08:54 20 Januar 2017
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    Aserbaidschan: Erdölleitung, Amerikaner und Wahhabiten

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    MOSKAU, 25. Mai (Alexej Makarkin, stellvertretender Generaldirektor des Zentrums für politische Technologien - RIA Nowosti). In letzter Zeit ist die gegenseitige Annäherung von Washington und Baku offensichtlich geworden, die sich in der Einweihung der in Umgehung Russlands gebauten Erdölleitung Baku-Tiflis-Ceyhan am 25. Mai anschaulich manifestiert. Nach Meinung vieler Experten hat dieses Projekt nicht so sehr einen wirtschaftlichen, sondern vielmehr einen geopolitischen Charakter. Mit seiner Verwirklichung lassen sich Projekte organisch verbinden, die mit der amerikanischen Militärpräsenz in dieser strategisch wichtigen Region verbunden sind.

    In Massenmedien sickern ab und zu Informationen über die Pläne der USA durch, auf aserbaidschanischem Territorium Militärobjekte unterzubringen. Es geht angeblich darum, "zeitweilig dislozierte mobile Kräfte" im Lande zu stationieren, die jedoch für längere Zeit in die Region kommen sollen. Die Aufgaben dieser Kräfte sind der Schutz der in Betrieb genommenen Erdölleitung und die Druckausübung gegen Iran und Russland.

    Offizielle Personen in Baku haben diese Informationen zurückgewiesen, was keineswegs bedeutet, dass es dazu keine Verhandlungen gebe. Aber das Verteidigungsministerium hat eine etwas andere Position bezogen, nämlich die Informationen zu einem anderen Anlass - der bevorstehenden Bildung eines Militärblocks unter Beteiligung von Aserbaidschan, Georgien und der Türkei, einer Art NATO-"Tochterstruktur", - weder bestätigt noch dementiert. Es wird behauptet, dass die Ukraine mit der Zeit der neuen Allianz beitreten könne.

    Für die NATO sieht dieses Projekt ziemlich attraktiv aus. Die Sache ist die, dass die drei postsowjetischen Staaten den Kriterien des Beitritts zur Allianz nicht gerecht werden: weder nach dem Grad der Nähe zur Demokratie noch hinsichtlich der Lösung der Territorialprobleme (mit solchen sind Baku und Tiflis konfrontiert) noch in Bezug auf die Militärobjekte von NATO-Nichtmitgliedern auf ihrem Territorium (die russischen Stützpunkte in Georgien, die Schwarzmeerflotte Russlands in Sewastopol). Dafür aber könnten die Anforderungen in der "Mini-Allianz" viel geringer sein, und ihren Mitgliedern könnte der NATO-Beitritt in mittel- oder langfristiger Perspektive in Aussicht gestellt werden. Gleichzeitig wird die Rolle der Türkei in der NATO - als Ausgleich für die verzögerte Entscheidung über ihre Integration in die Europäische Union - angehoben. Zu einem späteren Zeitpunkt könnten amerikanische Objekte auch in Georgien stationiert werden. Es sei bemerkt, dass die obenerwähnte Erdölleitung, die über die Territorien der drei Staaten verläuft, zur "festigenden" Grundlage für den künftigen Block werden könnte.

    Diese Perspektive ist Russland verständlicherweise nicht genehm, das in diesem Zusammenhang bemüht ist, beim Abzug seiner Stützpunkte aus Georgien nach Möglichkeit Zeit zu gewinnen und die Lösung dieser Frage mit der Garantie dafür zu verknüpfen, dass an seine Stelle nicht die Amerikaner kommen. Genauso erhöhen sich die politischen Risiken für Armenien, das den Völkermord seitens der Türkei im Ersten Weltkrieg in seinem Gedächtnis bewahrt, und für Iran, das ein potentielles Objekt einer bewaffneten Invasion der USA ist.

    Doch auf dem Weg der amerikanischen Expansion in der Region könnte unerwartet ein Problem entstehen. Es ist wohl bekannt, dass es in Aserbaidschan eine harte Konfrontation zwischen dem regierenden Regime und der weltlichen Opposition gibt, die die demokratischen Freiheiten schützt. Erst vor kurzem hat die Polizei eine Kundgebung der Opposition in Baku auseinandergejagt, Dutzende von Menschen wurden verprügelt.

    Die Amerikaner arbeiten im Prinzip sowohl mit dem offiziellen Baku als auch mit der Opposition zusammen - in dem Bemühen, nicht alle Eier in einen Korb zu legen. Aber im Lande besteht auch eine "dritte Kraft", die immer mehr an Popularität gewinnt - das sind Vertreter des radikalen Islam, die im postsowjetischen Raum üblicherweise Wahhabiten genannt werden.

    Der Chef der aserbaidschanischen Kommunisten, Ramis Achmedow, hat den traditionellen Islamführern des Landes, die ihr Ansehen bei den Gläubigen einbüßen, die zunehmende Popularität der Wahhabiten zur Last gelegt. Ihr Verhalten führt - vom Standpunkt des Kommunisten - dazu, dass "Menschen nach dem ‚reinen Islam' zu suchen anfangen" und letzten Endes zu den Radikalen finden.

    Für die radikalen Islamisten sind die USA und der Westen insgesamt bekanntlich nicht geringere Feinde als die autoritären Regimes der moslemischen Staaten. Die wachsende Popularität der Wahhabiten in Aserbaidschan könnte ernste Probleme sowohl für die Erdölleitung Baku-Tiflis-Ceyhan als auch für die Pläne der militärischen Zusammenarbeit von Baku mit dem Westen schaffen.

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