Radio
    Meinungen

    Kartellamt wirft russischen Geschäftsbanken Unlauterkeit vor

    Meinungen
    Zum Kurzlink
    0 3 0 0
    MOSKAU, 31. Mai (Nina Kulikowa, Wirtschaftskommentatorin der RIA Nowosti). Der Föderale Antimonopoldienst Russlands (Kartellamt) und die Zentralbank haben in den letzten Mai-Tagen gemeinsame Empfehlungen für Krediteinrichtungen hinsichtlich einheitlicher Regeln für die Preisgabe von Informationen bei der Gewährung von Konsumkrediten herausgegeben. In diesem Fall geht es um Angaben, die die Bank dem potenziellen Kreditnehmer zu gewähren hat. Es kommt vor, dass die von Banken bekannt gegebenen Kreditsätze, gelinde gesagt, nicht der Wirklichkeit entsprechen. Es geht nicht um einen dreisten Betrug der Kunden. Aber im Großen und Ganzen läuft alles darauf hinaus. So verschweigen manche Banken in der Etappe der Ausfertigung eines Kreditvertrages, dass sich der Wert des Kredits nicht nur aus regelmäßigen Zinszahlungen, sondern auch aus zusätzlichen Ausgaben zusammensetzt. Das sind zum Beispiel die Gebühr für die Kontoeröffnung und -führung, eine Kommission für die Gewährung des Kredits, eine Gebühr für die Organisierung des Kredits u.a.

    Wenn ein Kunde, der sich nicht in den Feinheiten von Finanzdokumenten auskennt, den Kredit ausfertigt, orientiert er sich auf den ihm bekannten Kreditsatz und setzt sich nicht selten über sonstige Zahlungen hinweg, weil er sie für unbedeutend hält. Das ist äußerst unbesonnen. Eine von der Konföderation der Verbraucherverbände durchgeführte Untersuchung ergab, dass der Gesamtwert eines Kredits den angekündigten Kreditsatz nicht selten um das Doppelte bis Zweieinhalbfache übersteigt.

    Eine solche Politik hätte als eine besonders raffinierte Form der Gaunerei betrachtet werden können. Aber das Kartellamt geht einen anderen Weg, indem den Banken, die solche Schemata benutzen, die Erlangung beachtlicher Vorteile außerhalb des Wettbewerbs vorgeworfen wird. Nach Angaben des stellvertretenden Direktors des Kartellamtes, Andrej Kaschewarow, belief sich der Kreditsatz bei der Bank "Russki Standard" bis zuletzt auf 29 Prozent p.a., während der Kunde real 66 Prozent zahlen musste. Bei der Home Credit and Finance Bank betragen diese Zahlen entsprechend 21 bzw. 50 Prozent. Es sei betont, dass nicht alle Banken auf dem russischen Markt von diesem Schema Gebrauch machen. Nach Angaben des Kartellamtes geben regionale Banken in den Gebieten Murmansk und Astrachan, wo Moskauer Krediteinrichtungen so gut wie nicht vertreten sind, beinahe reale Kreditzinsen an. Der Unterschied zwischen dem verkündeten und dem realen Kreditwert beträgt in diesen Regionen zwei bis drei Prozentpunkte. "Wenn Moskauer Banken in diesen Regionen Fuß fassen, wird sich die Tätigkeit der hiesigen Banken nicht zum Besseren wenden", sagte Kaschewarow.

    Man könnte zugeben, dass die "nicht vollständige "Preisgabe" der Informationen durch Banken eine Kehrseite der selben "nicht vollständigen Preisgabe" der Informationen durch die Kunden ist. Bislang haben die Krediteinrichtungen keine einheitlichen Datenbanken, in denen die Kreditgeschichten der Kunden gespeichert sind. Daher wälzen sie das Risiko der Verluste, die unlautere Kunden beibringen könnten, auf alle Kreditnehmer ab.

    Diese Probleme werden immer aktueller, weil im russischen Finanzsektor in letzter Zeit immer aktiver Leistungen für einzelne Privatkunden angeboten werden, so Konsumkredite, auf die jetzt die meisten Umsätze entfallen. Nach dem Stand von Ende 2004 erhielt die Bevölkerung Kredite für insgesamt 500 Milliarden Rubel (14,2 Milliarden Euro). Obwohl nur zwei Prozent der Bevölkerung Kreditleistungen von Banken in Anspruch nehmen, hat sich die Konsum-Kreditierung in den zurückliegenden drei Jahren verfünffacht.

    Es gibt die Chance, dass die Empfehlungen der Behörden zur Preisgabe aller Informationen bei der Gewährung von Krediten die Situation ändern und zu einem Wachstum in diesem Sektor beitragen. In dem Papier des Kartellamtes und der Zentralbank heißt es, dass die Banken vor Abschluss eines (Kredit-)Vertrages den Kunden über alle Ausgaben zu informieren haben, die mit der Gewährung, Bedienung und Rückzahlung des Verbraucherkredits verbunden sind. Empfohlen wurde auch, diese Informationen in Tabellen zur Verfügung zu stellen, die für die gleichen Arten des Kredits bei allen gleich sind, damit der Kunde die Konditionen in verschiedenen Banken vergleichen und eine bewusste Wahl treffen kann.

    Für die Nichtbefolgung der Empfehlungen sind keine Sanktionen vorgesehen. Aber Banken, die sich um ihr Image kümmern, werden die neuen Regeln ohne Zweifel befolgen. Anderenfalls würde der Kunde ein Geldinstitut bevorzugen, das umfassendere Informationen zur Verfügung stellt. Experten schließen nicht aus, dass die neuen Normen künftig in ein Gesetz über Verbraucherkredite aufgenommen und somit bindend werden.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren