13:08 26 September 2017
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    Wozu hat Gasprom die Iswestija gekauft?

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    MOSKAU, 06. Juni (Wassili Kononenko, Kommentator der RIA Nowosti). Eine der führenden und angesehensten Zeitungen Russlands, die Iswestija, die schon bald den 90.

    Jahrestag ihres Erscheinens begeht, wurde verkauft. Der Käufer ist die Holding „Gasprom-Media", die gegenwärtig das Kontrollpaket der Aktien von den Fernsehsendern NTW, „NTW Plus", TNT und einigen Radiostationen in ihrem Besitz hat, darunter auch von Radio Echo Moskwy. Sie hat außerdem im Verlagshaus „Sem Dnej" das Sagen.

    Gasprom-Media verbreitete eine offizielle Mitteilung, in der es heißt, dass das Unternehmen vom Verlag Prof-Media 50,19 Prozent der „Iswestija"-Aktien gekauft hat. Die Höhe des Kaufpreises wird nicht genannt, doch geht es um 20 bis 25 Millionen US-Dollar. Das ist nicht viel.

    Das Redaktionsteam hatte kaum von der vollzogenen Übernahme erfahren, als den Journalisten und den anderen Mitarbeitern augenblicklich die Gehaltsrückstände für zwei Monaten ausgezahlt wurden. Wie sich erwies, war die Begleichung der Schulden gegenüber dem Personal eine der Bedingungen für den Geschäftsabschluss zwischen den beiden Mediengruppen.

    Nach dem formalen Akt der Übergabe der Amtsgeschäfte zwischen den beiden Chefmanagern, Rafael Akopow von Prof-Media und dem Generaldirektor von Gasprom-Media, Nikolai Senkewitsch, fand im Gebäude der Zeitung ein erstes Treffen des neuen Verwaltungschefs mit der Belegschaft statt.

    Über die Ziele der Übernahme äußerte sich Senkewitsch wie folgt: „Uns gefiel die Zeitung, und wir entschlossen uns, sie zu kaufen. Gasprom-Media befasst sich schließlich mit politischen Medien." Doch dann verbesserte sich Senkewitsch und sagte „mit qualitativ guten Medien". Seinerseits erklärte der Vertreter des scheidenden Besitzers, Rafael Akopow, den Sinn des Geschäftes mit den Worten: „Wir haben im Gegenteil beschlossen, uns gewinnbringenden Tabloid-Ausgaben zuzuwenden."

    In der Tat, es ist kaum zu glauben, dass das Staatsunternehmen Gasprom die Zeitung ausschließlich aus geschäftlichen Gründen in seinen Besitz brachte. Das Blatt befindet sich nicht im besten finanziellen Zustand. Was wohl unausweichlich war, denn das junge Team vermochte in den letzten Monaten nicht wenig zu tun. Es erschienen argumentierte und kritische Materialien. Das Layout wurde verändert. Verstärkt wurde die Moskauer Ausgabe, was die Popularität der Zeitung merklich erhöhte. Seit April erschien sie farbig. Für all das wurde nicht wenig Geld aufgewandt. Gleichzeitig kamen neue Reklamegeber, und die Zeitung schien in der Perspektive ihre Rentabilität erreichen zu können.

    Doch für einen Käufer jedenfalls, der nur Gewinn machen will, kann eine politische Zeitung in Russland keine attraktive Ware sein, so wie der Markt der Printmedien gegenwärtig bestellt ist. Darum ist es nicht zweckmäßig, davon zu sprechen, dass Gasprom einen ökonomisch vorteilhaften Erwerb gemacht hat. Der Wahrheit dürfte schon die Version näher kommen, wonach der Staatsmonopolist mit einem Milliardenumsatz die Nische der einflussreichen Medien mit Blick auf die Zukunft besetzen will, sagen wir, mit Blick auf die Parlamentswahlen 2007 und die Präsidentenwahlen 2008. Die Logik des Eigentümerwechsels bei der Iswestija kann also nur im Bereich der großen Politik liegen.

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