03:17 21 Oktober 2017
SNA Radio
    Meinungen

    Gesetz über Kreditgeschichten in Russland in Kraft getreten

    Meinungen
    Zum Kurzlink
    0 421

    MOSKAU, 8. Juni (Nina Kulikowa, Wirtschaftskommentatorin der RIA Nowosti). Am 1. Juni 2005 ist in Russland ein Gesetz über Kreditgeschichten in Kraft getreten.

    Nach Angaben der Sparanlagenbank Russlands (Sberbank) haben sich die Bankguthaben der Bevölkerung in den zurückliegenden drei Jahren per Dezember 2004 in absoluten Zahlen auf 68 Milliarden US-Dollar nahezu verdreifacht. Die Summe der gegen Ende 2004 der Bevölkerung gewährten Kredite belief sich auf 20 Milliarden Dollar.

    Die Verbraucherkredite nahmen führende Positionen auf dem Markt der Finanzleistungen für Privatpersonen ein, der in den vergangenen drei Jahren um 400 Prozent expandierte. Nach Angaben des Unternehmens VISA International werden die meisten Verbraucherkredite in Russland für den Erwerb von Haushaltstechnik gewährt. Der Anteil dieser Kredite beträgt 41 Prozent. Darauf folgen Computertechnik mit 37 Prozent, Bekleidung (Pelz- und Velourledermäntel) mit 15 Prozent und Kraftfahrzeuge mit sechs Prozent.

    Auf dem russischen Markt treten immer mehr Akteure auf, vor allem ausländische Banken. Nach Worten des stellvertretenden Sberbank-Vorstandsvorsitzenden Alexander Brinsa nahm der Anteil ausländischer Teilnehmer auf dem Markt für Verbraucherkredite allein 2004 von 5,5 auf 7,5 Prozent zu. Banken in Ländern der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) und dem Baltikum bekunden immer mehr Interesse am Markt der Finanzleistungen für Privatpersonen in Russland. Ihr Konkurrenzkampf gegen die großen Geldinstitute in der Europäischen Union (EU) oder den USA ist alles andere als leicht. Aber das Potenzial des Marktes ist derart groß, dass jeder darauf Platz finden kann.

    Nach Schätzung von Experten bewahren 70 Prozent der Bevölkerung Russlands ihre Ersparnisse zu Hause auf. Nur zwei Prozent der Russen nehmen Verbraucherkredite auf. Die Hauptursache dafür besteht darin, dass sich die Kultur "des Lebens auf Pump" bislang in Russland noch nicht durchgesetzt hat. Zudem ist der Modus für die Ausfertigung der Kreditverträge für die Verbraucher nicht immer klar. Ja auch das Vertrauen der Kunden gegenüber den Banken selbst lässt noch zu wünschen übrig.

    Dabei sind die Verbraucherkreditsätze in Russland verhältnismäßig hoch: Im Schnitt 15 Prozent für Valutakredite und ab 20 Prozent für Rubelkredite im Jahr. Nach Angaben der Agentur Business Vision ist der Kreditsatz nur für 19 Prozent der potenziellen Kreditnehmer in Russland ausschlaggebend. Für 36 Prozent der Kunden kommt es darauf an, ob der Kredit unmittelbar vor dem Kauf im Geschäft gewährt wird. 33 Prozent setzen auf den Ruf der Bank und für zwölf Prozent ist es wichtig, ob die betroffene Bank Filialen hat.

    Einige Experten sind der Ansicht, dass der Verbraucher die hohen Kreditsätze akzeptiert, weil der Umfang der ungedeckten Nachfrage nach Krediten unter der Bevölkerung überaus groß ist. Das betrifft insbesondere die Hypothekarkredite. Andere Experten meinen, dass die Menschen einfach nicht wissen, wie hoch Kreditsätze eigentlich sein sollten. Zudem wird ein Kredit nicht selten nur für einen einzigen Großkauf aufgenommen. Der Kunde zahlt ihn zurück und nimmt keine weiteren Kredite mehr auf. Lou Naumovski, Erster Vizepräsident von VISA International, spricht davon, dass sich die russischen Kunden keine Gedanken über die hohen Kreditsätze machen. Aber das werde bald vorbei sein. Die Ära hoher Kreditsätze gehe dem Ende zu, weil die Menschen immer besser gebildet würden.

    Seinen Beitrag zur Entwicklung des Finanzmarktes in Russland soll das neue Gesetz über die Kreditgeschichten leisten. Dieses Gesetz legt den Modus für das Speichern und die Preisgabe von Informationen über die Rückzahlung von Krediten durch die Kunden fest. Die Finanzbehörde geht davon aus, dass damit sowohl die Kreditgeber als auch die Kreditnehmer besser geschützt sein werden. Zudem soll das sinkende Risiko auch die Kreditsätze nach unten drücken.

    Das Gesetz bleibt aber unwirksam, bis nicht ein Mechanismus zum Austausch der Daten zwischen den Banken und den Kreditbüros geschaffen worden ist. Das ist ein äußerst kompliziertes Unterfangen. Erstens: Technologische Gründe. Jede Bank nutzt eigene Informationstechnologien, die Zusammenlegung dieser Technologien erfordert erhebliche Ausgaben. Zweitens: Juristische Gründe. Die Kreditgeschichten, die bereits jetzt schon bei den Banken gespeichert sind, können nicht automatisch neuen Büros zur Verfügung gestellt werden. Nach dem Gesetz bedarf diese Transaktion einer Zustimmung des Kreditnehmers. Deshalb wird die Datenbank für Kreditgeschichten im Grunde genommen von Null an geschaffen werden müssen. Nach Ansicht von Anatoli Aksakow, stellvertretender Vorsitzender des Duma-Ausschusses für Finanzmärkte, werden die ersten Ergebnisse aus der Anwendung des Gesetzes über die Kreditgeschichten erst in drei bis fünf Jahren spürbar sein.

    Gegenwärtig gibt es in Russland bereits einige Kreditbüros. Es handelt sich um das Nationale Büro für Kreditgeschichten unter Beteiligung des US-Unternehmens Transunion-Crif bei der Vereinigung Russischer Banken wie auch um das Büro für Kreditgeschichten Experian-Interfax, das unter Teilnahme der britischen Firma Experian gegründet wurde. Analysten sind der Ansicht, dass die Kombination aus den Erfahrungen solcher weltweit angesehenen Branchenführer wie Transunion und Experian und der Kenntnis der Besonderheiten des örtlichen Marktes durch die russischen Partner ein gutes Ergebnis zeitigen wird.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren