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    Russland bietet Investoren die Erschließung von Erdöl-Neuland an

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    MOSKAU, 30. Mai (Jana Jurowa, politische Kommentatorin der RIA Nowosti). Die russischen Behörden sind ernstlich darüber besorgt, dass sich die Mineralien- und Rohstoffvorräte der industriemäßig erschlossenen Vorkommen langsam dem Ende zu neigen. Dabei will keiner der Privatbesitzer der Ölgesellschaften die Erkundung neuer Vorkommen finanzieren. Um Investoren anzulocken, hat die Regierung Russlands beschlossen, die Attraktivität auch nicht sehr rentabler Erdöl fördernder Gesellschaften zu erhöhen. Dazu wird jetzt die Konzeption einer Differenzierung der Steuer auf die Gewinnung von Bodenschätzen erörtert.

    Heute ist dieser Steuersatz für alle gleich, wobei die Selbstkosten der Förderung und die Qualität des Rohstoffes nicht berücksichtigt werden. Im Ergebnis sind die Betriebe, die über bessere Abschnitte verfügen, deutlich im Vorteil. Und die Gesellschaften, in deren Vorkommen schwer zu förderndes Öl vorherrscht, werden offenkundig benachteiligt. Im Ergebnis fördern die russischen Erdölunternehmen heute nur leicht zugängliches Erdöl.

    Damit ruhen in Russland mehr als 40 000 Fördersonden, die potentiell für den Betrieb geeignet sind, aber wegen ihres unrentablen Abbaus verlassen wurden. So gehören beispielsweise 2 856 solche Ölsonden zum Zuständigkeitsbereich der Ölgesellschaft „Baschneft". Für ihre Inbetriebnahme sind 60 Millionen US-Dollar erforderlich. Aber die Gesellschaft findet es sinnlos, Geld dafür auszugeben. Indes gehört die geologische Erkundung neuer Vorkommen als Beruf immer mehr der Vergangenheit an. Denn niemand will Geld für geologische Erkundungsarbeiten ausgeben. Dabei wurden 2004 durch die Nutzung von Bodenschätzen rund 35 Milliarden US-Dollar für den Staatshaushalt Russlands eingenommen. Das bedeutet mehr als 50 Prozent aller Einnahmen des russischen Staatshaushaltes und mehr als 70 Prozent aller Deviseneinnahmen aus dem Export. Kaum jemand in Russland zweifelt daran, dass die Wirtschaft noch lange Jahre auf die Rohstoff-Ressourcen stark angewiesen sein wird. Betragen doch die Naturressourcen in Russland laut UNESCO-Angaben wertmäßig 160 000 US-Dollar pro Kopf der Bevölkerung. Das ist zehnmal so viel, wie in Europa, den USA und Kanada.

    Laut dem Minister für Naturressourcen Russlands, Juri Trutnew, werden jedoch die rentablen russischen Erdölvorräte schon 2015 erschöpft. Dabei nimmt die geologische Vorbereitung neuer Vorkommen wegen ihrer Spezifik nicht wenig Zeit in Anspruch.

    Laut dem stellvertretenden Minister für Wirtschaftsentwicklung und Handel Andrej Scharonow müssten zur Entwicklung der Branche bis zum Jahr 2020 insgesamt 150 Milliarden US-Dollar investiert werden. Nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur belaufen sich die Bedürfnisse der Branche auf sieben Milliarden US-Dollar im Jahr. Wenn sich diese Zahlen auch unterscheiden, so stehen sie einander doch mehr oder weniger nahe.

    Woher sollen aber so bedeutende Geldsummen beschafft werden, wo die Investoren heute vor den Projekten, die Investitionen erfordern und keine Höchstgewinne in naher Zukunft versprechen, demonstrativ die Nase rümpfen? Nach Ansicht der russischen Regierung könnten sie heute angelockt werden, wenn die Steuer auf die Gewinnung von Bodenschätzen geändert wird. Der Steuersatz liegt heute bei 14,8 US-Dollar je Tonne. Bei seiner Berechnung wird der Koeffizient berücksichtigt, der den Dollarkurs und den Weltölpreis einschließt.

    Es wird die Steuerformel selbst revidiert. Bei ihrer Berechnung werden von nun an sowohl die bergbaugeologischen Faktoren (anfängliche Dichte der Vorräte, Lagerungstiefe der erdölführenden Schichten, Ölviskosität) als auch die ökonomisch-geographischen Faktoren (Entfernung eines Vorkommens vom betreffenden Verbrauchszentrum, das Vorhandensein einer Produktions-Infrastruktur uam.) berücksichtigt.

    Im Ergebnis wird der Steuersatz für die Unternehmen, die hochrentable Vorkommen abbauen, steigen. Diejenigen, die mit wenig ergiebigen Ölgängen arbeiten, werden dagegen viel weniger zahlen müssen. Wesentliche Abschläge werden für Gesellschaften gemacht, die Vorkommen erschließen, deren Ölvorräte auf weniger als drei Millionen Tonnen geschätzt werden.

    Den Gesellschaften, die den Abbau neuer Vorkommen zu übernehmen wagen, wird ist eine Steuerpause bis zu zwei Jahren in Aussicht gestellt. Freilich gilt das noch nicht für die Schelf-Projekte. Für diese Vorhaben werden besondere Bedingungen ausgearbeitet. Die meisten wenig rentalblen Vorkommen gehören heute Rosneft, Tatneft und Baschneft. Diese Gesellschaften können in Zukunft höchstwahrscheinlich Anspruch auf bedeutende Abschläge erheben. Indes ist schon jetzt klar, dass Yukos, Sibneft und Juganskneftegas im vollen Umfang zahlen müssen.

    Wann diese Konzeption in Kraft gesetzt wird, ist schwer zu sagen. Das Ministerium für Wirtschaftsentwicklung und Handel Russlands hatte sie noch 2001 ausgearbeitet. Aber den Gruppen, die die Interessen der Ölgiganten lobbyieren, gelang es bisher immer, die Behörden dahingehend zu beeinflussen, sich mit den Änderungen nicht zu beeilen. Seitdem hat sich die Disposition allerdings geändert: Yukos verlor seine Lobby- und Propagandakraft, Yuganskneftegas näherte sich dem Staat an. Auch das Ministerkabinett Russlands ist wie nie zuvor einer Entscheidung darüber nahe.

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