06:20 03 Dezember 2020
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    Auf TikTok sind viele Videos aufgetaucht, in denen sich Benutzer der Videoplattform – oft Jugendliche und zum Teil sogar Kinder – als Verstorbene oder Zeitreisende ausgeben, die von ihren Erlebnissen aus dem Holocaust berichten.

    Vor der Kamera posierende Mädchen und Jungen sind oft geschminkt, im Versuch, mager oder wie geschlagen auszusehen. Einige tragen ein gestreiftes Hemd oder einen Davidstern mit der Aufschrift „Jude“. TikTok-User erzählen aus der Ich-Perspektive über das Leben in einem Ghetto in der Zeit des Zweiten Weltkriegs oder über den Tod in einem KZ.

    Ersteller der unter Hashtags wie #heaven und #holocaust publizierten Videos behaupteten laut Medienberichten, ihr Ziel sei Ausbildung gewesen. Sie hätten Geschichten von Holocaust-Opfern teilen wollen. Die Aktion fand jedoch wenig Verständnis.

    Vorwürfe der Trivialisierung

    Der Trend wurde jedoch von vielen Kritikern als schockierend, ungebildet und rücksichtslos bezeichnet. Diane Saltzman, eine der Leiterinnen des US-amerikanischen Holocaust Museums, erklärte gegenüber dem Portal Insider, die TikTok-Aktion entehre die Erinnerung an die Holocaust-Opfer.

    „Das Nachstellen von Holocaust-Erfahrungen entehrt die Erinnerung an die Opfer, ist beleidigend für die Überlebenden und trivialisiert die Geschichte.“

    Viele Twitterer sprachen im Zusammenhang mit den Videos von „Trauma-Porno“. Es gehe um einen Versuch, die tragischen Ereignisse zu romantisieren und zu fetischisieren, schrieb etwa die Nutzerin unter dem Namen Patricia.

    „Das ist purer Antisemitismus“, kommentierte eine andere Userin, „Jane“, und forderte, mit dem „Erstellen von Holocaust-Trends auf TikTok aufzuhören“.

    Washingtons Druck auf TikTok

    Anfang August hatte der US-Präsident Donald Trump unter Verweis auf Datensicherheit ein Dekret gegen das Video-Netzwerk TikTok erlassen. Demgemäß wurden den US-Amerikanern alle Geschäfte mit TikTok verboten.

    Ferner unterzeichnete Trump ein Dekret gegen den chinesischen Mutterkonzern von TikTok, ByteDance, laut dem sich ByteDance binnen drei Monaten von allen Daten von Nutzern in den Vereinigten Staaten trennen müsse. Trump stützte sich dabei auf eine angebliche Bedrohung der nationalen Sicherheit vonseiten Chinas.

    Durch den Verkauf an ein US-Unternehmen könnten die juristischen Probleme vermieden werden. Microsoft verhandelt mit ByteDance über die Übernahme des TikTok-Geschäfts in den USA und weiteren Ländern.

    mo/mt

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