00:23 10 Juli 2020
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    Der mit 50.000 Euro dotierte Siegfried-Lenz-Preis 2020 geht an Ljudmila Ulitzkaja - eine der bekanntesten zeitgenössischen Schriftstellerinnen Russlands. Mit dem Preis sollen internationale Schriftsteller ausgezeichnet werden, die mit ihrem erzählerischen Werk Anerkennung erlangten und deren schöpferisches Wirken dem Geist von Lenz nah sei.

    Die Siegfried Lenz Stiftung ehrt mit Ljudmila Ulitzkaja eine bedeutende Schriftstellerin Russlands, so die Begründung der 2014 ins Leben gerufenen Stiftung: Ihre Romane und Erzählungen widerspiegeln die Tragödie des 20. Jahrhunderts, die Epoche der Gewaltherrschaft und des Genozids. Die vielfältigen und vielschichtigen Figuren ihrer erzählerischen Welt kämpfen ums Durchkommen, ums Überleben. Manche glauben an Gott, andere an sich selbst, und alle hoffen sie auf Menschlichkeit.  

    Ulitzkaja entwickelt aus diesen Schicksalen ein „grandioses Gewebe“, das Gegenwart und Vergangenheit miteinander verbindet, das Religiöse mit dem Politischen, das Gesellschaftliche mit dem Persönlichen. Ihre weit gespannte Erzählkunst ist multiperspektivisch, sie bezieht reale und fiktive Dokumente ebenso ein wie die Biografie der Autorin.

    Zutiefst berührt

    Sie sei „zutiefst berührt und geehrt, Gewinnerin dieses Preises zu sein, der nach Siegfried Lenz benannt ist, einem Schriftsteller mit enormer Zivilcourage, höchster Ehrlichkeit und gründlichem Verständnis für eine untrennbare Verbindung zwischen unserer Vergangenheit und Gegenwart“, so die Reaktion der Autorin auf die Nachricht der Zuerkennung.

    Ljudmila Ulitzkaja wurde 1943 in Dawlekanowo in der russischen Teilrepublik Baschkortostan in einer sich in der Evakuierung begriffenen jüdischen Familie geboren und wuchs in Moskau auf. Sie ist eine der bekanntesten zeitgenössischen Schriftstellerinnen Russlands und gilt als Putin-kritische Intellektuelle.

    Sie schreibt neben der erzählenden Prosa Drehbücher, Hörspiele, Theaterstücke und erzählende Prosa. Auf Deutsch erschienen etwa „Sonetschka: Eine Erzählung“ (1992), „Medea und ihre Kinder“ (Roman 1997), „Ein fröhliches Begräbnis“ (Roman 1998), „Reise in den siebenten Himmel“ (Roman 2001), „Die Lügen der Frauen (Erzählungen 2003), das Kinderbuch „Ein glücklicher Zufall“(2005), „Ergebenst, euer Schurik“(Roman 2005), „Maschas Glück“(Erzählungen 2007), „Daniel Stein“(Roman 2009), „Das grüne Zelt“ (Roman 2012), „Die Kehrseite des Himmels (2015) und „Jakobsleiter“ (Roman 2017).

    Ulitzkaja erhielt in ihrer Heimat mehrfach den renommierten Preis „Bolschaja Kniga“ (Großes Buch) sowie den Russischen Booker-Prize 2001. Im Jahr 2008 erhielt Ulitzkaja den Aleksandr-Men-Preis für die interkulturelle Vermittlung zwischen Russland und Deutschland, 2014 den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur.

    Zu den bisherigen Trägern des Siegfried-Lenz-Preises gehören der Israeli Amos Oz, der Engländer Julian Barnes und der US-Amerikaner Richard Ford. Der Preis soll - coronabedingt vorsorglich verschoben auf das Folgejahr - am 19. März 2021 im Hamburger Rathaus übergeben werden.

    Siegfried Lenz (1926 – 2014) zählt zu den größten Schriftstellern deutscher Sprache. Für sein 14 Romane, zahlreiche Novellen, Hörspiele und Dramen umfassendes Werk wurde er mit bedeutenden Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main, dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und mit dem Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte. Sein Buch „Deutschstunde“ gehört zur Pflichtlektüre an deutschsprachigen Schulen. Zuletzt erschienen „Der Überläufer“ (2016), sein „Amerikanisches Tagebuch“ (2012), „Die Maske“ (2011), „Landesbühne“ (2009) und „Schweigeminute“ (2008). Zahlreiche seiner Bücher wurden verfilmt. Zuletzt lief Der Überläufer erfolgreich im deutschen Fernsehen.

    ba

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    Tags:
    Literaturpreis, Deutschland, Russland, Schriftstellerin