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    Beslan fordert Aufhebung des Moratoriums über die Todesstrafe

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    MOSKAU, 06. Juni (Juri Filippow, politischer Kommentator der RIA Nowosti.). Nurpascha Kulajew gehörte zu denen, die am 1. September 2004 in einer Schule von Beslan über 1 200 Geiseln nahmen.

    Die Mütter der im nordossetischen Beslan getöteten Kinder verlangen, das Moratorium über die Todesstrafe aufzuheben. Das Moratorium wurde in Russland 1996, nach dem Beitritt unseres Landes zum Europarat, verkündet. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Staatsduma im Zusammenhang mit dem Fall Kulajew die Frage nach der Aufhebung des Moratoriums über die Todesstrafe aufwirft", sagt Wladimir Wassiljew, Vorsitzender des Sicherheitsausschusses der Staatsduma.

    In Beslan fanden 317 Geiseln, darunter 186 Kinder, den Tod. Kulajew, der einzige von den 32 Terroristen, der am Leben geblieben ist, verzichtete auf das Geschworenengericht, weil der Prozess in der Hauptstadt Nordossetiens stattfindet und das Geschworenengericht für den Angeklagten die Höchststrafe bedeuten würde.

    Und doch droht dem Terroristen die härteste Strafe nicht. „Seinerzeit übernahm Russland etwas überstürzt die allzu große Verpflichtung gegenüber dem Europäischen Rat , aber für ein Zurück ist jetzt schon zu spät, die meisten Abgeordneten werden einen solchen Vorschlag nicht unterstützen", meint Wassiljew.

    Selbst trotz der europäischen Verpflichtungen Russlands gibt es bei Kulajew wohl nur eine Möglichkeit. Am ehesten erwartet ihn der lebenslange Freiheitsentzug.

    Kulajew war weder Organisator noch die wichtigste handelnde Person im Drama von Beslan. Seinen eigenen Aussagen zufolge, die er in diesen Tagen vor dem Obersten Gericht Nordossetiens machte, habe sein Bruder ihn in einen nach Beslan fahrenden Lastwagen gedrängt, ohne auch nur zu erklären, was sie weiter zu tun hätten.

    In der Bande, die Beslan überfiel, gab es noch andere solcher Leute wie Kulajew. Einige von ihnen versuchten einen Widerstand, als sie erfuhren, dass sie Kinder als Geiseln nehmen sollten, wurden jedoch vom Hauptanführer Ruslan Chutschbarow (alias „Oberst") getötet. Zuerst erschoss er einen, der nicht Terrorist werden wollte, auf dem Schulhof, und später, bereits in der Schule, sprengte er zwei Frauen mit Todesgürteln, eigenhändig in die Luft.

    Glaubt man Kulajew, so war auch er selbst in Beslan eine Art Geisel: Er habe keinen einzigen Schuss abgegeben und sei, als der Sturm begann, sofort aus dem Fester gesprungen und habe sich unter einen Lastwagen verkrochen.

    Wie der stellvertretende Generalstaatsanwalt Nikolaj Schepel, der beim Prozess als Ankläger auftritt, sagt, bagatellisiere Kulajew offensichtlich seine Schuld. Schepel behauptet, der Terrorist habe einer speziell aufgestellten Bande angehört und den genauen Auftrag gehabt, „das Gebäude der Schule und das anliegende Gelände zu blockieren, maximal viele Geiseln zu nehmen und sie gewaltsam festzuhalten".

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