08:12 27 Oktober 2020
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    Seit 50 Jahren erscheint der „Kunstkompass“. Bei der Erstausgabe 1970 führten Künstler das Ranking an, deren Werke jetzt im Museum hängen. Die heutige Nummer 1 war aber schon damals mit dabei.

    Gerhard Richter steht schon länger an der Spitze des „Kunstkompasses“ als Angela Merkel Bundeskanzlerin ist. Seit nunmehr 17 Jahren behauptet sich der Maler in dem Ranking als weltweit einflussreichster Künstler. Dieses Jahr hat er bekanntgegeben, mit dem Malen aufgehört zu haben. Das dürfte die Preise noch einmal steigen lassen, weil man weiß, dass jetzt nichts mehr nachkommt.

    Bongards Ruhmesbarometer

    In diesem Jahr wird der „Kunstkompass“ 50 Jahre alt. Er erscheint seit 1970, mittlerweile umfasst er 30.000 Künstler. Erfunden hat das Ranking der deutsche Wirtschafts- und Kunstjournalist Willi Bongard, nach seinem Tod 1985 führt seine Frau Linde dessen Werk fort. 

    Das „Ruhmesbarometer“ geht von der Annahme aus, dass die Qualität von Kunst nicht messbar ist, wohl aber die Resonanz in der Kunstwelt. Bewertet und mit Punkten gewichtet werden von der Kölner Kunstjournalistin Rohr-Bongard unter anderem Ausstellungen der Künstler in einem der über 300 renommierten internationalen Museen, wie dem MoMa in New York, und wenn sie auch von namhaften Kunstinstutitionen angekauft werden. Von Gewicht sind zudem die Teilnahme an einer der jährlich 100 Gruppenausstellungen wie der Documenta in Kassel, Rezensionen in Fachmagazinen, Auszeichnungen wie der Turner-Preis in London und bei Skulpturen außerdem Aufstellungen im Außenraum.

    Preise und Auktionserlöse werden dagegen für den Barometer nicht berücksichtigt. Dabei fällt ausgerechnet dann, wenn einmal mehr ein Vielfaches aufgerufener fantastischer Versteigerungspreise erzielt wird, das Gros an Öffentlichkeitswirkung ab.

    Anziehungskraft großer Namen

    Wenn man sich ansieht, welche Künstler den ersten „Kunstkompass“ seinerzeit dominierten, dann spricht das aus Sicht von Rohr-Bongard schon für die Verlässlichkeit des Rankings. Der Erstplatzierte war damals der US-amerikanische Pop Art-Maler Robert Rauschenberg, gefolgt von dem französischen Maler Victor Vasarely.

    Weiter hinten folgten etwa Claes Oldenburg, Roy Lichtenstein und Andy Warhol. Deren Werke hängen heute in den bedeutendsten Museen der Welt.

    Übrigens war Gerhard Richter schon 1970 unter den Top 100 – nämlich auf Rang 57. Joseph Beuys belegte Platz 32 - hinter den deutschen Zero-Künstlern Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker. Mack und Uecker weilen noch unter den Lebenden.

    „Führende Kunstnation“

    Im ersten „Kunstkompass“ dominierten noch US-Amerikaner, es war die große Zeit der Pop Art. Heute sind Deutsche auffallend gut vertreten: Unter den Top Ten befinden sich allein vier Deutsche, neben Gerhard Richter noch Georg Baselitz, Rosemarie Trockel und Anselm Kiefer. Aufsteigerin im diesjährigen Kunstkompass ist Katharina Grosse. Eine riesige Installation der Künstlerin im Museum für Gegenwart Hamburger Bahnhof in Berlin ist derzeit Publikumsmagnet und sorgt für rege Diskussionen.

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    „Führende Nation der Gegenwartskunst des Jahres 2020 ist Deutschland mit 29 Künstlern unter den Top 100, dicht gefolgt von den USA mit 27 Künstlern“, schreibt das Magazin „Capital“, das den „Kompass“ veröffentlicht.

    Diese deutsche Dominanz mag allerdings auch ein wenig damit zu tun haben, dass der „Kompass“ eben von einer Deutschen zusammengestellt wird. Wäre es eine US-Amerikanerin, würde Jeff Koons sicher nicht erst auf Platz 11 kommen.

    Die Kunstszene Berlins und Leipzigs gilt als interessant, Deutschland bringt viele Künstler von Weltruf hervor. Ob das allerdings von Dauer sein wird, ist die Frage: In der Liste „Die Stars von morgen“ sind nicht mehr so viele Deutsche zu finden. Dieses Ranking wird 2020 angeführt von der in Antwerpen lebenden Nigerianerin Otobong Nkanga, dahinter folgen der Performance- und Installationskünstler Tomas Saraceno aus Argentinien und der in London lebende kolumbianische Maler Oscar Murillo.

    „Generell erobern immer mehr Künstler aus den sogenannten Schwellenländern wie Nigeria, Ghana, Brasilien, Kolumbien, Indien und dem Libanon die westlichen Kunstbühnen“, so Rohr-Bongard. „Und dabei geben die Frauen mächtig Gas. Immer mehr - was ich persönlich fantastisch finde.“

    ba/dpa

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    Tags:
    Deutschland, Kunst