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    Russisches Identifikationsprogramm für amerikanische Personalausweise

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    MOSKAU, 24. Mai (Alexander Jurow, politischer RIA-Nowosti-Kommentator). In der kommenden Tagung des ISO-Komitees (International Standard Organization), die voraussichtlich im Juni in den USA stattfindet, werden Änderungen der internationalen Standards zur Identifizierung von Personen angenommen. Der neue Standard soll eine wesentlich genauere automatisierte Überprüfung von Fotos ermöglichen und somit Bildfälschungen auf Ausweisen bzw. deren gesetzwidrige Verwendung verhindern.

    Anfang Frühling wurde der neue Standard bereits im amerikanischen Komitee für Biometrik M1 gebilligt. Das bedeutet, dass alle neuen amerikanischen Ausweise dreidimensionale Fotos der Inhaber haben werden. Am Anfang der neuen Identifizierungsmethode stehen zwei gewöhnliche Absolventen einer Moskauer Hochschule.

    In der gegenwärtigen Welt der Hochtechnologie hat Russland recht bescheidene Positionen. Nach Angaben des Ministeriums für Informationstechnologien und Fernmeldewesen Russlands beläuft sich der globale Innovationsmarkt auf eine Billion US-Dollar. Dabei verdient Russland ein 200stel von den Einkommen der USA oder Japans und ein 40stel vom Einkommen Chinas an Software. Diese bescheidenen Resultate Russlands sind durchaus erklärbar. 2004 wurden in die russische IT-Branche höchstens eine Milliarde US-Dollar investiert, während allein die Inlandsinvestitionen Chinas in diese Sphäre 20 Milliarden US-Dollar betragen.

    Deshalb wirkt die Geschichte darüber, wie zwei Abgänger einer Moskauer Hochschule mit ihrer einmaligen Computertechnologie für die Identifizierung von Personen Amerika besiegt haben, wie eine Illustration zum berühmten amerikanischen Traum. Diese Glücksgeschichte hat allerdings eine nichtamerikanische Nuance. Artjom Juchin und Andrej Klimow sind zugleich auch eine Verkörperung des heutigen russischen Traums, weil sie eine gedeihende internationale Gesellschaft praktisch aus dem Nichts heraus aufgebaut haben. Nicht zuletzt auch dank ihnen erwartet nun das ganze Land einen Zustrom ausländischer Investitionen in die IT-Branche.

    Das junge Unternehmen A4Vision, zu deren Gründern die beiden russischen Programmierer gehörten, hat den Software-Weltmarkt erst vor fünf Jahren spektakulär erstürmt. Die Firma, die beim Nullpunkt anfing, erhielt bis heute Investitionen in Höhe von rund 30 Millionen US-Dollar und wurde so zu einer Spitzenreiterin in ihrem Bereich. Genauso stürmisch hatte sich seinerzeit auch der Start der Firmen wie Apple, Microsoft, Oracle, Google, Ebay und anderen heute angesehenen Unternehmen gestaltet. Wohl aus diesem Grund sind die Mitarbeiter des russischen A4Version-Büros auch so zuversichtlich, dass auf ihr Produkt ein Erfolg wartet, der nur mit der stürmischen Entwicklung der heutigen Weltgrößen des Programmierens vergleichbar ist.

    In Wirklichkeit gibt es am Erfolg von A4Version nichts Zauberhaftes, nur ein sorgfältig kalkuliertes Herangehen an die Wahl des Ziels.

    Nach der amerikanischen Tragödie am 11. September 2001 kamen die A4Version-Gründer auf den Gedanken, dass die Gewährleistung der Sicherheit nun der aussichtsreichste Bereich sein wird. Ein Jahr lang finanzierten sie selbständig ihr Identifizierungsprojekt. Erst nach der Entstehung eines Arbeitsprototyps der Technologie fingen sie an, nach Investoren zu suchen. Als 188 Länder im März 2003 unter UNO-Ägide das Abkommen von New Orleans unterzeichneten, dem zufolge die Neuentwicklung einer bisher unbekannten Firma zur Hauptmethode der Identifizierung in den Reisepässen und Visas wurde, war klar, dass für die beiden Talente die Sternstunde geschlagen hatte. Jetzt ist um ihr Projekt ein Konsortium entstanden, zu dem namhafte Unternehmen wie IWD Technology Partners, Logitech, Motorola, Oracle und Unisys Corporation gehören.

    Die Gründer des Unternehmens haben nicht versucht, das gesamte verdiente Geld "cool" zu verprassen, wie das in den letzten Jahren in Russland üblich war. Sie investierten beharrlich in die Entwicklung, teilte Aljona Los, PR-Managerin der Firma A4Vision, mit. Juchin hat seinen Aktienanteil behalten. Mehr noch: Niemand von den russischen Gründern wurde aus dem neuen Konsortium entlassen. Sie kooperieren weiterhin erfolgreich mit ihren ausländischen Partnern. Ein Happyend ist zwar noch in weiter Ferne, und im Geschäft ist es ohnehin kein Ziel. Soviel ist allerdings schon heute klar - das A4Version-Projekt wurde ein musterhaftes HiTech-Projekt made in Russland.

    Ausländische Investoren, die diesen Überraschungserfolg der beiden Russen beobachten, müssten sich bewusst werden, dass rund eine Million wissenschaftliche Mitarbeiter in Russland, die sich heute mit Problemen von Branchen befassen müssen, welche von den HiTech-Branchen weit entfernt sind, ein immenses Potential akkumuliert haben. Russische Programmierer stehen schon startbereit in Erwartung ausländischer Investitionen.

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