18:22 19 Oktober 2020
SNA Radio
    Kultur
    Zum Kurzlink
    Von
    0 413
    Abonnieren

    Kurz nach der Eröffnung des Deutschlandjahres in Russland fand in Moskau die feierliche Verleihung des Merck-Übersetzerpreises 2020 und des Goethe-Förderpreises statt. Sie wurden an die Gewinner der Nominierungen „Belletristik“, „Populärwissenschaft“, „Literatur für Kinder und Jugendliche“ sowie für Übersetzung von deutscher Lyrik vergeben.

    Die Namen der Preisträger wurden in der Residenz des deutschen Botschafters in Moskau feierlich bekanntgegeben. „Das Leserpublikum in Deutschland und Russland hat großes Interesse aneinander, aber um die zusammenzubringen, braucht es gute, qualitative, starke Übersetzungen. Und deswegen ist die Arbeit der Übersetzer so wichtig“, sagte der deutsche Botschafter Andreas von Geyr.

    Der diesjährige Preisträger in der Kategorie „Belletristik“ ist Vitali Serow mit der Übersetzung von Florian Illies „1913 – Was ich unbedingt noch erzählen wollte“ (Fortsetzung des Bestsellers „1913“). „Der Autor verbindet die Schicksaale und Ereignisse des letzten Jahres vor Beginn des Ersten Weltkrieges zu einer grandiosen, aber auch dokumentarischen Erzählung. Und Vitali Serow versteht es mit seiner Übersetzung sehr gut, aus diesem bunten Puzzle, bei dem uns so viele bekannte Namen der Zeit wiederbegegnen – Kafka, Strawinsky, Kandinsky – ins Russische zu übertragen“, sagte Matthias Wernicke, Generaldirektor der deutschen Pharmafirma Merck in Russland.

    Er erläuterte, warum ein Unternehmen mit einem naturwissenschaftlichen Hintergrund den Übersetzerpreis sponsert: „Für ein Familienunternehmen ist das eine Herzenssache.“ Und fügte hinzu: „Es war ein langer Prozess für die Jury, zu entscheiden – die Jury bestand aus russischen Sprachwissenschaftlern, Germanisten, die sich sozusagen Tag ein, Tag aus mit diesem Thema beschäftigen und es auf eine sehr kompetente Art und Weise bewerten konnten.“

    In der Kategorie „populärwissenschaftliches Sachbuch“ ist der Preisträger dieses Jahres Dmitri Koltschigin, der die deutsche Mythologie von Jacob Grimm in drei Bänden übersetzt hat. „Die meisten kennen die Brüder Grimm aus der Märchenwelt, aber hier geht es um die wissenschaftliche Aufarbeitung der mythologischen Quellen in der germanischen Kultur und Literatur“, betonte Wernicke.

    Marina Korenewa gewann den Merk-Übersetzerpreis für ihre Arbeit an „Gretchen“ von Christine Nöstlinger. Sie war eine österreichische Schriftstellerin, die als eine der wichtigsten deutschsprachigen Kinder- und Jugendbuchautorinnen gilt. Ihre über 150 Erzählungen, Bilderbuchgeschichten und Romane wurden in 30 Sprachen übersetzt und international prämiert.

    Laut Heike Uhlig, der Leiterin des Goethe-Instituts in Moskau, stehen in Russland Übersetzungen aus Deutschland an dritter Stelle nach Englisch und Französisch und machen insgesamt sechs Prozent aller Übersetzungen auf dem riesigen Buchmarkt aus. „In Russland gibt es weltweit gesehen eine sehr hohe Zahl an Deutschsprechenden und Deutschlernenden. Aber die Lektüre eines Werkes in der Originalsprache ist noch immer die Königsdisziplin. Sehr oft braucht es Übersetzungen, und deshalb ist die Förderung von Übersetzungen auch eine unserer vornehmsten Aufgaben“, sagte Uhlig.

    Den Goethe-Förderpreis dieses Jahres verlieh das Goethe-Institut Moskau für eine hervorragende Übersetzung zeitgenössischer deutschsprachiger Lyrik an die Philologin Ella Wengerowa.

    „Ella Wengerowa hat die Gedichte von Peter Hacks übersetzt, sie hat es glänzend gemacht. Das finde ich wunderbar, denn Hacks kennt man in Russland eher als Dramatiker, und nun bekommt Hacks eine andere Facette. Ich glaube, es ist nützlich, um die Ereignisse in Ostdeutschland zu verstehen, um die ostdeutsche Literatur besser kennenzulernen, auch das geistige Leben in der DDR“, merkte der Sonderbeauftragte des russischen Präsidenten für die internationale kulturelle Zusammenarbeit, Michail Schwidkoi, an.

    Laut dem ehemaligen Kulturminister Russlands haben die deutsche Literatur und die deutsche Philosophie schon immer eine große Aufmerksamkeit genossen. „Die politische Kultur hat ihr eigenes Leben, aber die Kulturkontakte können uns einander näherbringen – und das ist sehr wichtig“, betonte er.

    Der deutsche Botschafter brachte abschließend seine Hoffnung zum Ausdruck, dass der Übersetzerpreis auch weiterhin existieren wird. „Wir von der Botschaft werden das unterstützen“, so Andreas von Geyr.
    Der Merck-Übersetzerpreis ist ein prestigeträchtiger allrussischer Wettbewerb, der alle zwei Jahre stattfindet und zur Entwicklung der kulturellen Interaktion zwischen Russland und Deutschland beiträgt. Der Preisfonds der Auszeichnung betrug 2020 rund eine Million Rubel.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Reisen nur noch mit Anmeldung? – Spahn-Ministerium plant strengere Auflagen
    „Direkt über uns!“: Dieses Flugzeug möchten Nato-U-Boote lieber meiden
    Nawalny von Kolonne deutscher Polizisten beim Spaziergang begleitet – US-Sender zeigt Video
    „So sinkt auch die Bereitschaft, den Regeln zu folgen“: Deutschland vor Corona-Chaos?
    Tags:
    Merck-Übersetzerpreis, Literatur, Kultur, Deutschland, Russland