07:44 14 August 2020
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    Studentin Abir Kobeissi darf in Deutschland bleiben: Ihr Aufenthaltstitel lief im Juni aus und da sie nicht genug Geld vorzuweisen hatte, drohte wohl die Abschiebung. In Auseinandersetzung mit ihrer Situation machte sie mit güldenem Faden auf Samt künstlerisch auf ihr Dilemma aufmerksam. Und ein Gönner half daraufhin aus.

    "Kauf mir einen Aufenthaltstitel" hat Abir Kobeissi mit goldenem Zwirn auf dunklen Samt gestickt. Nicht gerade, aber außergewöhnlich. Denn unter ihrem Namen prangt in Gold auch ihre IBAN-Bankverbindung. Das Stück ist Teil einer 32-teiligen Edition.  

    In ihrem Werk gehe es um die Auseinandersetzung mit Staatsangehörigkeit, Bürokratie, all den festgeschriebenen Normen, die Menschen Kategorien zuordnen, wie Geschlecht, der Herkunft - oder der Fähigkeit zu überleben, so die Kritik im Kunstmagazin Monopol.

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    Die 32-jährige Kobeissi ist Kunststudentin an der Akademie der Künste in München. Vor zweieinhalb Jahren kam sie aus dem Libanon nach Deutschland. Im Juni diesen Jahres sollte ihr Aufenthaltstitel verlängert werden, doch dafür brauchte sie den Nachweis von Ersparnissen. Denn Nicht-EU-Ausländer, die in Deutschland studieren, bekommen ihren Aufenthaltstitel für höchstens zwei Jahre ausgestellt. Je nach individueller Studiendauer ist da der Weg zur Ausländerbehörde nicht nur unumgänglich, sondern auch zuweilen mehrfach geboten: Dokumente wären auszufüllen und ein Betrag auf einem Sperrkonto wäre nachzuweisen - aktuell 10.236 Euro.

    Die Libanesin hatte das Geld nicht und auch für Stipendien kam sie nicht in Betracht. Aus ihrer Heimat - von Familie oder Freunden - hatte sie wohl keine Hilfe zu erwarten, denn der Libanon steckt in einer Wirtschaftskrise. Und selbst wenn Unterstützung möglich gewesen wäre, Banken ließen Überweisungen ins Ausland kaum noch zu, heißt es. Auch Kobeissis Nebenjob in München habe wegen der Corona-Krise nichts mehr eingebracht.

    Doch Kunst würde auch aus der Not geboren, so die Studentin im Magazin. Und aus der Not entstand ihr Werk „Kauf mir einen Aufenthaltstitel“.  

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    Kobeissi verschickte die Stickereien an Freunde, Kollegen und die Presse, wo auch ein Portrait über sie erschien: Angeregt vom Zeitungsbericht habe Konzertveranstalter Stefan „Scumeck“ Sabottka sogleich bei ihr angerufen und ihr seine Unterstützung angeboten. Sabottka organisiert etwa Rammstein-Tourneen und gründete das Online-Portal tickets.de.  

    Ihm habe gefallen, dass Kobeissi nicht gejammert habe, sondern sehr direkt war, so der Manager im Magazin. Zudem sei er an der Lage im Libanon interessiert und habe auch deshalb entschieden, ihr zu helfen. Mit einer Überweisung auf Kobeissis Sperrkonto.

    Die Ausländerbehörde soll den Aufenthaltstitel der Studentin inzwischen verlängert haben. Bevor Kobeissi nach Deutschland kam, hatte sie ein Innenarchitekturstudium abgeschlossen. Doch das habe sie nicht erfüllt: Sie wollte Kunst machen, in einer Umgebung ohne Einschränkungen.

    ba

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    Tags:
    Aufenthaltsgenehmigung, München, Libanon