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    Rolle des Euro in Russlands Wirtschaft wächst

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    MOSKAU, 27. Mai (Nina Kulikowa, Wirtschaftskommentatorin RIA-Nowosti). Ende Mai kündigte die Zentralbank in Moskau eine Erhöhung des Euro-Anteils am Zwei-Währungskorb auf 30 Prozent an. Dem stellvertretenden Bankpräsidenten Konstantin Korischtschenko zufolge wird dieser Anteil in nächster Zeit weiter wachsen. Diese Nachricht ist umso wichtiger, als gleichzeitig mit dem Euro-Anteil auch die Voraussagbarkeit des Rubel-Kurses steigen wird. Außerdem widerspiegelt sie die steigende Aufmerksamkeit gegenüber der gemeinsamen europäischen Währung, die in Russland bereits ein allgemeiner Trend ist.

    Der Dollar ist nach wie vor sowohl für die gesamte russische Wirtschaft als auch für den Haushalt jeder einzelnen Familie von großer Bedeutung. Lange Zeit war der Kurs der russischen Währung an den Dollar gebunden, der Dollar war eine übliche Verrechnungseinheit bei internationalen Handelsgeschäften und für die meisten Russen das populärste Mittel zur Aufbewahrung von Ersparnissen. Aber die Abschwächung des Dollar-Kurses auf dem Weltmarkt vor drei Jahren stellte die russischen Finanzbehörden vor die Notwendigkeit, die Auswirkungen der Dollar-Schwankungen für den Rubel-Kurs zu mindern. Das war umso mehr zweckmäßig, als damals der Euro bereits existierte.

    Im Februar dieses Jahres ging Russland zu einem Zwei-Währungskorb aus Dollar und Euro über und setzte damit Orientierungsmarken für die der Kurspolitik der Zentralbank. Den Anteil des Euro am Zwei-Währungskorb erhöht die Zentralbank vorsichtig. Zuerst betrug das Euro-Dollar-Verhältnis 0,1 zu 0,9. Dann wurde der Anteil der europäischen Währung auf 0,2 und 0,3 erhöht. Analytiker sind der Ansicht, dass die Veränderung des Zwei-Währungskorbs keine wesentlichen Folgen für Kursnotierungen haben dürfte.

    Der Zwei-Währungskorb ermögliche eine flexiblere Kursbildung und biete dem Rubel die Möglichkeit, seinen Kurs nicht nur gegenüber dem Dollar, sondern auch gegenüber anderen Währungen auszugleichen, sagt Korischtschenko.

    Viele Experten halten die Einführung des Zwei-Währungskorbs in Russland für durchaus begründet. Der Euro spielt ja in aller Welt schon lange eine wichtige Rolle.

    Laut Angaben des Generaldirektors der Moskauer Interbanken-Devisenbörse, Alexander Potjomkin, war der Anteil der in Euro nominierten internationalen Wertpapiere und Instrumente des Geldmarktes in den letzten Jahren weltweit im Wachstums begriffen, wobei der Dollar-Anteil schrumpfte.

    Hinzu kommt, dass die Verrechnung zwischen Russland und seinen wichtigsten Handels- und Wirtschaftspartnern, den EU-Staaten, ebenfalls in Euro erfolgt. Dabei werden mehr als 30 Prozent der gesamten russischen Auslandsschulden durch Euro-Zahlungen getilgt.

    Außerdem kauft die russische Zentralbank schon mehrere Jahre Euro an, um ihre schnell wachsenden Gold- und Devisenreserven zu diversifizieren. Diese betragen heute über 144 Milliarden Dollar und bestehen zu 25 bis 30 Prozent aus Euro. Nach den Worten von Pawel Tepluchin, Präsident der Treuhandgesellschaft Troika Dialog, kann der Anteil des Euro an den russischen Gold- und Devisenreserven künftig auf bis zu 50 Prozent steigen.

    Gemessen an der Rolle auf dem Weltmarkt, komme der Euro künftig mehr und mehr dem Dollar nahe, deswegen müsste der Anteil des Euro auch auf dem russischen Devisenmarkt erhöht werden, sagt Potjomkin.

    Jedenfalls war der Dollar für die Russen lange Zeit die beliebteste Sparwährung. Doch nach der Einführung des Euro erweckt die europäische Währung immer mehr Interesse bei der russischen Bevölkerung. Der Anteil des Euro am Devisenhandel der Wechselstuben nimmt stetig zu. Die Euro-Nachfrage wuchs bei der Bevölkerung im März 2005 laut Angaben der Zentralbank um 35 Prozent und überstieg somit erstmals die Dollar-Nachfrage, die sich lediglich um 15 Prozent vergrößerte.

    Von wachsender Popularität der europäischen Währung zeugt auch der Umstand, dass der Euro-Anteil am Gesamtumfang der Devisen-Depositen von Sberbank (der größten Staatsbank in Russland) bereits auf 20 Prozent gestiegen ist, während der Euro-Anteil am Wechselverkehr der Sberbank je nach der Region bei 15 bis 25 Prozent liegt.

    Es sei gesagt, dass der höchste Zuwachs des Euro-Kurses in die Zeit eines nachhaltigen Kursabfalls des Dollar in den letzten zwei Jahren fiel. In dieser Zeit wies die amerikanische Wirtschaft keine hohen Wachstumsraten auf, während die EU höhere Prozentsätze hat. Jetzt, da sich die US-Wirtschaft erholt und die Stagnation in Europa anhält, wenden sich Viele wieder dem Dollar zu.

    Man darf aber nicht vergessen, dass viele Export- und Importgeschäfte (vor allem mit Erdöl und anderen Energieträgern) traditionell in Dollar abgerechnet werden. Solange das so ist, bleibt der US-Dollar Währung Nummer eins. Der Euro-Umfang bei Bargeldtransaktionen und Bankkonten nimmt zwar zu, ist aber im Vergleich zum Dollar noch relativ bescheiden. Dennoch kann man mit Zuversicht sagen, dass der Anteil des Euro am russischen Devisenmarkt auch weiterhin wachsen wird.