13:33 23 Januar 2017
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    „Der 12. Juni ist als ein Feiertag sowohl für die ‚Weißen' als auch für die ‚Roten' gedacht"

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    MOSKAU, 10. Juni (Wassili Kononenko, Kommentator der RIA Nowosti.) Am 12. Juni feiert Russland den Tag Russlands! Die Bezeichnung verwirrt sogar die Bürger des Landes.

    Vor kurzem erst wurde er als Tag der Unabhängigkeit Russlands begangen. Vor genau 15 Jahren wurde die historische Deklaration über die staatliche Souveränität der RSFSR angenommen, die die UdSSR endgültig zu Grabe trug. Die ideologischen Wurzeln des Feiertages spalteten in all den Jahren seither die Gesellschaft in Anhänger und Gegner des ersten Präsidenten von Russland. Im Dezember vergangenen Jahres nahm die Staatsduma Änderungen am Arbeitsgesetzbuch vor. Der früher als Verfassungstag begangene 12. Dezember wurde aufgehoben, da er sinngemäß den Tag Russlands wiederholte. Hinzu gekommen sind neue Feiertage mit neuen Bezeichnungen, wie etwa der Tag der Volkseinheit am 4. November, der den revolutionären Feiertag am 7. November ersetzen soll. Bei all diesen Veränderungen meinte man es gut mit den Bürgern und wollte erreichen, dass die Bezeichnungen der Feiertage die Gesellschaft nicht mehr in „Rote" und „Weiße" teilen sollen. Doch so schnell gewöhnen sich die Menschen nicht an neue Feste.

    In einem Gespräch mit dem Kommentator der RIA Nowosti erläuterte Dmitri Polikanow, Experte des Gesamtrussischen Zentrums zum Studium der öffentlichen Meinung (WZIOM), dass die meisten Befragten den Tag Russlands nicht als einen Feiertag empfinden. Für 39 Prozent handelt es sich einfach um einen arbeitsfreien Tag, weitere 19 Prozent haben keine Emotionen in diesem Zusammenhang, weil sie überhaupt nicht wissen, wovon die Rede ist. Lediglich 16 Prozent der Russen sind bereit, an diesem Tag zu feiern, dass Russland seine Souveränität und Unabhängigkeit erlangt hat, worunter sie auch die demokratischen Errungenschaften verstehen.

    Überhaupt habe sich in den letzten Jahren, behaupten Politologen, die Einstellung zu allen offiziellen Feiertagen in Russland stark verändert. Immer weniger kalendermäßige Feiertage haben einen ideologischen Sinn. Selbst der 1. Mai und der 7. November - die „Klassen"-Feiertage unserer Senioren, eine Art Ausgangspositionen der ideologischen Schlacht, werden zunehmend zu gewöhnlichen arbeitsfreien Tagen. Und überhaupt ist Neujahr für die meisten das Hauptfest.

    Der Koordinator der kommunistischen Fraktion in der Staatsduma Sergej Reschulski betont: „Der Tag Russlands ist ein fremd wirkender Feiertag, da das Volk seinen Sinn nicht versteht. Der Feiertag Nr. 1. ist für die Kommunisten nach wie vor der 7. November." Galina Michaljowa, Leiterin der regionalen Verwaltung der Partei „Jabloko", ist im Gegenteil von der Notwendigkeit überzeugt, im Bewusstsein der Massen den feierlichen Charakter dieses Tages zu kultivieren, mit dem ihrer Ansicht nach die Geburt des demokratischen Russland verbunden ist. Alexej Mitrofanow von der Liberaldemokratischen Partei ruft sogar dazu auf, diesen Feiertag zu streichen, der, wie er sagt, für Boris Jelzin persönlich (er wurde am 12. Juni 1991 zum Präsidenten gewählt) gestiftet worden sei. Stattdessen will er den 12. April, den Tag, an dem Juri Gagarin die Ära der Weltraumfahrt eröffnete, als einen offiziellen Feiertag verkünden. Und hier die Meinung Andrej Subows, Professor an der Moskauer Staatlichen Hochschule für internationale Beziehungen: „Gesamtnationale Feste reifen in der Gesellschaft von innen heraus. Das bedeutet, dass die Gesellschaft ihnen früher zustimmt, als sie von oben angeordnet werden", sagt der Professor. Überzeugt fügt er hinzu: „Die Zeit für die Herausbildung des Hauptfestes des neuen Russland ist noch nicht gekommen. Was die ‚sowjetischen Feiertage' angeht, so werden sie gleichzeitig mit den älteren Generationen absterben.

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