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    Außenministertreffen Moskau-Peking-Delhi - Bescheidene Erwartungen

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    MOSKAU, 26. Mai (Dmitri Kossyrew, politischer RIA-Nowosti-Kommentator) Solche Ereignisse wie das für den 2. Juni geplante Treffen der Außenminister Russlands, Chinas und Indiens wecken kühne geopolitische Phantasien. Umso mehr als dies das erste Treffen ist, das nicht am Rande einer internationalen Konferenz stattfindet. Diesmal kommen die Minister der drei asiatischen Giganten speziell aus diesem Anlass. Die beiden vorangegangenen Begegnungen fanden nämlich im September parallel zur Eröffnung der UNO-Vollversammlung in New York statt.

    „China, Russland und Indien bilden in Asien eine antiamerikanische Allianz, die Programme vorschlägt als eine Alternative zu den Programmen Washingtons" - diese Einschätzung des Sinns und der Perspektiven der Kontakte zwischen Moskau, Peking und Delhi ist nahezu klassisch für die russischen Medien. Zugleich wird sie in keiner Weise von der Realität bestätigt. Es sei denn, man legt alle internationalen Organisationen bzw. Begegnungen, die nicht von Washington gegründet bzw. veranstaltet werden, als antiamerikanisch aus.

    Die Aufgabe Russlands als des Gastgebers des Treffens erscheint nicht gerade ambitioniert: Die chinesisch-indische Annäherung ist ohnehin im Gange. Und vor diesem Hintergrund soll Russland nur helfen, ein Programm regelmäßiger dreiseitiger Kontakte zu entwerfen, also Themen zu konzipieren, bei denen die Diplomaten und später vielleicht die Geschäftsleute der drei Länder schon bereit und manchmal sogar gezwungen sind, gerade im dreiseitigen Format zu sprechen. Es geht, wie gesagt, nur um die Konzipierung einer Liste von Themen und nicht darum, dass am 2. Juni bereits fertige Beschlüsse zu diesen Themen vorgelegt werden. So bescheiden sind die Erwartungen derjenigen, die dieses Treffen vorbereiten.

    Der Vorbereitung von Dokumenten zur Konferenz in Wladiwostok nach zu urteilen, erscheint selbst diese Aufgabe nicht einfach. Allein die Abstimmung der Dokumente zwischen den russischen Beamten verschiedener Ressorts, die für die Beziehungen mit Indien und China zuständig sind, erwies sich als eine langwierige Sache. Denn diese zwei Richtungen der Außenpolitik Russlands hatten sich jahrzehntelang separat voneinander entwickelt. Und außerdem werden gerade in den letzten Monaten in allen drei Metropolen immer mehr Ideen zur Tagesordnung des trilateralen Treffens geäußert, so dass manche Ämter diese nicht mehr verkraften können.

    Dabei ist Russland zwar der Gastgeber, keinesfalls aber der Initiator dieses Treffens, erklärte ein Sprecher, der der Kanzlei des indischen Präsidenten Abdul Kalam nahe steht. In Delhi wurde nicht weniger Interesse daran bekundet als in Moskau, betonte er.

    Die offiziellen Kreise Chinas verraten zugleich äußerst wenig Information über ihre Erwartungen an das Treffen in Wladiwostok, zugleich signalisieren sie eindeutig, dass die Notwendigkeit an einer Koordinierung der politischen und der wirtschaftlichen Pläne der drei Länder in letzter Zeit gewachsen sei.

    China koordiniert übrigens derzeit seine Politik mit Indien so wenig, dass die Rolle Moskaus schon allein deshalb wichtig erscheint.

    Im jetzigen Stadium der Vorbereitung der Dokumente lassen sich einige Themen für das Treffen in Wladiwostok formulieren, die in jedem Fall bei beliebigen Tagesordnungen ganz oben stehen werden. Sie alle wirken wesentlich bescheidener als die „geopolitischen" Spekulationen über ein vermeintliches dreiseitiges Bündnis von drei künftigen Spitzenreitern der Weltpolitik und -wirtschaft.

    Sowohl in Peking als auch in Delhi hat die Frage der russischen und der mittelasiatischen Energieressourcen Vorrang, die für die Entwicklung sowohl Chinas als auch Indiens notwendig sind. Schon allein ein Vergleich zwischen allen bereits existierenden Projekten von Ölpipelines aus dieser Region in Richtung Süden bzw. Südosten könnte sich als eine interessante Beschäftigung erweisen. Die Chinesen wissen das sehr gut, weil sie die Abstimmung der Route der „Ost"-Ölpipeline in den russischen Behörden, darunter auch in den örtlichen, verfolgt haben.

    Wie der jüngste Moskau-Besuch von Indiens Präsident Abdul Kalam gezeigt hat, könnte der Warenumsatz zwischen beiden Staaten im Rahmen des Kooperationsschemas „russische Energieträger und Waffen im Austausch gegen indische Investitionen und Technologien" innerhalb von zehn Jahren von den jetzigen drei auf 28 Milliarden Dollar wachsen. Der russische Handel mit China, der sich wertmäßig bereits auf mehr als 20 Milliarden Dollar beläuft, entwickelt sich in vieler Hinsicht nach dem gleichen Schema. Alle drei Seiten sind von der offensichtlichen Idee vereint, dass eine Rivalität im Kampf um Öl und Gas aus Russland (bzw. Kasachstan) vermieden werden muss. Nach Möglichkeit sollten auch Wege zu gemeinsamen Projekten gefunden werden.

    Laut Informationen aus Delhi stehen Treffen von Delegationen der Handelskammern der drei Länder auf der Tagesordnung der bevorstehenden Gespräche. Es wird um die Energiewirtschaft sowie um Zoll- und sonstige Tarife gehen.

    Ein weiteres offensichtliches Gesprächsthema liefert die Region, die gerade im Dreieck zwischen Russland, Indien und China liegt - Mittelasien. Für alle drei Länder könnte dies sowohl ein Ort wirtschaftlicher Möglichkeiten als auch eine Quelle von Bedrohungen sein.

    Indien zählt auch den Norden Pakistans und Afghanistan dazu. Das ist ein richtiges Herangehen, weil die jüngsten Ereignisse in Kirgisien und Usbekistan zweifellos an afghanische und pakistanische Realitäten erinnern.

    Die Mittelasien-Politik Russlands und Chinas wird im Rahmen der Schanghaier Kooperationsorganisation gestaltet. Indien gehört nicht zu den Teilnehmern dieser Organisation. Ein dreiseitiger Dialog wie der bevorstehende in Wladiwostok könnte aber helfen, auch diese Frage zu klären und allen drei Teilnehmern zu zeigen, welche Rolle Indien in den Angelegenheiten Zentralasiens spielen könnte.

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