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    Russland im harten Kampf auf den Getreidemärkten im Mittelmeerraum

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    MOSKAU, 10. Juni (Wassili Subkow, Wirtschaftskommentator der RIA Nowosti)

     Zeitgleich teilten das russische Landwirtschaftsministerium und die staatliche Generalagentur für Aufkäufe von Lebensmitteln Ägyptens mit, der Anteil des russischen Weizens am Getreideimport Ägyptens betrage heute unter Berücksichtigung der Lieferungen im Mai und Juni - 24 Prozent.

    In Anbetracht dessen, dass es erst das zweite Jahr ist, in dem russische Lieferungen an die Staatsreserve dieses Landes erfolgen, kann man sagen, dass es Moskau sehr schnell gelang, solche traditionellen Getreideexporteure wie Frankreich und Argentinien (entsprechend 18 Prozent und 20 Prozent) auf dem ägyptischen Markt zu überflügeln. Im Ergebnis kam Russland in diesem Land auf den zweiten Platz, denn 27 Prozent seines Getreideimports entfallen auf die amerikanischen Lieferungen im Rahmen von langfristigen Abkommen bei Inanspruchnahme amerikanischer Kredite.

    Die gegenwärtige Besonderheit des russisch-ägyptischen Getreidehandels besteht darin, dass Kairo neben internationalen Ausschreibungen bereits zweimal Aufkäufe außerhalb dieser Ausschreibungen vornahm (im April kaufte es direkt 30 000 Tonnen des russischen Weizens und Anfang Mai 250 000 Tonnen). Insgesamt erwarb Ägypten zu Anfang Juni nach dem System der staatlichen Aufkäufe bei Russland 1,85 Millionen Tonnen Weizen. Russland ist wohl bislang noch weit entfernt von jener Situation, als es vor 100 Jahren die Hälfte Europas mit Weizen versorgte. Aber Anfang März machte der gesamte russische Getreideexport schon 6 Millionen Tonnen im Jahr aus. Das Landwirtschaftsministerium schätzt das Exportpotential des Landes in diesem Jahr auf 8 bis 9 Millionen Tonnen.

    Die Aktivität der russischen Getreidetrader löste auf den Märkten des Mittelmeerraumes Unruhe aus. Die Häufigkeit der Geschäftsabschlüsse und deren großer Umfang ließen die Konkurrenten den vollkommen neuen Status des russischen Getreideexports - eine gewisse „Intervention" - erahnen.

    In der Tat. In der letzten Zeit wurden einige Länder im Nahost (Libanon und Israel), in Nordafrika (Ägypten, Tunesien und Marokko), in Südeuropa (Italien und Griechenland) und in GUS-Ländern (Aserbaidschan und Georgien) zu traditionellen und großen Käufern des russischen Getreides. Das Futtergetreide wird nach Italien und Spanien sowie nach Brasilien (im Austausch gegen Fleischlieferungen) exportiert. Früher wurde diese Zone von den Getreidelieferungen aus den USA, Australien und Europa gedeckt. Während aber die USA es vermochten, die führende Position zu behalten, so hat die EU einen Überschuss an Weizenvorräten.

    Dabei erteilte der Europäische Getreideausschuss im April die Genehmigungen für den Import von 102 797 Tonnen in die EU im Rahmen der Subquoten für Weizen mittlerer und niedriger Qualität. Im zweiten Quartal dieses Jahres wurden fast 40 Prozent dieser Quoten schon realisiert.

    Der russische Weizen ist so gut und billig, dass die oben genannten Länder ihn gern kaufen. Ägypten zum Beispiel erwarb bei der russischen Firma Jugtransitservis 30 000 Tonnen Weizen zu einem FOB-Preis von 125 US-Dollar je Tonne.

    Das Erscheinen großer russischer Weizenverkäufer auf Märkten mit starker Konkurrenz kann zu einer gewissen Herabsetzung der Preise bei den Hauptexporteuren - den USA, Argentinien und Frankreich - führen.

    Zu einem Erfolg des Getreidehandels trug auch eine nie dagewesene Operativität der russischen Zolldienste bei. Sie erlaubten zeitweilig, ab Februar, den Weizenexport ohne Zertifikat der Russischen Getreideinspektion (abgeschafft ab März dieses Jahres) bis zum Inkrafttreten neuer Normativdokumente für die staatliche Kontrolle der Qualität von Getreideressourcen. Sehr bald wird das Land sein Institut von unabhängigen Sachverständigen haben, die das Exportgetreide zertifizieren werden.

    Welche Getreideernte wird Russland in diesem Jahr einbringen? Nach Meinung des Landwirtschaftsministers, Alexej Gordejew, können 2005 66 bis 70 Millionen Tonnen Getreide geerntet werden. Das ist um 8 Millionen Tonnen weniger als im vorigen Jahr.

    Der Rückgang bei der Bruttoernte hängt vor allem mit späten Fristen der Frühjahrsaussaat zusammen, da viele Regionen wegen der langen Kälte in diesem Jahr zwei Wochen später die Frühjahrsbestellung in Angriff nahmen. Im Ergebnis kann sich die Erntekampagne auf den Spätherbst verschieben, was sowohl Verluste als auch Minderung der Getreidequalität nicht ausschließt.

    Aber das ist eine vorläufige Prognose. Die genaueren Zahlen werden in einem Monat erscheinen. In diesem Zusammenhang sind die Angaben des US-Landwirtschaftsministeriums interessant, wonach die Weizenernte in Russland in den Jahren 2005-2006 etwa 45 Millionen Tonnen betragen wird. 6 bis 6,5 Millionen Tonnen davon werden wahrscheinlich exportiert. Das heißt, das Niveau dieses Jahres wird gehalten.

    Zugleich ist Minister Gordejew sicher, dass sogar eine relative Abnahme der Bruttogetreideernte (wenn es wirklich dazu kommt) in diesem Jahr die Versorgung des Landes mit Brot- und Futtergetreide nicht beeinflussen wird. Über den Export der Ernte 2005-2006 kann man lediglich in der Mitte des Sommers genauer sprechen.

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