16:41 25 September 2020
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    Ein Jahr voller Herausforderungen für das Staatsballett Berlin – nicht nur wegen Corona: Die künstlerische Leitung ging, die Truppe muss sich gewissermaßen neu erfinden. Die Compagnie startet nun auf den Opernbühnen der Hauptstadt in ihre Saison 2020/21: Mit Ur- wie Erstaufführungen, internationalen Gästen und einem Abschied.

    Corona trifft die darstellenden Künste besonders hart: Viele Künstler, ob nun Sänger oder Tänzer, machten eine Achterbahn der Gefühle durch. Wann der nächste Auftritt möglich wird, war lange ungewiss, zudem musste in der Situation auch die von Kindesbeinen an geschliffene körperliche Form bewahrt werden. Ballettkarrieren auf dem Bühnenparkett sind ohnehin zeitlich begrenzt, eine pandemiebedingte Zwangspause mag da vielen wie das Ende erschienen sein. 

    Personalien und Pandemie-Probleme

    Bereits im Januar hatten die beiden Intendanten Sasha Waltz und Johannes Öhman die Truppe ad hoc verlassen. Das allein war schon eine besondere Herausforderung für die Compagnie, hinzu kam die Pandemie. Christiane Theobald, bis dato stellvertretende Intendantin, leitet das Staatsballett seitdem. In Zusammenarbeit mit der Direktion des Staatsballetts wurden Lösungen für die Arbeit unter den erschwerten Bedingungen gefunden: Das Health Department des Staatsballetts stand für alle Gesundheitsfragen – auch der psychischen – Gewehr bei Fuß, und um den Tänzern im Lockdown Trainings von daheim zu ermöglichen, wurde ihnen professioneller Tanzboden nach Hause geliefert, gemeinsam per Whatsapp unkonventionell an Choreographien gearbeitet. Das angestammte Repertoire aus der Feder von Peter Tschaikowski wie „Schwanensee”, „Nussknacker” oder „Onegin” kann unter Corona-Bedingungen nicht gezeigt werden. Doch Ausschnitte und kleinere Neuproduktionen, die etwa während des Tanzsaal-Exils entstanden, haben es in das neue, mit Spannung erwartete Programm geschafft:

    Kickstart mit Gala

    Als erste Vorstellung nach der Schließung der Opernbühnen aufgrund der Corona-Pandemie eröffnet das Staatsballett Berlin seine Saison 2020/21 mit der Gala „From Berlin with Love I“ in der Deutschen Oper Berlin.

    Alle Ersten Solotänzer der Tanz-Compagnie treten an diesem Abend in Soli, Pas de deux oder Pas de quatre auf. Die Herren – Daniil Simkin, Dinu Tamazlacaru, Alejandro Virelles und Marian Walter – zeigen ihr Können in „Variations for Four“ von Anton Dolin in einer deutschen Erstaufführung. Der Schweizer Choreograph Heinz Spoerli, der im Juli 2020 seinen 80. Geburtstag feierte und mittlerweile nur noch selten Einstudierungen durchführt, kommt eigens nach Berlin zur Inszenierung eines Auszugs aus „Ein Sommernachtstraum“ für drei Paare, teilt das Staatsballett mit. Als Uraufführung wird das Solo „Du bist die Ruh´“ von Andreas Heise inszeniert, der bei den diesjährigen Salzburger Festspielen als Choreograph für die Eröffnungsinszenierung des „Jedermann“ in Erscheinung trat, getanzt von Yolanda Correa. Erstmals in Deutschland präsentiert wird das Solo „M-Dao“ der chinesischen Choreographin Yabin Wang, interpretiert von Ksenia Ovsyanick, und Polina Semionova wird in dem Solo „Cinque“ von Mauro Bigonzetti zu sehen sein. 

    Zum dritten Gala-Termin dieser Serie verabschiedet das Staatsballett Berlin den Ersten Solotänzer Mikhail Kaniskin. Der Russe war 13 Jahre in der Compagnie. Und so werden Weggefährten seiner Karriere in Berlin erwartet, gab die Intendanz bekannt: Marcelo Gomes von der Semperoper Dresden bringt ein von ihm kreiertes Solo zur Musik von Nicolo Paganini zur Aufführung. Jason Reilly und Hyo-Jung Kang vom Stuttgarter Ballett, Nicoletta Manni und Timofej Adrijashenko von der Scala di Milano und Lucia Larra mit Matthew Golding tanzen Pas de deux aus den Balletten „Hommage à Bolshoi“ von John Cranko, „Excelsior“ von Ugo Dell’Era sowie „Finding Light“ von Edwaard Liang. Mikhail Kaniskin selbst tritt in dem Duett „Kazimir`s Colours“ von Mauro Bigonzetti sowie einem Pas de deux aus „Onegin“ von John Cranko mit seiner Ehefrau Elisa Carrillo Cabrera auf. Einige der Choreographien wurden an die aktuell erforderlichen Infektionsschutzmaßnahmen angepasst.

    Paartanz und Hygienepläne

    Paare sind derzeit ein Glücksfall für die Bühne, sind sie doch ob der Hygiene- und Abstandsregeln gewissermaßen die Idealbesetzung für Pas de deux & Co. Noch im Mai, nach zwei Monaten Heimtraining, durften die Tänzer erstmals wieder in die Ballettstudios und Probensäle in der Deutschen Oper Berlin zurückkehren. Alle 92 Mitglieder des Ensembles sollten in den Genuss eines täglichen Trainings kommen, und so wurde ein minutiös ausgefeilter Plan erstellt: Mit zeitversetzten Trainingsstunden und wegen der geltenden Abstandsregeln mit kleineren Klassen bis zu neun Tänzern samt Ballettmeistern und Pianisten. Das Resultat der harten Arbeit unter doppelt erschwerten Bedingungen – der Saisonstart in dieser Woche und im September dann „Lab_Works Covid_19“ an der Komischen Oper - mit Choreographien, die aus der Corona-Isolation stammen. Kunst am Puls der Zeit.


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    Kunst, Hygiene, Trainings, Polina Semionova, Pandemie, Berlin, Staatsballett Berlin, Staatsballett, Ballet