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    MOSKAU, 10. Juni (RIA Nowosti)

    "Wedomosti"

    Investoren nehmen Putins neuen Kurs unter die Lupe

    Der neue Kurs Wladimir Putins zwingt die Investoren, nach einer neuen Antwort auf die Frage "Who ist Mr. Putin?" zu suchen. Die bisherige Antwort - "ein westlich orientierter Reformer" - gilt nun als falsch. Zwar ruft das Image eines Politikers, der von seinen Ratings besessen ist und an die Allmacht des Fernsehens glaubt, bei den Beobachtern keinen besonderen Enthusiasmus hervor, sie glauben dennoch weiterhin daran, dass man in Russland gutes Geld verdienen kann, schreibt die Wirtschaftszeitung "Wedomosti" am Freitag.

    Vor drei Jahren schien es noch, dass die Antwort auf die ursprünglich im Winter 2000 in Davos gestellte Frage "Wer ist Herr Putin?" ein und für allemal gegeben ist. Von Wirtschaftsexperten wurde er als "westlich orientiert" und als Anhänger von Reformen angesehen. Sie ließen sich weder vom Krieg in Tschetschenien, noch vom Kampf des Kremls gegen die Oligarchen Boris Beresowski und Wladimir Gussinski irritieren. Die Vernichtung der Ölfirma Yukos und die Verurteilung der früheren Yukos-Besitzer Michail Chodorkowski und Platon Lebedew wie auch die gewachsenen Aktivitäten der Steuerbeamten und die Abschaffung der Gouverneurswahlen zwangen aber die Investoren zum Nachdenken.

    Die Investorengemeinschaft beurteilt nun Putins Handlungen zynischer. Dem Analytiker Rory McFarchar aus der Investmentbank Goldman Sachs fiel kürzlich ein, wie die Kluft zwischen den liberalen Erklärungen des Präsidenten und seinen antiliberalen Handlungen zu erklären ist: "Putin respektiert den Technokratismus der liberalen Experten, die Reden für ihn vorbereiten - wir bezeichnen sie als ‚Putins Kopf". Sein ‚Herz' gehört aber einer völlig anderen Gruppe von Beamten mit einem nationalistischen Herangehen an die Außenpolitik und einem autoritären Blick auf die Wirtschaft."

    Putins neue Mythologie bringt jedoch die Investoren nicht davon ab, in Russland Geld anzulegen. "Die Demokratie ist eine Sorge von Journalisten, für die Geschäftsleute ist aber das Verhältnis zwischen Gewinn und Risiko wichtig", sagt Peter Kölle, geschäftsführender Direktor für den GUS-Raum der deutschen HypoVereinsbank. Und Peter Vestin aus der Investmentgesellschaft Aton behauptet: Trotz aller Marotten der Staatsführung wird Russland für ausländische Investoren immer attraktiver: "Die Reformen gehen zwar langsam, aber kontinuierlich voran."

    "Argumenty i Fakty"

    Gibt es eine Verschwörung gegen Russland?

    Die NATO-Osterweiterung und die "bunten" Revolutionen in der GUS werden von vielen russischen Bürgern als eine Kette von Ereignissen aufgenommen, die nicht zufällig sind. Gibt es eine Verschwörung gegen Russland? Im Vorfeld des Russland-Tages, der am 12. Juni begangen wird, äußern der Schriftsteller Alexander Prochanow und der Leiter des Fonds "Demokratie", Alexander Jakowlew, ihre Meinung dazu.

    Prochanow zweifelt nicht daran, dass die geostrategische Aufgabe des Westens darin besteht, Russland zu schwächen, ihm keine Möglichkeit mehr zu geben, wieder eine Supermacht zu werden und es zu einem "zahmen Spender" zu degradieren. Gerade deshalb wird das Land mit einem Sicherheitskordon umstellt, deshalb werden "feindliche Regimes" um Russland herum installiert. "Anzeichen einer Verschwörung liegen also auf der Hand", behauptet der Autor. Zur Attacke gegen Russland gehören auch die Einschleusung von Standards und Werten in das Leben der Russen, die ihnen fremd sind. "Bei dieser Attacke ist Hollywood genauso wichtig wie die NATO-Osterweiterung oder wie die Tatsache, dass junge Männer in Russland T-Shirts mit der USA-Flagge drauf tragen. Die Folgen dieser Attacke sind unvorhersagbar."

    Eine Verschwörung gegen Russland existiert bestimmt, der Verschwörer ist aber das eigene russische Beamtentum, das "geldgierig und korrupt" ist und "sein eigenes Volk verachtet", meint Jakowlew. Ziel dieser Verschwörung seien persönliche Macht und persönliche Bereicherung.

    "Früher waren die Juden an allem schuld, jetzt die Amerikaner", führte er weiter aus. "Wenn man sich das russische Fernsehen regelmäßig anschaut, so entsteht der Eindruck, dass Amerika nichts anderes zu tun hat als Intrigen gegen Russland zu schmieden. Jakowlew äußerte sein Erstaunen über die Ergebnisse einer Umfrage, der zufolge 80 Prozent der Russen Amerika als den größten Feind unseres Landes betrachten. "Weder Russland noch die UdSSR haben gegen die USA Kriege geführt. Kein einziger russischer Soldat wurde von einem amerikanischen Soldaten getötet bzw. umgekehrt. Und hier solch ein Ergebnis! Wenn man aber einen jeden fragt, was böses ihm persönlich Amerika angetan hat, wird er nichts antworten können." Wenn es also eine Verschwörung gegen Russland wirklich geben sollte, so "sind die ersten Verschwörer wir selbst", stellt Jakowlew abschließend fest.

    "Gaseta"

    Lukoil-Tochter verdirbt Ruf der Muttergesellschaft

    Das Unternehmen Narjanmarneftegas (NMNG), eine Tochtergesellschaft der Ölfirma Lukoil, hat am Donnerstag Steuernachzahlungsforderungen in Höhe von 1,46 Millionen Dollar für Februar und März 2004 erhalten. Gegen die NMNG-Leitung wurde ein Strafverfahren eingeleitet, berichtet die Tageszeitung "Gaseta" am Freitag. Dies könnte den Ruf des Unternehmens Lukoil verderben, das auf der NMNG-Basis ein Gemeinschaftsunternehmen mit seinem amerikanischen Teilhaber ConocoPhillips gründen will.

    Nach Ansicht der Steuerbeamten hatte die Gesellschaft bewusst falsche Zahlen in der Steuererklärung angegeben, um die Abführungen an den Staatshaushalt zu verringern. Bei Lukoil ist man damit nicht einverstanden. Nach den Worten von Dmitri Dolgow, dem offiziellen Sprecher der Gesellschaft, werden die Meinungsdifferenzen mit der Steuerbehörde derzeit im Arbitragegericht behandelt.

    Die Nachzahlungsforderungen kamen für Lukoil-Chef Wagit Alekperow nicht überraschend. Mitte April erklärte er, das Steueramt werde Forderungen für die Jahre 2002 und 2003 stellen. Wie aber Alekperow später mitteilte, hätten die Steuerbehörden keine Mängel in den Steuererklärungen der Ölholding für diese Jahre entdeckt. Die Lukoil-Leitung entspannte sich aber zu früh. Die NMNG-Manager haben die Mutterfirma hereingelegt.

    Alekperows Erklärung vom April hatte dem Unternehmen 900 Millionen Dollar gekostet: Um diese Summe verringerte sich die Lukoil-Kapitalisierung. Am Donnerstag ließ sich der Lukoil-Aktienkurs von der Information über die Steuerforderungen nicht beeindrucken, gegen Abend stiegen die Aktien um 0,43 Prozent an.

    Dies ist auch nicht verwunderlich. Die Forderungen an die Lukoil-Tochter erscheinen im Vergleich zu den Forderungen an Sibneft (300 Millionen Dollar), TNK-BP (rund eine Milliarde Dollar) und Yukos (27 Milliarden Dollar) unerheblich.

    Der Vorfall könnte nur dem Lukoil-Ruf schaden. 2004 erklärte Lukoil-Vizepräsident Leonid Fedun, die Holding habe auf beliebige Schemen der Steueroptimierung verzichtet, darunter auch auf die legalen. Wie es sich nun herausstellt, haben die NMNG-Tochter diese Worte ignoriert.

    Auf der NMNG-Basis will Lukoil ein Joint Venture mit Conoco-Phillips gründen. Die Amerikaner versprachen Investitionen in Höhe von 500 Millionen Dollar in dieses Projekt. ConocoPhillips wird sein Versprechen kaum zurückziehen, es ist aber nicht ausgeschlossen, dass die amerikanische Seite bei den Beziehungen mit dem Partner aus Russland nun mehr Vorsicht an den Tag legen wird, schreibt die "Gaseta".

    "Nesawissimaja Gaseta"

    Russlands politische Parteien erlitten 2004 beträchtliche finanzielle Einbußen

    Die politischen Parteien Russlands haben die Ergebnisse des Finanzjahres ausgewertet. Wie es sich herausstellte, werden die Geldbörsen aller Parteien ohne Ausnahme sichtbar magerer, schreibt die "Nesawissimaja Gaseta" am Freitag. Dieser radikale Preisverfall des politischen Prozesses kann von dessen ernsthafter Abwertung zeugen.

    Die Föderale Eintragungsbehörde, die seit dem vergangenen Jahr die Parteien und Gesellschaftsvereinigungen kontrolliert, veröffentlichte jetzt die Finanzberichte der politischen Parteien. Wie es sich herausstellte, haben die Parteien im vergangenen Jahr beträchtlich an Finanzgewicht verloren. Die einzige Ausnahme war "Einheitliches Russland". Der Etat dieser Partei blieb zwar unter dem vorjährigen von 1,17 Milliarden Dollar (ein Dollar = 28,45 Rubel), war aber mit mehr als 915 Millionen Dollar weiterhin durchaus beachtlich. Besonders beträchtlich war die Verarmung der Rechten: Der gesamte Jahresetat der Partei Union der Rechtskärfte, die allein in die Parlamentswahlen 2003 rund 218 Millionen Dollar investiert hatte, machte etwa 49 Millionen Dollar aus. Bei der Partei Jabloko war er mit 42 Millionen noch geringer. Die "Verbilligung" der KPRF - von 112 auf 73,7 Millionen Dollar - und der Liberaldemokratischen Partei Russlands (LDPR) - von 121 auf 91 Millionen Dollar - war nicht so spürbar.

    Die Spenden von Bürgern und Institutionen bleiben weiterhin die wichtigste Einnahmequelle der meisten Parteien. Interessanterweise zahlten die Anhänger der Partei "Einheitliches Russland" 157 Millionen Dollar in die Parteikasse, bei den juristischen Personen trieb aber diese "Partei der Macht" über 713 Millionen Dollar ein.

    Interessant sind auch die Ausgaben einzelner Parteien. So steckte die LDPR den größten Teil ihrer Mittel in Wahlen und Propaganda. Für die Finanzierung der Parteiführung wurden lediglich 672 000 Dollar ausgegeben. Die KPRF und die Union der Rechtskräfte gaben für ihre Parteispitzen überhaupt nichts aus. Bei "Einheitliches Russland" belief sich dieser Ausgabenposten auf 209 Millionen Dollar - zehnmal mehr als für alle Wahlen zusammengenommen.

    Während die Parteien für den Unterhalt der regionalen Abteilungen weiterhin recht beachtliche Summen ausgeben (bei der Union der Rechtskräfte war das ein Viertel des Etats und bei der Partei "Einheitliches Russland" 402 Millionen Dollar), so kosten die Wahlen in den Regionen weiterhin so gut wie nichts. Laut der "Nesawissimaja Gaseta" kosteten die Präsidentenwahlen in Tschetschenien der Partei "Einheitliches Russland" ein Zwanzigstel der Kampagne des Gouverneurs des Gebiets Brjansk (jeweils 87 000 und 1,5 Millionen Rubel).

    Bisnes

    Kommt ein Billigauto von VW nach Russland?

    Der deutsche Konzern VW will einen Pkw zu einem Preis von 3.000 Euro auf den Markt bringen. Obwohl das Projekt hauptsächlich für China und arme asiatische Staaten gedacht ist, hätte es laut Marktexperten auch in Russland gute Chancen, schreibt die Tageszeitung Bisnes.

    Das Projekt, 3K genannt, ist eine Art Antwort an den französischen Hersteller Renault, der für Entwicklungsländer den Typ Logan entwickelt hat. Jetzt erwägt VW den Bau eines Billigautos. Ist das Projekt erfolgreich, werden Ostasien und China die wichtigsten Absatzmärkte. Dort hatte Volkswagen seinen Marktanteil eingebüsst, nachdem er auf Modelle teurer als die der Konkurrenten gesetzt hatte. 3K könnte auch nach Indien geliefert werden, wo der deutsche Automobilkonzern bereits die Verhandlungen über den Bau eines Werks abschließt.

    Es ist nicht auszuschließen, schreibt die Bisnes, dass das Billigauto auch auf den russischen Markt kommt: Es kann sowohl importiert als auch in Russland montiert werden. Jetzt verhandelt VW aktiv mit dem russischen Wirtschaftsministerium über den Bau eines Werks im Moskauer Vorort Stupino. Wie aus der Moskauer VW-Vertretung gegenüber Bisnes verlautete, liegt dem Konzern keine offizielle Information über das Projekt 3K in Russland vor.

    "Billige Autos sind bei uns noch immer populär. Klassische Lada-Modelle sind nach wie vor gefragt. Der neue Volkswagen wird mindestens dem technischen Niveau der 90er Jahre entsprechen, also moderner sein als der FIAT der 60er, der Prototyp für die Klassiker des Lada", sagte ein Topmanager eines VW-Absatzzentrums in Russland.

    Nach Angaben des russischen Automobilproduzenten AvtoVAZ schrumpft der Marktanteil der billigen Fahrzeuge in Russland schnell. 2003 betrug der Anteil der Autos mit einem Preis zwischen 3.000 und 4.500 US-Dollar 25 Prozent, 2004 ging er auf 19 Prozent zurück. Der Anteil der Fahrzeuge mit einem Preis zwischen 4.500 und 6.000 US-Dollar schrumpfte im besagten Zeitraum noch drastischer: von 30 auf sieben Prozent.

    Wenn der VW-Konzern beschließt, den Volkswagen 3K auf den russischen Markt zu bringen, wird er mit dem Import der Pkws aus China beginnen müssen, sagt ein AvtoVAZ-Sprecher. "Dafür muss der VW aber erst mal die notwendigen Gesetzesänderungen lobbyieren, denn der Export chinesischer VW ist momentan verboten".

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