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    Tschetscheniens Präsident: Die Moslems müssen selbst den Terror bekämpfen

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    MOSKAU, 27. Mai (Marianna Belenkaja, politische Kommentatorin der RIA Nowosti). Ein internationales islamisches Forschungszentrum zu schaffen, das die in der Welt verübten Terrorakte bewertet und die Postulate des Islam richtig deutet, hat der Präsident Tschetscheniens, Alu Alchanow, vorgeschlagen. Ohne dies würden die Jugendlichen, die für die Teilnahme an Terrorakten geworben werden konnten, weiterhin glauben, dass ein Selbstmordterrorist sofort ins Paradies gelangt.

    "Heute ist die Rolle unserer Geistlichen, unserer Wissenschaftler beim Widerstand gegen den islamischen Radikalismus äußerst gering", sagte Alchanow beim russisch-saudischen Forum, das am 24. und 25. Mai in Moskau stattfand. Nach Meinung des Präsidenten Tschetscheniens "wäre es bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus am wirksamsten, wenn sich die Staaten mit moslemischer Bevölkerung selbst in den ersten Reihen gegen den Terrorismus einsetzten".

    Die Idee, dass vor allem die Moslems selbst gegen Terrorerscheinungen kämpfen müssen, ist heute in der moslemischen Weltumma (Weltgemeinschaft) sehr populär. Auch Russland macht hierbei keine Ausnahme.

    "Es darf nicht ewig wiederholt werden, dass ‚der Islam für den Frieden ist', denn der Islam braucht keine Rechtfertigung. Wir müssen dem Geschehen in der Welt und in Russland eine klare Einschätzung geben und gestehen, dass viele unserer Probleme davon herrühren, dass wir - führende Geistliche, Vertreter gesellschaftlicher Organisationen etc. - schlecht arbeiten", sagte der Vorsitzende der russischen islamischen gesellschaftlichen Organisation "Al-Chak" ("Gerechtigkeit"), Kamilschan Kalandarow, in einem Interview für die RIA Nowosti.

    "Beleidigungen des Islam, die Einsicht in die Probleme, die innerhalb der Umma bestehen, haben letzten Endes dazu geführt, dass die moslemische Elite Russlands die Notwendigkeit eingesehen hat, ihre Anstrengungen im sozialen Wirkungsfeld zu verstärken", sagte Kalandarow.

    Laut dem "Al-Chak"-Vorsteher hatte es in Russland seit vielen Jahren keine gesellschaftliche Organisation gegeben, die die Interessen der gesamten moslemischen Umma vertrat.

    Von Zeit zu Zeit entstanden kurzlebige Parteien und Blöcke - meistens vor den Wahlen in die Staatsduma -, die alle praktisch sofort wieder verschwanden.

    Im April 2005 wurde die gesamtrussische islamische Bewegung "Al-Chak" ("Gerechtigkeit"), die im Rahmen des Instituts für Menschenrechte entstand, erstmals seit fünf Jahren staatlich registriert. Jetzt läuft das Registrierverfahren für eine weitere gesellschaftliche Bewegung - "Russisches islamisches Erbe" (RIE).

    Bemerkenswert ist, dass Vertreter der Macht, darunter auch zwei Mitglieder des Föderationsrates, Umar Dschabrailow und Ralif Safin (beide sind dazu noch Großunternehmer ), in diese Arbeit einbezogen wurden. Und das ist nicht nur ein Anzeichen für die zunehmende Aktivität der islamischen Elite, sondern auch ein Ausdruck des Interesses der russischen Behörden an der Schaffung islamischer gesellschaftlicher Organisationen.

    Eine der Hauptaufgaben der "Al-Chak" ist der Schutz der Rechte der Moslems, die Vermittlung zwischen ihnen und den jeweiligen regionalen Behörden. "Während die geistlichen Verwaltungen einen nach der Moschee orientierten Islam kontrollieren, möchten wir die Prozesse kontrollieren, die außerhalb der Moschee vor sich gehen", bemerkte Kalandarow.

    Die gesellschaftlichen Organisationen könnten in Streitfällen vermitteln, die innerhalb der Umma entstehen, sowie die Rolle eines Vermittlers zwischen der Umma und dem Staat spielen. Die Bewegung hat heute enge Kontakte mit den geistlichen Verwaltungen angebahnt; jetzt besteht die Hauptaufgabe darin, regionale Zweigstellen zu bilden. Auch die RIE hat Regionen im Visier. Beide Bewegungen erachten es als notwendig, der islamischen Jugend, die sich nicht im Rahmen offizieller geistlicher Institute selbst verwirklichen kann, die Möglichkeit zu bieten, sich sozial und politisch aktiv zu betätigen.

    "Wir setzten uns zum Ziel, in örtliche Gesetzgebungs- und Vollzugsorgane einzuziehen, wir wollen junge und aktive Menschen dorthin bringen, jene, die mit den Geistlichen Verwaltungen der Moslems nicht verbunden und sogar in einen Konflikt mit ihnen verwickelt sind. Diese Menschen haben eine gute islamische und weltliche Bildung und sind politisch aktiv; und es ist notwendig, dass sie nicht zu Extremisten kommen, sondern sich mit sozialen Projekten befassen", betonte Kalandarow.

    Eine weitere Aufgabe der russischen und - wie die Praxis zeigt - nicht nur der russischen Moslems ist es, die Arbeit im Informationsfeld zu intensivieren.

    Der Skandal nach der Veröffentlichung eines Artikels über die Schändung des Koran im amerikanischen Stützpunkt Guantanamo, wo gefangene Taliben gehalten werden, durch die Zeitschrift "Newsweek" hat diese Notwendigkeit sehr deutlich hervorgehoben. Wie Kalandarow bemerkte, fällt es den Moslems sehr schwer, zwischen Wahrheit und Erfindung zu unterscheiden. Vor allem Extremisten unterschiedlicher Couleur, darunter diejenigen, die unter den Flaggen des Islam auftreten, wirken aktiv und professionell im Informationsfeld. Gerade sie sind es, die die moslemische Gemeinde beeinflussen, gerade nach ihnen wird über den Islam geurteilt. Daher besteht eine der Aufgaben, vor denen heute die russischen Moslems stehen, darin, mit den Massenmedien möglichst eng und professionell zusammenzuarbeiten und ein eigenes informations-analytisches Periodikum zu schaffen, das Vertrauen schafft. "Ohne dies wird es unmöglich sein, die Moslems vor Provokationen im Informationsbereich zu schützen, denn jede negative Information - egal, ob wahr oder erfunden - könnte die Situation in dieser oder jener Region sprengen", sagte Kalandarow.

    In diesem Zusammenhang ist auch der Vorschlag des Präsidenten Tschetscheniens, Alu Alchanow, aktuell: Die Moslems selbst müssen entscheiden, was Wahrheit und was Lüge ist und wer von ihnen ein Gerechter und wer ein Sünder ist.

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