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    Russische Tankschiffflotte ist für die neuen Sicherheitsregelungen gerüstet

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    MOSKAU, 08. Juni (Wassili Subkow, wirtschaftspolitischer RIA-Nowosti-Kommentator).

    Das Verbot für die Ein-Hüllen-Tanker hat sich auf die Arbeit der russischen Flotte nicht ausgewirkt.

     Diesen Standpunkt äußerte Alexej Kljawin, Vizedirektor des Amtes für Staatspolitik auf dem Gebiet des Eisenbahn-, Schiff- und Binnenschiffverkehrs des Ministeriums für Verkehrswesen Russlands, in einem RIA-Nowosti-Gespräch.

    Das Ministerium begrüßt die von der International Maritim Organization (IMO) beschlossenen Maßnahmen zur Kontrolle über den Zustand der Öltankschiffflotte und zur Steigerung der Umweltsicherheit beim Transport von Erdöl und Erdölprodukten, führte Kljawin weiter aus. Russische Reedereien unternehmen die erforderlichen Schritte zur Erneuerung der gesamten Tankschiffflotte.

    Am 5. April dieses Jahres sind nämlich Änderungen der Internationalen Konvention zur Verhinderung der von Schiffen verursachten Seeverschmutzung in Kraft getreten. Danach sollen die Ein-Hüllen-Öltankschiffe aus dem Verkehr gezogen werden. Zuvor waren Schiffe an Anker gelegt worden, die mehr als 28 Jahre alt waren.

    Die neuesten Anforderungen betreffen nicht Russland allein. Gemäß den Änderungen sollen bis 2010 mehr als 700 Tankschiffe mit einer Gesamtwasserverdrängung bis zu 74 Millionen Tonnen verschrottet werden. Die jüngsten davon sind dabei erst 14 Jahre alt.

    Wie Kljawin feststellte, ist der Zustand der russischen Tankschiffflotte auf einem solchen Niveau, dass die neuen Anforderungen für sie praktisch nicht spürbar sind. Nach seinen Worten verfügen die russischen Schiffsbesitzer über eine der modernsten Tankschiffflotten der Welt.

    In den fünf russischen Hochseereedereien, die sich mit dem internationalen Transport von Öl und Ölprodukten befassen, gab es im vergangenen Jahr lediglich noch vier große Ein-Hüllen-Tankschiffe. Sie alle wurden bereits vor dem Inkrafttreten der neuen internationalen Forderungen aus dem Verkehr gezogen.

    Insgesamt zählte die auf den internationalen Routen eingesetzte russische Tankschiffflotte nach dem Stand vom 1. Januar 2004 139 Schiffe mit einer gesamten Wasserverdrängung von 6,391 Millionen Tonnen. Unter russischer Flagge fuhren dabei 40 Schiffe (gesamte Wasserverdrängung 1,016 Millionen Tonnen) und unter ausländischen Flaggen 99 Schiffe (gesamte Wasserverdrängung 5,374 Millionen Tonnen) im Einsatz.

    Insgesamt liegt Russland bei der gesamten Wasserverdrängung der Schiffe aller Klassen auf Platz 12 in der Welt. Mitte der 80er Jahre belegte die UdSSR-Flotte die Plätze vier bzw. fünf.

    Der russische Ölexport nimmt bereits seit mehreren Jahren zu. Dementsprechend wächst auch der Bedarf an einer eigenen Tankschiffflotte. Nach Angaben des Verkehrsministeriums werden allein über das Schwarze Meer jährlich bis zu 100 Millionen Tonnen Rohöl befördert. In einigen Jahren soll dieser Umfang auf 120 bis 130 Millionen Tonnen Rohöl und 60 bis 80 Millionen Tonnen Ölprodukte steigen.

    Mit der Fertigstellung der letzten Baufolge des Baltischen Pipelinesystems (BPS), womit dessen Jahresleistung auf 60 Millionen Tonnen erhöht wird, könnte der Gesamtumfang des Rohöltransport über die Ostsee auf rund 80 Millionen Tonnen steigen. Das BPS-Hauptterminal im Hafen von Primorsk war bereits im Entwicklungsstadium für Zwei-Hüllen-Tankschiffe gedacht. Wie ausländische Analytiker feststellen, ist Primorsk heute das modernste Ölterminal an der Ostsee mit dem denkbar höchsten Stand der Umweltsicherheit.

    Ein besonderes Thema ist der Hochsee-Öltransport von den Vorkommen in der Arktis. Ein aktiver Abbau der Vorkommen auf dem russischen Arktisschelf ist nicht mehr weit entfernt. Gegenwärtig fördert Russland bereits 95 Prozent seines Gases und 75 Prozent des Erdöls im Hohen Norden und in Sibirien. Der Hochseetransport soll den russischen Exporteuren zusätzliche Möglichkeiten für eine reibungslose Belieferung der Abnehmer eröffnen.

    Besondere Schifffahrtbedingungen im arktischen Gewässer erfordern entsprechende Sicherheitsvorkehrungen für den Öltransport. Deshalb schenken russische Unternehmen, die Schiffe im Norden bereits einsetzen bzw. sich auf die Arbeit im arktischen Gewässer vorbereiten, der entsprechenden Vorbereitung der Schiffbesatzungen und dem Bau eisgängiger Öltankschiffe besondere Aufmerksamkeit. So hat das Unternehmen Rosneft zusätzlich sechs Zwei-Hüllen-Tankschiffe der verstärkten Klasse bestellt. 40 Prozent der Gesamtbestellungen an Schiffen der Aktiengesellschaft Sovkomflot machen eisgängige Tankschiffe aus.

    Insgesamt sieht das Programm zur Ergänzung der Tankschiffflotte Russlands für die Jahre 2002 bis 2010 den Bau von 73 Schiffen mit einer Gesamtwasserverdrängung von 4,012 Millionen Tonnen und Investitionen von 2,683 Milliarden Dollar vor. Im vergangenen und in diesem Jahr wurden das Öltankschiff „Primorje" (Wasserverdrängung 105 000 Tonnen) aus kroatischer Produktion für die fernöstliche Reederei Primorje (für das Öl von der Insel Sachalin bestimmt), sowie zwei Aframax-Schiffe für das Unternehmen Novoship und zwei Suezmax-Schiffe für Sovkomflot der Bestimmung übergeben. Vier Tankschiffe wurden für den Einsatz auf der Barentssee gebaut.

    Wie Kljawin feststellte, verringern die Zwei-Hüllen-Schiffe zwar das Risiko eines Ölverlustes im Fall einer Havarie, sie sind aber kein Allheilmittel und keine 100-prozentige Garantie bei Strandungen, Zusammenstößen und sonstigen Havarien. Zu 80 bis 90 Prozent hängt die Sicherheit vom „Faktor Mensch" ab - von den Erfahrungen des Kapitäns, der Vorbereitung der Mannschaft und der Ausstattung des Schiffs mit modernen Fernmelde- und Radarmitteln. Deshalb wird diesem Aspekt in Russland besondere Aufmerksamkeit geschenkt.