16:50 25 September 2020
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    Die Bayerische Staatsoper startet die neue Saison mit Livepublikum. Es gibt Corona-Restriktionen, doch das bislang erfolgreiche „Experiment“ Salzburger Festspiele im benachbarten Österreich gibt Grund zur Hoffnung. In München steht Performance-Kunst-Schwergewicht Marina Abramović in den Startlöchern. Die Zuschauerbegrenzungen schmecken ihr nicht.

    An die Schmerzgrenze gehen, körperliche Grenzen ausloten – Radikalität um der Kunst willen: Eine Parallele zwischen der zeitgenössischen Performance-Künstlerin Marina Abramović und der berühmtesten Opernsängerin des 20. Jahrhunderts, Maria Callas.

    Von Kindesbeinen an ist Abramović vom Leben der „Tigerin“, wie „La Divina“ Callas auch genannt wurde, fasziniert, erzählt sie bei einem Pressegespräch am Freitag. Nun hat die Künstlerin das Opernprojekt „7 Deaths of Maria Callas“ für die Bayerische Staatsoper konzipiert.

    „Ich hatte alle Biografien über sie gelesen, ihrer außergewöhnlichen Stimme zugehört und mir Filmaufnahmen von ihren Auftritten angesehen. Wie ich war sie Schütze, ich war immer von ihrer Persönlichkeit, ihrem Leben – und ihrem Tod – fasziniert. Wie so viele der Figuren, die sie auf der Bühne darstellte, starb sie aus Liebe. Sie starb an einem gebrochenen Herzen“, schrieb Abramović in ihrer 2016 erschienenen Autobiografie.

    Gefährte der Callas war der griechische Reeder Aristoteles Onassis. Bis er sie für US-Präsidentenwitwe Jaqueline Kennedy verlies. 

    Sieben Opernheldinnen, sieben Tode 

    Abramovic spielt berühmte Todesszenen der Heldinnen aus den sieben Opern „Carmen“, „Tosca“, „Otello“, „Lucia di Lammermoor“, „Norma“, „Madama Butterfly“ und „La Traviata“ selbst nach und beleuchtet die tragischen Schicksale von Callas’ Bühnenfiguren sowie die Lebensgeschichte der Sängerin auf der Bühne, im gesellschaftlichen Rampenlicht und als Privatperson. Die Callas ging in ihrer Bedingungslosigkeit für ihre Berufung auf.

    In sieben Filmen stirbt die Abramović an der Seite des US-Schauspielers Willem Dafoe sieben Mal, um am Ende des Abends, wenn es um den realen Tod von Maria Callas 1977 in Paris geht, selbst als Darstellerin auf der Bühne zu stehen. In eigener Regie, in ihrem Bühnenbild.

    Die Inszenierung sollte eigentlich schon im April uraufgeführt werden, doch dann kam Corona. Kurz vor der Premiere hat die 73-jährige Abramović die strenge Begrenzung der Zuschauerzahlen bei Kulturveranstaltungen kritisiert. Bei der Uraufführung ihres Werkes am kommenden Dienstag werden nur 200 Zuschauer zugelassen – bei mehr als 2000 verfügbaren Plätzen. Das sei so wenig, dass man die Zuschauer von der Bühne aus nicht sehe, so die Künstlerin. Es sei „schrecklich, vor einem leeren Theater zu performen“. Über Staatsoper.tv ist dann einige Tage später am 5. September im kostenlosen Livestream das Werk auch einem größeren Publikum zugänglich – kostenfrei.

    Marina Abramović, geboren in Belgrad, ist seit den 1970er-Jahren Pionierin auf dem Feld der Performance-Kunst. In ihren Werken ist ihr Körper sowohl Gegenstand als auch Medium – ob sie sich stundenlang anschweigen lässt oder exzessiv bis zur Erschöpfung tanzt. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, wie den „Goldenen Löwen“ als beste Künstlerin der 47. Kunstbiennale von Venedig.

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    Kunst, Premiere, München, Bayern, Oper