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    MOSKAU, 02. Juni (Andrej Kisljakow, politischer Kommentator der RIA Nowosti). "Spricht man über Baikonur, so ist ‚Erster' das Hauptbeiwort dafür. Die erste interkontinentale ballistische Rakete, der erste Satellit und der erste Kosmonaut wurden von diesem Kosmodrom gestartet", sagte Anatoli Perminow, Leiter der Russischen Föderalen Weltraumagentur (russ. Abk.: Roskosmos), am 27. Mai vor seinem Treffen mit Journalisten im Vorfeld des 50-jährigen Jubiläums des berühmtesten kosmischen Zentrums.

    Dabei funktioniert heute Baikonur nicht nur im Rahmen des nationalen Weltraumprogramms. Es ist auch ein Objekt einer engen internationalen Zusammenarbeit. Aber alles begann durchaus nicht damit.

    Ursprünglich war Baikonur ausschließlich als Militärobjekt für Flugerprobungen des sowjetischen Superträgers - der Rakete R-7 - geplant, die für den Transport einer Wasserstoffbombe entwickelt worden war. Das Versuchsgelände Kapustin Jar, das am linken, asiatischen Wolgaufer in der Nähe von Wolgograd liegt, war für diese Rakete schon zu klein geworden.

    Es entstand das Problem der Wahl eines dünnbesiedelten Raumes, deren Böden in der landwirtschaftlichen Produktion wenig genutzt wurden und in dessen Nähe sich irgendeine Eisenbahnstrecke befand. Einen solchen Raum fand man in Kasachstan östlich vom Aralsee. Das war eine Halbwüste. Nördlich davon lag das Plateau Betlak-Dala, das durch den russischen Namen "Golodnaja stepj" ("Hungersteppe") am besten gekennzeichnet wird. Südlich von diesem Plateau lag die Wüste Karakum. Aber dort fließt der Syrdarja, einer der größten Flüsse Mittelasiens, und verlief eine Eisenbahn, die Moskau mit Taschkent, der Hauptstadt Usbekistans, verband.

    Zunächst arbeiteten in diesem Ödland lediglich zeitweilige Abteilungen von Geodäten und Hydrotechnikern, die das Geländerelief, die Bodenbeschaffenheit und die Wasserressourcen studierten. Die erste Abteilung von Angehörigen des Militärbauwesens mit Leutnant Igor Deneschkin an der Spitze traf in der Station Tjura-Tam am 12. Januar 1955 ein. Der Versuchsplatz wurde unglaublich schnell gebaut. Es genügt zu sagen, dass es notwendig war, allein für den Bau des Kanals zur Ableitung der Flamme während des Starts der R-7-Rakete eine Million Kubikmeter Grund auszuheben. Aber schon am 6. Mai 1957 wurde die erste Rakete in der Startposition aufgestellt.

    Nach dem Start des ersten Satelliten musste der "Versuchsplatz des Verteidigungsministeriums" in das Kosmodrom Baikonur umbenannt werden, denn ein Kosmodrom musste es geben, wenn ein Satellit gestartet wurde.

    Im Bestreben, den "potentiellen Gegner" in die Irre zu führen, nannten die sowjetischen Geheimdienste das Kosmodrom Baikonur. In Kasachstan besteht tatsächlich eine kleine Stadt Baikonur. Aber sie liegt etwa 350 km nördlich von der Eisenbahnstation Tjura-Tam, wo sich das wirkliche Kosmodrom befindet. Elementare ballistische Berechnungen während der Starts zeigten gleich, dass das wirkliche Kosmodrom und das richtige Baikonur unterschiedliche geographische Punkte sind. Aber dieser Name bürgerte sich mit Hilfe von Massenmedien ein.

    "Heute ist das Kosmodrom", betont Perminow, "der weltgrößte Komplex, der für den Start von Objekten in den Kosmos genutzt wird. In Übereinstimmung mit dem Abkommen zwischen Russland und der Republik Kasachstan vom 9. Januar 2004 über die Entwicklung der Zusammenarbeit bei der effektiven Nutzung des Komplexes befindet sich Baikonur bis zum Jahre 2050 in Pacht der Russischen Föderation." Dabei verbindet sich im gegebenen Fall die Definition "das größte" bestens mit den Worten "sich dynamisch entwickelndes" und "effektives".

    "An der weiteren Entwicklung des Kosmodroms ist eine Reihe von Staaten - Russland, Kasachstan, USA und Ukraine - interessiert. Kasachstan hat unter anderem sein Weltraumprogramm, das recht ehrgeizig ist. Im Falle seiner Umsetzung wird Kasachstan zu einer der führenden Weltraummächte", sagte Anatoli Perminow. Der erste kasachische Satellit "Kassat" wurde schon entwickelt und wird in Russland gebaut.

    "Was die USA betrifft, so sind sie an der Realisierung von Startleistungen vom südlichen Kosmodrom interessiert", betonte Perminow. Daran gibt es nichts Erstaunliches. Erstens sind die Starts von Baikonur wegen der geographischen Lage des Kosmodroms ökonomisch vorteilhaft. Zweitens kam Russland im Jahre 2004 nach dem Umfang der erbrachten Startleistungen auf den ersten Platz in der Welt.

    Somit verwandelte sich dieses Objekt mit einem sehr hohen Geheimhaltungsgrad, das für die Perfektionierung des Raketen- und Kernwaffenschildes gebaut worden war, im Gebot der Zeit in einen Weltraumhafen, der in der ganzen Welt bekannt ist.