Ukrainische Fußball-Fans während Europa-Meisterschaft 2016 (Archivbild)

Ukraine macht sich Fußball-Diplomatie zunutze

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Kommersant
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Der ukrainische Außenminister Pawlo Klimkin hat angekündigt, dass die Behörden in Kiew auf Fußball-Diplomatie zurückgreifen werden, schreibt die Zeitung „Kommersant“ am Donnerstag.

Klimkin zufolge verhandelt das ukrainische Außenministerium mit Vertretern ausländischer Fußballverbände und Fan-Gruppen. Ziel sei, Aktionen zur Unterstützung der Ukraine bei der Fußball-WM 2018 in Russland durchzuführen.

„Wir sprechen mit verschiedenen Verbänden. Ich kann das offen sagen. Wir sprechen auch mit verschiedenen Fan-Organisationen darüber, wie sie verschiedene politische Fragen stellen können – zum Beispiel durch den Boykott der Weltmeisterschaft bzw. die eindeutige Äußerung der Position während des Aufenthalts in Russland. Die Verhandlungen erfolgen einzeln mit Verbänden und Fan-Gruppen“, sagte Klimkin.

Laut einem Abgeordneten der Werchowna Rada (Parlament) liegen die Chancen, einen Boykott der Fußball-WM zu erreichen, beinahe bei null. „Die Fans der Nationalmannschaften, die bei der WM dabei sind, werden trotz der Aufrufe Kiews nach Russland fahren“, sagte der Abgeordnete. Realer sei die Idee, ausländische Partner Kiews dazu zu bewegen, ihre Position während des Aufenthalts in Russland zu artikulieren, indem sie auf den Tribünen ukrainische Flaggen zeigen bzw. Banner mit der Aufschrift „Die Krim gehört der Ukraine“.

„Natürlich können wir nicht garantieren, dass alle Tribünen bei der WM mit ukrainischen Flaggen gefüllt werden, doch ich bin mir sicher, dass unser Land von Fanklubs aus benachbarten Staaten und wahrscheinlich den Fans der Nationalmannschaft Englands unterstützt wird“, sagte der Anführer der Fan-Bewegung des FC Dinamo Kiew, Alexander Popow.

Die ukrainische Nationalmannschaft hat es nicht geschafft, sich für die Weltmeisterschaft 2018 zu qualifizieren; sie landete bei den Qualifikationsspielen auf Platz drei in ihrer Gruppe. Deswegen bekamen die ukrainischen  Fans keine nationale Quote für Tickets, allerdings können sie diese auf allgemeiner Grundlage wie die Staatsbürger jedes anderen Landes kaufen.

Laut einer Quelle in der Werchowna Rada hat Kiew unter den 14 europäischen Ländern, die an der WM teilnehmen, die größten Chancen, mit der Unterstützung von Vertretern Englands und der slawischen postkommunistischen Staaten außer Serbien zu rechnen, das mit Russland sympathisiert. Doch von Letztgenannten qualifizierten sich nur Polen und Kroatien für die WM. Laut Popow ist mit Polen nicht alles so eindeutig. In der letzten Zeit sei es zu Problemen auf zwischenstaatlicher Ebene gekommen, weshalb schwer zu prognostizieren sei, womit die Verhandlungen mit polnischen Fans enden. Ein weiterer Vertreter des Fan-Klubs von Dinamo Kiew äußerte sich weniger diplomatisch: „Polnische Fans stehen uns jetzt viel schlechter gegenüber als den Russen.“

„Die Ukrainer werden wohl mit Leitern von Fan-Gruppen der jeweiligen Länder und nicht mit Beamten verhandeln. Falls uns die Aufgabe gestellt würde, Russland bei einer Sportveranstaltung zu unterstützen, würden wir es genauso machen“, sagte ein Vertreter der Fan-Bewegung eines russischen Fußballklubs. Ihm zufolge sind auf den Tribünen oft nicht nur Flaggen der teilnehmenden Mannschaften, sondern auch von Drittländern zu sehen. Das sei kein Verstoß. Viel schwieriger würden es die Ukrainer haben, Banner zur Krim und dem Donbass zu initiieren. „Das ist schon Politik, solche Aktionen sind von FIFA und UEFA verboten. Falls ein Fan solche Banner zeigt, wird der entsprechende Nationalverband bestraft.“

Der Ehrenpräsident des Russischen Fußballverbandes, Wjatscheslaw Koloskow, bezeichnete die Klimkins Ankündigung als Provokation. „Die FIFA muss diesem Politiker zu verstehen geben, dass Menschen solches Ranges nicht zur Sabotage bzw. anderen unwürdigen Dingen aufrufen sollten“, sagte Koloskow.

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Außenminister, Fans, Boykott, Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland, Fußballweltmeisterschaft 2018, Fußball-WM 2018, Werchowna Rada, Pawel Klimkin, Russland, Ukraine