wagners „Rheingold“ heraus: Open-Air auf ihrem Parkhaus.

    Im Zuge der Lockerungen des Corona-Lockdowns können zwar Theater immer noch nicht wie gewohnt spielen, doch einige Häuser haben sich erfindungsreich der Idee sommerlicher Outdoor-Aktivität geöffnet: Das Brechtsche Berliner Ensemble etwa nutzt seinen Hinterhof und baut eine Freiluftbühne und die Deutsche Oper Berlin bespielt ihr Parkhausdach.  

    Schlanke Version des Wagnerschen Bombastwerkes

    In der kommenden Woche führt das Opernhaus eine Neuproduktion von „Rheingold“ aus Richard Wagners Bombast-Zyklus „Der Ring des Nibelungen“ auf. Dabei handelt es sich um eine eher schlanke Kammerfassung des britischen Komponisten Jonathan Dove in einer halbszenischen 90-Minuten-Version unter dem Dirigat von Generalmusikdirektor Donald Runnicles – mit etwa 20 Musikern und zwölf Sängern.

    Komponist Dove hatte unter dem Titel „The Ring Saga“ 1990 eine gestraffte Version des Wagner-Werkes mit „Rheingold“ (Vorabend), „Walküre“ (Erster Tag), „Siegfried“ (Zweiter Tag) und „Götterdämmerung“ (Dritter Tag) erstellt. Die Aufführungsdauer beträgt zehn statt der originalen 16 Stunden. Auch die ursprüngliche Orchesterbesetzung von über 100 Musikern speckte er auf 18 ab. So sollte das Wagnersche Bombastwerk für kleinere Spielstätten realisierbar sein. Und das passt momentan hervorragend ins coronabedingte Konzept:

    „Wir wollen vor der offiziellen Sommerpause für unser Publikum noch etwas „Kleines“ machen“, so Dietmar Schwarz, Intendant der Deutschen Oper Berlin.

    Gespielt wird vor der derzeit behördlich genehmigten Maximalanzahl an Zuschauern auf dem Dach des Parkhauses der Oper – die Bestuhlung soll entsprechend der Abstandsregelungen mit Einzelplätzen und Doppelsitzen eingeteilt sein. Die erste Vorstellung ist die Premiere am 12. Juni. An diesem Datum war ursprünglich auch der Auftakt der Neuinszenierung der Wagnerschen „Ring“-Tetralogie in der Regie von Stefan Herheim geplant. Diese wird allerdings auf die nächste Spielzeit verschoben: „Alles, was wir geplant haben, werden wir auch irgendwann machen, ist die Devise. Wir produzieren nichts für die 'Tonne'!“, so Opernchef Schwarz.  

    Der Preis für die Reservierung eines Sitzplatzes für die Freiluft-Veranstaltung der Deutschen Oper beträgt übrigens gerade mal fünf Euro. Punkt 12 Uhr am 5. Juni geht der Verkauf für die insgesamt fünf Vorstellungen los. Nach den Aufführungen kann der Zuschauer selbst entscheiden, wie viel ihm der Platz auf dem Sonnendeck der Musik tatsächlich wert war und – sicher auch hochwillkommen – sein Füllhorn ausschütten.

    Wie es dem Operntheater und  seinen naturgemäß komplexen wie langfristigen Planungen zu Aufführungsterminen und Sängerengagements in Krisenzeiten geht und ob es Ausfallhonorare für Netrebko, Domingo & Co. gibt, lesen Sie in den kommenden Tagen im kompletten Interview mit dem Chef des größten Opernhauses der Stadt hier bei Sputnik.

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    Tags:
    Quarantäne, Coronavirus, Deutsche Oper Berlin, Richard Wagner