18:14 19 Oktober 2020
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    Die globale Pandemie wirkt sich negativ auf historische Denkmäler aus. Es wird immer schwieriger, das Welterbe zu bewahren. Zu diesem Schluss sind Experten aus Russland, Deutschland, Kanada, Iran, Großbritannien, Israel, Italien und anderen Ländern beim Internationalen Rat für kulturelles Erbe in Moskau gekommen.

    Die vom Moskauer Ministerium für Kulturerbe organisierte Konferenz fand im Hotel Metropol, einem historischen Gebäude im Zentrum der Hauptstadt, statt. Dessen Fassade wird jetzt gerade restauriert. Das Hauptthema des Treffens war denn auch die Erhaltung des kulturellen Erbes bei einer Pandemie.

    An dem Expertentreffen nahmen traditionell führende Architekten und Archäologen der Welt teil. „Zweifellos würden wir uns gerne alle live sehen, aber diesmal erlauben es die Umstände nicht. Wir können jedoch neue Technologien einsetzen und viel mehr Teilnehmer als üblich zusammenbringen“, wandte sich der Chefarchäologe von Moskau, Leonid Kondraschew, per Videoverbindung an seine ausländischen Kollegen.

    Jörg Haspel, Präsident des Deutschen Nationalkomitees von ICOMOS (Internationale nichtstaatliche Organisation für Schutz und Pflege von Denkmälern und Denkmalbereichen), stellte seinerseits fest, dass die Zusammenarbeit mit der Moskauer Regierung eine lange Tradition habe. Sie sei nach dem Fall der Berliner Mauer intensiviert worden.

    „Wir haben uns darauf konzentriert, das Erbe des 20. Jahrhunderts gemäß der 2006 verabschiedeten Erklärung zu bewahren, die den Schutz von Architekturdenkmälern der Neuzeit betrifft. Dazu gehören beispielsweise ein Denkmal für die sowjetische Avantgarde – das Haus des Architekten Melnikow in Moskau am Arbat –, der Radio- und Fernsehturm des Architekten Schuchow an der Schabolowskaja sowie ein Komplex historischer Gebäude auf der Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft (WDNCh).

    ICOMOS Deutschland und die Moskauer Regierung konnten 2018 auf der Leipziger Messe mehrere Projekte zur Erhaltung von Kulturgütern in Deutschland, Russland und anderen Ländern erfolgreich umsetzen. Die Pandemie hat die früheren Pläne unterbrochen, jedoch wird im November in Leipzig eine Ausstellung zum Schutz von Baudenkmälern stattfinden“, sagte Jörg Haspel.

    Echsan Mochammadhusseini, Archäologe und führender Experte der Stadtverwaltung Teherans, wies darauf hin, dass der Iran derzeit für die Erhaltung historischer Denkmäler kämpfen müsse. Neben der Tatsache, dass Museen Einnahmen aus der Tourismusbranche verloren haben, von denen ein erheblicher Teil für die Restaurierung von Denkmälern verwendet wurde, schafft die Kriminalitätssituation zusätzliche Schwierigkeiten.

    „Inmitten der Coronavirus-Pandemie stößt das Land auf harte Sanktionen, die es nahezu unmöglich machen, historische Gebäude und Denkmäler zu schützen. Im Iran werden antike Kunstwerke geschmuggelt. In der letzten Zeit wurden Studien über illegale Kunstverkäufe in Europa und Nordamerika durchgeführt. In Ländern, in denen Quarantäne besteht, ist eine illegale Umsatzsteigerung zu verzeichnen. Teheran, eine der größten Städte Asiens, hat ein einzigartiges kulturelles Erbe, das bis ins erste Jahrtausend vor Christus zurückreicht. Unsere Stadtverwaltung unternimmt große Anstrengungen, um das historische Erbe zu bewahren“, betonte der iranische Archäologe.

    Experten aus Russland sprachen darüber, wie ihre Arbeit während der Pandemie strukturiert war. Als die Einschränkungen wegen des Coronavirus eingeführt wurden, wurden die Wiederherstellungsarbeiten ausgesetzt. Sie wurden jedoch am 1. Juli wiederaufgenommen, da sie ‘dringende Arbeiten‘ sind und den Einschränkungen nicht unterliegen. Der renommierte Moskauer Restaurator Alexander Urbanski teilte mit, dass die Arbeiten zur Wiederherstellung des Glockenturms der Peter-und-Paul-Kirche in Moskau während der Quarantäne nicht unterbrochen werden mussten. Es wurden Bedingungen geschaffen, unter denen die Handwerker ohne externe Kontakte leben und arbeiten konnten.  

    In den letzten zehn Jahren wurden in Moskau 1500 historische Objekte restauriert. „Meiner Meinung nach ist die intensive Arbeit in Moskau zur Erhaltung des kulturellen Erbes beispiellos. Wenn ich die Straßen entlanggehe und wiederhergestellte Gebäude sehe, bin ich stolz darauf, was in Moskau passiert. Ich kenne keine andere Stadt, die ihr Erbe so schätzen würde“, sagte Urbanski. Der Restaurator beteiligte sich an der Rekonstruktion der berühmten Brunnen auf dem Gelände der WDNCh sowie zahlreicher Kirchen und Klöster.

    Der Internationale Rat für Kulturerbe findet seit 2015 jährlich statt. Experten der UNESCO und des ICOMOS beteiligen sich traditionell an seiner Arbeit.

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