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    Russische Autohersteller werden auf ausländische Modelle umgestellt

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    MOSKAU, 25. Mai (Alexander Jurow, politischen RIA-Nowosti-Kommentator). Auf dem Territorium Russlands gibt es praktisch kein Autowerk mehr, das keine Verhandlungen über eine Aufnahme der Produktion ausländischer Pkw-Modelle in seinen Werkhallen geführt hätte. Russlands Autohersteller begriffen endlich eindeutige Winke und klare Signale der Regierung und begannen, den Markt nach neuen Prinzipien zu erschließen.

    Seit einigen Jahren entwickelt sich das gemeinsame Projekt von GM und AvtoVAZ, bei dem es um die Produktion des Geländewagens vom Typ Chevy-Niva geht. Vorbereitet wird ein Projekt über die Produktion eines indischen Offroads im Kfz-Werk GAZ. Ende Sommer soll die Produktion der neuen koreanischen Limousine Spectra im Autowerk Ischewsk beginnen. Dieser Tage wurde bekannt gegeben, dass das Unternehmen Sewerstal-Avto die Produktion des koreanischen Geländewagens SsangYong Rexton aufnehmen wird. Hergestellt werden diese in einem Betrieb, der in den letzten Jahren den preiswerten russischen Kleinstwagen vom Typ Oka gebaut hat. Bei der Präsentation des neuen Projekts kündigte Sewerstal-Avto wohl die weitestreichenden Pläne der Kooperation mit ausländischen Autoherstellern in Russland an.

    In den Betrieben des Unternehmens soll die Modellreihe schrittweise diversifiziert werden, um bis 2007 drei ausländische Varianten von Geländewagen in verschiedenen Preiskategorien herstellen zu können. Insgesamt sollen bis zu 40 000 Autos im Jahr gebaut werden. Mehr noch: Sewerstal-Avto will sein traditionelles Produkt, den geländegängigen Wagen UAZ, auf die Rexton-Plattform umstellen.

    Damit ist wohl das Autowerk Serpuchow bei Moskau das einzige, das in seinem Produktionsplan immer noch die weitere Herstellung der Oka-Autos (Motorvolumen weniger als 800 Kubikzentimeter) führt. Allerdings sieht man auch dort ein, dass die Rentabilität der Oka-Produktion viel zu wünschen übrig lässt. Eine Alternative wäre die Herstellung des Nachfolgers Oka-2. Für die Erneuerung der Modellreihe sind allerdings Investitionen von etwa 70 Millionen Dollar erforderlich. Deshalb werden auch andere Varianten erwogen.

    Gennadi Bykow, Assistent des Betriebsdirektors, meint: Für das Autowerk Serpuchow gibt es keine unüberwindbaren Hindernisse, die der Aufnahme der Produktion eines ausländischen Modells im Weg stehen würden. Derzeit werden Perspektiven einer Produktion von Jeeps im Betrieb geprüft. Verhandelt wurde bereits mit nicht genannten chinesischen und deutschen Autoherstellern. Es ist nicht auszuschließen, dass der Betrieb im Endeffekt auf die Produktion des einheimischen Kleinstwagens zugunsten eines preiswerten chinesischen Offroad-Autos oder einer deutschen Luxus-Limousine verzichten würde.

    Die Aktivität der russischen Autohersteller ist erklärbar. Bereits jetzt ist klar, dass die russischen Behörden ihre Pläne nicht zu ändern beabsichtigen. Die Einfuhrzölle für die Auto-Zulieferteile sind praktisch auf den Nullpunkt herabgesetzt worden. Außerdem hat die Regierung vor, noch in diesem Jahr die Einfuhrzölle für Gebrauchtwagen in eine unüberwindbare Höhe zu heben.

    Nach Angaben der Autoholding Sewerstal-Avto, einer der größten Autohersteller Russlands, machen die ausländischen Gebrauchtautos elf Prozent des gesamten Pkw-Marktes aus. Gemäß dem Regierungsplan soll aber das „akzeptable" Alter eines ausländischen Gebrauchtwagens von sieben auf fünf Jahre reduziert werden. Ältere Autos werden mittels hoher Einfuhrzölle diskriminiert, es wird sich also nicht mehr lohnen, diese aus dem Ausland nach Russland zu bringen.

    Das bedeutet wiederum, dass auf dem Pkw-Markt in Russland gegen Ende dieses Jahres eine Nische entstehen wird. Elf Prozent des Marktes bedeuten, dass in Russland allein im 1. Vierteljahr 2005 mehr als 90 000 ausländische Gebrauchtwagen verkauft wurden.

    Die russischen Autohersteller haben keine eigenen Modelle, um diese Marktnische aufzufüllen. Deshalb intensivierten sie ihre Suche nach ausländischen Geschäftspartnern. Aber auch ausländische Unternehmen sehen darin beträchtliche Vorteile für sich. Denn die russische Kfz-Industrie bietet Wettbewerbsvorteile. So ist die Aufnahme der Produktion ausländischer Modelle in russischen Betrieben wesentlich billiger als der Bau eines Autowerks vom Nullpunkt an. Die Umstellung der technologischen Linien der Sewerstal-Avto-Betriebe auf die Herstellung von SsangYong Rexton wird von Experten des Unternehmens auf 56 Millionen Dollar geschätzt. Die Aufnahme der Produktion von Ford Focus in Russland hatte seinerzeit mindestens doppelt soviel gekostet.

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