08:45 14 August 2020
SNA Radio
    Kultur
    Zum Kurzlink
    3420148
    Abonnieren

    Die berühmte Hagia Sofia in Istanbul, auch als Sophienkirche bekannt, soll nach dem Wunsch des türkischen Präsidenten Recep Tayip Erdogan wieder in eine Moschee umgewandelt werden. Nun hat auch das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei dem Vorhaben Erdogans grünes Licht gegeben.

    So urteilten die Richter am Donnerstag, dass der Status der Sophienkirche in Istanbul durch ein Dekret des Präsidenten geändert werden kann, teilt die griechische Zeitung „Orthodox Times“ mit.

    Laut türkischen Medien könnte der erste muslimische Gottesdienst in Hagia Sofia bereits am 15. Juli stattfinden – am vierten Jahrestag des gescheiterten Staatsputschs in der Türkei.

    Russische Kirche erhebt Einspruch

    Die Orthodoxe Kirche Russlands hat sich geweigert, die Umwandlung des Museums in eine Moschee als innere Angelegenheit der Türkei zu betrachten. Das Bauwerk sei ein Weltkulturerbe, so der Vertreter des Moskauer Patriarchats Metropolit Ilarion.

    „Wir verfolgen die Entwicklung rund um die Kathedrale mit viel Aufmerksamkeit und mit ernster Sorge. Wir warten, bis die Entscheidung des Obersten Gerichts der Türkei (…) offiziell veröffentlicht wird. Wir hoffen, dass die Entscheidung, die Kathedrale in eine Moschee umzuwandeln, nicht getroffen wird.“

    Jegliche Änderungen des Status quo können der „gegenseitigen Verständigung und dem Dialog der Kulturen und Religionen“ sehr schaden.

    Der Geistliche teilt die Meinung der türkischen Behörden nicht, das Schicksal des Museums sei ein innertürkisches Thema: „Die Sophienkirche ist ein Bauwerk von einer globalen Bedeutung. Es ist kein Zufall, dass die Debatten über deren Umwandlung die ganze Welt aufgeregt haben, besonders die christliche Welt. Denn die Kathedrale wurde ja Jesus Christus gewidmet.“ 

    Der Metropolit verwies auch auf die wichtige Rolle der Sophienkirche in der Geschichte der Rus: Hierher seien die Gesandten des Großfürsten Wladimir I. gekommen und dies habe auch die schicksalhafte Entscheidung der Großfürsten bestimmt, die Rus zu taufen.

    Auch Griechen gegen Statusänderung

    Griechenland tritt ebenfalls gegen eine Statusänderung ein, weil die Hagia Sophia (griechisch: Heilige Weisheit) für die christliche Orthodoxie eine große Bedeutung habe. Die Umwandlung in eine Moschee könne zu einer emotionalen Kluft zwischen den Christen der Welt und der Türkei führen, sagte der griechische Regierungssprecher Stelios Petsas.

    Türkische Kritiker werfen Erdogan zudem vor, mit der Diskussion um das Bauwerk von wirtschaftlichen Problemen ablenken zu wollen.

    Geschichte der Hagia Sofia

    Die Hagia Sophia wurde im 6. Jahrhundert als Reichskirche der Byzantiner gebaut und war fast tausend Jahre lang die wichtigste Kirche des Christentums. Als die Osmanen im 15. Jahrhundert Konstantinopel - das heutige Istanbul – eroberten, machten sie die Hagia Sophia zur Moschee. 1935 erklärte Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk das Gebäude dann zu einem Museum. Jedes Jahr lockt das Museum 3,7 Millionen Touristen an.

    Im Jahr 1985 wurde die Hagia Sophia zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Nach Russland-Kritik: Spahn will deutschen Corona-Impfstoff „so schnell wie noch nie in Geschichte“
    „Beispielloser Druck von außen“: Moskau zur Lage in Weißrussland
    „Putins Murks“? Galle deutscher Medien und fünf Fragen zum ersten russischen Corona-Impfstoff
    Tags:
    Recep Tayyip Erdogan, Islam, Türkei, Hagia Sophia